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Scheeßeler Fuhrenkamp: „Es bleibt etwas Negatives“

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Von: Matthias Röhrs

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Diana Cartwright vor ihrer 3,20 Meter hohen Hecke. Die darf sie nun behalten, und statt rund hundert sind nur 19 Bäume in ihrer Nachbarschaft gefällt worden. „Ein Erfolg“, sagt die Scheeßelerin.
Diana Cartwright vor ihrer 3,20 Meter hohen Hecke. Die darf sie nun behalten, und statt rund hundert sind nur 19 Bäume in ihrer Nachbarschaft gefällt worden. „Ein Erfolg“, sagt die Scheeßelerin. © Röhrs

Drei Jahre lang hat Diana Cartwright für den Erhalt mehrerer Dutzend Bäume im Bereich des Scheeßeler Fuhrenkamps gekämpft. Gefällt wurden sie – 19 Stück – trotzdem. Cartwright schließt nun mit diesem Kapitel ab – und spricht im Interview von einem Erfolg.

Scheeßel – Vor rund zwei Wochen hat die Gemeinde Scheeßel 19 Bäume an der Landesstraße 131/Einmündung Fuhrenkamp fällen lassen, um Platz zu schaffen für einen Kreisel mit Fußgängerampel. Nur wenig wurde im Beekeort wohl so viel diskutiert wie über diese Maßnahme, dieses Projekt. Auch für Anwohnerin Diana Cart-wright endet damit ein jahrelanges Kapitel.

Mit dem Verein „Scheeßel für den Planeten“ hat sie sich für den Erhalt möglichst vieler Bäume starkgemacht. Für das Engagement ihrer Mitstreiter und Helfer ist sie sehr dankbar, sagt sie. Jetzt sucht sie einen Abschluss und erzählt im Interview, warum die Fällung von 19 Bäumen ein Erfolg ist, über falsche Aussagen über sie persönlich und wofür sie der Gemeinde Scheeßel dankbar ist.

Frau Cartwright, Sie haben jahrelang für die Bäume an der L 131 gekämpft. Nun sind sie weg. Eine Niederlage?

Nein, wir sehen das als sehr großen Erfolg an. Bei den ursprünglich geplanten Abbiegespuren ging es noch um rund hundert Bäume. Bei der Planung des Kreisels ging es noch um 32 Bäume, jetzt sind es 19. Ich glaube, ohne unseren Druck und ohne unsere Arbeit wäre das nicht erreicht worden.

Dass die Bäume bald gefällt werden, war klar. Die Rodung verlief dann aber unangekündigt. Empfinden Sie das als unfair? Hätten Sie protestiert?

Ich empfinde das als sehr unfair. Manch einer hätte sich gerne darauf eingestellt – auch, dass es samstags und sonntags passiert. Das ist ja nicht so angenehm gewesen. Wir hätten auf keinen Fall demonstriert, weil es nichts bringt. Hier geht es ja nicht um den Hambacher Forst.

Ist das auch eine Form der Akzeptanz der demokratischen Prozesse, die ja auch stattgefunden haben?

Eine Demonstration hätte ja angemeldet werden müssen. Aber dafür hatten wir nun keine Zeit. Es ist zwar ein Termin durchgesickert, aber wir wollten das einfach auch nicht.

Ich ziele mit der Frage auch mehr auf den Beschluss eines gewählten Rates ab.

Die Beschlüsse im Gemeinderat sind alle rechtmäßig, das ist vollkommen klar. Es ist aber inzwischen ja auch der vierte Beschluss, der in dieser Sache gefasst worden ist. Das heißt, jeden Beschluss kann man auch wieder aufheben, wenn man das möchte. Es ist alles ganz ordentlich gelaufen. Es hätte aber auch anders laufen können, wenn man es gewollt hätte.

Sie sollten selbst einige Quadratmeter Ihres Grundstücks verkaufen, um einige Bäume zu retten. Wäre das nicht in Ihrem Sinne gewesen?

Das wäre in jedem Fall in meinem Sinne gewesen. Aber es ging dabei nicht um die Bäume, das sieht man an den Plänen. Es gab zwei Varian-ten – einmal mit meinem Grundstück und einmal ohne – und in beiden war die gleiche Anzahl an Bäumen eingezeichnet, die gefällt werden müssen.

Wie ist man mit Ihnen umgegangen?

Man hat mir den Vorschlag gemacht. Erst ging es um acht Quadratmeter, später waren es elf, und dass ich natürlich einen Ausgleich bekäme: Einmal finanziell, aber ich hätte auch Ersatzmaßnahmen beanspruchen können. Ich sollte mich aber innerhalb einer Woche entscheiden, später hat man das noch verlängert auf 14 Tage. Wir waren – wenn auch ungern – nicht abgeneigt, zu verkaufen und haben uns in der Zwischenzeit Angebote eingeholt. Es ging ja nie um die Fläche, die war ja gar nicht mal so groß. Aber wir haben hier eine 3,20 Meter hohe Hecke um das Grundstück, die der Grund war, warum wir das Haus überhaupt gekauft haben. Wir sind hier von drei Seiten von Straße umgeben, ohne diese hohe Hecke hätten wir keine Lebensqualität. So eine hohe Hecke zu ersetzen, ist sehr schwer.

Zur Person

Diana Cartwright lebt seit 14 Jahren mit ihrem Mann im Bereich der Kreuzung Fuhrenkamp/L131 in Scheeßel. Als sie erfuhr, dass für Abbiegespuren mehrere Dutzend Bäume weichen sollen, wurde sie aktiv. Die heute 70-Jährige gründete damals mit anderen Aktiven die Gruppe „Scheeßel für den Planeten“. Ursprünglich wollte man sich auch in anderen Punkten für den Klimaschutz engagieren. Der Schutz der Bäume stand aber stets im Vordergrund. Mittlerweile hat sich der Verein aufgelöst, weil kein neuer Vorstand gefunden werden konnte. Sie selbst trat aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Wie ging es weiter?

Wir haben uns von Maurern und Gärtnern Angebote machen lassen, auch um einen Preis zu haben, um mit der Gemeinde verhandeln zu können. Wir waren mittendrin, dann musste mein Mann sich einer schweren Operation unterziehen, erkrankte dann später an einer Sepsis. Ich habe dann die damalige Bürgermeisterin (Käthe Dittmer-Scheele; Anm. d. Red.) in einer E-Mail um mehr Zeit gebeten, weil wir diese Entscheidung auch nicht ohne meinen Mann treffen wollten. Ich habe aber nie eine Antwort bekommen. Ein paar Tage später allerdings wurde in Scheeßel verbreitet, dass wir nicht verkaufen wollen.

Sie wären aber bereit gewesen, hatten aber nicht genug Zeit?

Wir waren grundsätzlich zu Verhandlungen bereit. Es ging darum, ob man uns wirklich adäquaten Ersatz zugestanden hätte. Das ist dann aber gar nicht verhandelt worden. Der Zeitung wurde zwar gesagt „nach intensiven Verhandlungen“, aber die gab es nicht. Es gab zwar Informationen, aber keine Verhandlungen über Kompensation.

Nach Jahren Aktivismus in der Sache – was bleibt?

Es bleibt etwas Negatives. Es hat ein bisschen in meinem demokratischen Urglauben eingegriffen, dass doch nicht alles so vor sich geht, wie man es erhofft. Es macht viel Arbeit und man muss viele Kröten schlucken, aber das habe ich vorgesehen. Das Positive ist eigentlich – und das wollte ich auch meinen Kindern zeigen –, dass man in dieser Gesellschaft etwas erreichen kann, wenn man etwas dafür tut. Und das „etwas tun“ bedeutet, dass man sich sehr intensiv informiert, dass man nichts nachplappert und dass man alles auf rechtlicher Basis machen muss und nicht wild um sich herum haut.

Was haben diese drei Jahre gebracht?

Letztendlich hat die dreijährige Arbeit gebracht, dass wir statt hundert Bäumen nur 19 verloren haben. Und da bin ich der Gemeinde dankbar für und kann das auch aussprechen. Es soll ja kein Feindbild entstehen. Wir machen ja alle, was für uns das Richtige ist. Aber es hätte auch andere Möglichkeiten gegeben. Die Gemeinde sagte zwar, dass es die nicht gibt, aber man hat es auch nicht ausprobiert. Und dass ein paar Bäume fallen müssen, das war uns schon klar bei diesem Umbau.

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