Innovative Lösung gegen Einwegmaskenmüll

Medizinische Masken aus Stoff

Susanne Pietsch (l.) und Geschäftsführerin Silke Turley mit den Stoffen für die waschbaren Masken.
+
Für den Umweltschutz und gegen den Maskenmüll arbeiten Susanne Pietsch (l.) mit ihren Kollegen und Geschäftsführerin Silke Turley.

Medizinische Masken sind meist Einwegprodukte. Nicht so diejenigen, die Silke Turley und ihre Mitarbeiterinnen herstellen. Sie haben eine innovative Lösung gefunden, wie der Müll reduziert werden kann. 

Scheeßel – Konzentriert sitzt Susanne Pietsch an einer der Nähmaschinen in der großen Halle. Vor sich hat sie zwei verschiedene Stoffe liegen, die die Vahlderin zu einer medizinischen Maske zusammennäht. Eine medizinische Maske aus Stoff? Ja, das geht, denn die Oberlage besteht aus einem Textil, das seit vielen Jahren für OP-Mäntel und Abdecktücher im klinischen Bereich verwendet wird. „Am liebsten würden wir sie gar nicht mehr verkaufen müssen“, meint Silke Turley, Geschäftsführerin der Scheeßeler Firma Beluga Tauchsport. „Aber auf Dauer können die Masken im pflegerischen Bereich was bewirken.“

Ihre Idee: Der Müll, der vor allem mit Einwegmasken mittlerweile produziert wird, muss in dem Maß nicht sein. Bis zu 100 Mal lassen sich die „Belucare Masken“ waschen – zertifiziert vom Hohenstein Institute, gewaschen nach RKI-Vorgaben. „Wir wollten wissen, was das Ding kann“, so Turley. Demnach behält die Maske bei 100 Waschungen ihre positiven Eigenschaften – bakteriellen Schutz, virendicht.

Allein durch die äußere, schützende Lage könnten die Träger nicht atmen, das und problemloses Sprechen ermöglicht die Innenlage. Nur im OP-Bereich direkt wird die medizinische Maske wohl weniger Verwendung finden – die Hygieneplanung wäre zu schwierig, meint Turley. Darauf zu achten, welcher Mundschutz wie oft gewaschen wird, wäre zu aufwendig für die Krankenhäuser. Sie ist froh, dass die Firma ein zweites Standbein im Gesundheitsbereich hat, allein mit Tauchsport-Utensilien würden sie in einer Zeit ohne Reisetätigkeit wohl nicht weit kommen. „Dem Tauchsport geht es schlecht.“

In mehreren kleinen Arbeitsschritten fügen Susanne Pietsch und ihre Kollegen die Maske zusammen.

Die Idee zu der Maske kam ihnen im Zuge der Maskenknappheit, die im vergangenen Jahr zeitweise herrschte. Noch bevor die FFP2- und OP-Masken Pflicht wurden und die selbst genähten Stoffmasken ersetzten. Sie wollten unter anderem Therapeuten helfen, dass sie mit ihren Patienten weiter arbeiten können, unter sicheren Umständen. Der Nachteil: Stoffe oder Nähutensilien zu bekommen, war teilweise nahezu unmöglich. „Das war ein riesen Drama“, erinnert sich Turley. „Wir wollten helfen, wussten aber anfangs nicht, wie. Dann kamen auch Community-Masken, es war großartig, wie viele Menschen zum Beispiel für Altenheime genäht haben.“

So haben sich die sechs Näherinnen hingesetzt und Mundschutz um Mundschutz genäht. „Am Anfang war es eine ganz schöne Fummelei, wie die Falten aussehen sollten“, meint Pietsch. Ausstanzen, zusammennähen, Nasenbügel einsetzen, Bänder annähen. Es hat etwas Meditierendes, ihr über die Schulter zu gucken. Sie fertigen mehrere Masken „in einem Rutsch“, erklärt Pietsch, gut 100 Stück auf einmal. Eine Massenproduktion ist es nicht, soll es aber auch nicht sein. „Wir wollen ein faires Produkt, nicht den Masken-Markt revolutionieren.“ Die Masken werden vor Ort handgefertigt, mit Materialien aus Deutschland.

Als erstes wird der Stoff ausgestanzt.

Nachhaltig soll es sein, von Anfang bis Ende. Auf dem deutschen Markt gebe es nur wenige Anbieter, die den Nachhaltigkeitsgedanken in den Vordergrund stellen und nicht den Gewinn. Der Umweltgedanke ist es auch, der Turley den Weg zur Zertifizierung gehen lässt. „Das war eine große Herausforderung. Bei OP-Masken ist eine Wiederverwertbarkeit grundsätzlich nicht vorgesehen.“ Gewaschen werden können die Masken problemlos, gebügelt werden oder in die Mikrowelle sollten sie aber nicht.

Doch überall rein kommen die Träger noch nicht: Beim Friseur wurde eine Kollegin abgelehnt und auch beim Einkaufen begegne ihnen manchmal Skepsis. Daher haben sie immer die entsprechende Information dabei. „Die Maske muss bestimmte Eigenschaften erfüllen“, so Turley. „Verallgemeinert zu sagen, es sind keine Stoffmasken erlaubt, ist daher irreführend.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Meistgelesene Artikel

23 neue Wohnungen am Rotenburger Nagelschmiedsweg

23 neue Wohnungen am Rotenburger Nagelschmiedsweg

23 neue Wohnungen am Rotenburger Nagelschmiedsweg
Moment mal? Ausgebüxtes Känguru hüpft durch Lauenbrück

Moment mal? Ausgebüxtes Känguru hüpft durch Lauenbrück

Moment mal? Ausgebüxtes Känguru hüpft durch Lauenbrück

Kommentare