Klares Ziel vor Augen

Eichenschüler nach dem Abschluss: Abi – und dann?

Nach der Abi-Entlassung erst rumreisen und die Welt entdecken? Das ist bei vielen Eichenschülern nach dem Pandemie-Jahr nicht die erste Wahl. Viele widmen sich lieber sofort dem Studium.
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Nach der Abi-Entlassung erst rumreisen und die Welt entdecken? Das ist bei vielen Eichenschülern nach dem Pandemie-Jahr nicht die erste Wahl. Viele widmen sich lieber sofort dem Studium.

Das Abitur haben sie in der Tasche - und jetzt? Absolventen der Scheeßeler Eichenschule berichten, was sie jetzt vorhaben.

Scheeßel – „Erstmal chillen“, „Vielleicht ins Ausland“, „ein Jahr Bufdi zur Orientierung“ – wurden Abiturienten nach ihren Zukunftsplänen befragt, waren dies in den Vorjahren gängige Antworten. Doch wie wirkt sich die Pandemie auf die Lebensplanung der jungen Erwachsenen aus? Die Antworten in diesem Jahr fallen etwas anders aus: Landwirt, Ausbildung zur Reiseverkehrsfrau, Pädagogik-Studium, Polizei-Akademie, kommt wie aus der Pistole geschossen – ein Großteil der Abiturienten weiß bereits ganz konkret, wie es nach der Matura weitergeht.

Dabei ist die Zahl derer, die erstmal reisen wollen oder einen Auslandsaufenthalt als Au Pair oder im Rahmen eines Freiwilligendienstes geplant haben, im Vergleich zu den Vorjahren eher gering. Reisen trotz Corona, das hat Marla Brockmann sich vorgenommen, „vielleicht ein Aufenthalt in Südafrika als Freiwillige bei einer Tierauffangstation.“ Langfristig hat die Ostervesederin ein Studium der Zahnmedizin im Hinterkopf; da der Numerus Clausus jedoch so hoch sei, will sie die Wartezeit sinnvoll nutzen. Später hofft sie, ihrem Berufswunsch über einen Medizinertest ein Stück näher zu kommen.

Ebenfalls ins Ausland zieht es Fenja Lüdemann. Die Helvesiekerin hat sich im Internet auf der „Workaway“-Seite informiert und ihren ersten Arbeitsort in der Nähe von Dublin ab Ende Juli auf einem Gestüt in Irland schon dingfest gemacht. Im Winter soll es nach Lappland gehen, gern würde sie mit Schlittenhunden arbeiten, im Frühjahr nach Island. Dass sie Maschinenbau studieren will, weiß die junge Frau bereits, „ich habe aber keine Lust auf ein Online-Studium – deshalb warte ich noch und nutze die Zeit, um mich persönlich weiterzuentwickeln.“

„Corona hat uns viel Zeit zum Nachdenken gegeben“, findet Valentin Joneleit, der nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr als Rettungssanitäter Medizin studieren will, „wir hatten mehr Zeit zum Lernen, Ablenkung und Feiern war ja nicht“. Egal, wen man auch fragt: Gejammert wird nicht. Nicht einer erwähnt gestrichene Studienfahrten, den entfallenen Winterball oder fehlende Partys. Stattdessen: der Wille, der Situation etwas Positives abzugewinnen und die Zeit bestmöglich zu nutzen.

Auch Jan-Lüder Frick war die Zeit des eigenverantwortlichen Lernens nicht unbedingt als negativ empfunden: „So musste man sich nur angucken, was man selbst nicht konnte – das hat viel Zeit gespart!“, so der 19-Jährige. Mit seinem Traum-Schnitt von 1,0 dürfte er kein Problem haben, mit gemeinsam Kumpel Julian Weidmann den angestrebten Studienplatz für Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart zu ergattern, der diesen Studienwunsch bereits seit der fünften Klasse hegt.

Ebenfalls mit Freunden aus der Stufe in die Studienstadt ziehen will Raphael Rabong – die WG mit Mitschülern in Hannover steht schon, „auf Bauingenieur ist kein NC“, der Studienplatz sei also schon so gut wie sicher. Vorher werde jedoch erstmal in Skandinavien gewandert. Ebenfalls ins Ausland zieht es Leonie Eder, bevor sie eine Laufbahn im sozialen Bereich anstrebt. Allerdings wurde ihr FSJ in einem Heim für Frauen und Kinder in Indien, wo sie in der Hausaufgabenbetreuung eingesetzt wird, auf Anfang 2022 verschoben. Sie findet, dass Corona auch einen Einfluss auf die berufliche Orientierung hatte: „Man kommt schon auf neue Ideen, denn momentan laufen ja nicht alle Berufe gut.“

Viele der Befragten haben die Zeit des Home-Schooling zum Recherchieren beruflicher Möglichkeiten genutzt. Robin Gallo hat Livestreams als Mediumfür sich entdeckt, die er unter anderem für die Kirchengemeinde technisch begleitete. Als einer von drei Glücklichen von mehr als 40 Bewerbern hat er sich einen Ausbildungsplatz als Veranstaltungstechniker beim Norddeutschen Rundfunk gesichert. Die Gewissheit für die Berufswahl gab das Sommertheater beim Theater Metronom, wo er sich um Licht und Ton kümmerte. „Ich stand jeden Tag auf dem Platz und wusste: Das ist genau das, was ich will – ohne Corona hätte ich diese Erfahrung wohl nicht gemacht.“

Die Frage, ob Corona den Jahrgang zielstrebiger gemacht habe – 27 der Abiturienten hatten einen Einserschnitt -, wird von so gut wie allen Befragten bejaht. Neben der Zeit zum Lernen sieht Fenja Lüdemann auch den guten Zusammenhalt im Jahrgang als Grund für die guten Noten: „Man hilft sich halt gegenseitig, der Kontakt war sehr eng.“

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