Scheeßeler Hochzeitssuppe

Hell und klar muss sie sein – mit Hühnerbrühe als Basis

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Mmmh, das schmeckt und stärkt obendrein. Mit der Hochzeitssuppe waren einst bestimmte Rituale verbunden.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Heiraten ist bekanntlich Geschmackssache. Wer sich dennoch für das „Ja“ am Traualtar entscheidet, sollte sich auch in kulinarischer Hinsicht gut auf die Ehe vorbereiten. Dafür eignet sich nichts besser als die Hochzeitssuppe, ein Klassiker der deutschen Küche, der in Scheeßel seit jeher schon auf ganz eigene Art und Weise zubereitet wird.

Scheeßel hat den Blaudruck, Scheeßel hat seine „Bunten“. Und Scheeßel, das wissen vielleicht die wenigsten, hat seine eigene Suppe, die Scheeßeler Hochzeitssuppe. Seit vielen Generationen schon wird die flüssige Vorspeise nur allzu gerne von den Bürgern ausgelöffelt – und das bei Weitem nicht nur beim Hochzeitsmahl. So schafft sie auch bei den Museums- und Trachtenfesten oder aber bei offiziellen Anlässen der Gemeinde für eine solide Grundlage. Aber: Klar und hell muss sie sein, weiß Ur-Scheeßelerin Irmgard Gerken-Witte, ehemalige Vorsitzende des hiesigen Landfrauenvereins, zu berichten. Mit einer kräftigen Hühnerbrühe als Basis sowie frischem Spargel, Eierstich und Fleischklößchen als Einlage. 

Und Nudeln? „Diese und andere Verdickungsmittel haben in unserer traditionellen Hochzeitssuppe nichts verloren“, sagt die passionierte Hobbyköchin. Ebenso wenig würden Möhren in den Kochtopf gelangen – im Unterschied zu den Westerholzern, die, so Gerken-Witte, mit der Zutat des Gemüses lieber noch für einen Farbklecks in der Suppenschüssel sorgen. Das Auge isst ja bekanntlich mit. Überhaupt kommt je nach Region etwas anderes hinein und manch ein Leckerschmecker behauptet sogar, dass eine echte Hochzeitssuppe ausschließlich mit Rindfleisch gekocht werden dürfe. 

„Eine gute Hochzeitssuppe macht viel Arbeit“

Nicht so in Scheeßel, wo früher auf quasi jedem Hof Federvieh gehalten worden war. Gerken-Witte mutmaßt, dass genau daher die für den Ort so typische Zubereitung auf Hühner-Basis herrührt. „Eine gute Hochzeitssuppe zu kochen macht schon viel Arbeit“, weiß sie aus Erfahrung. „Aber das macht eine gute Ehe bekanntlich auch.“

Wann genau die Scheeßeler Variante das erste Mal aufgetischt wurde, das ist historisch nicht überliefert. Selbst beim Heimatverein gibt man sich auf Nachfrage ahnungslos. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass bei der Premiere tatsächlich wohl eine Eheschließung im Spiel war. Braut und Bräutigam teilten sich symbolisch einen Teller, denn von nun an löffelten sie die Suppe gemeinsam aus. Die Gäste beobachteten auch den Kampf der Brautleute um den ersten Löffel: Wer ihn für sich entscheiden konnte, so die Überlieferung, hatte zu Hause das Sagen. Wenn beide gleichzeitig anfingen zu essen, versprach die Ehe harmonisch zu werden. Diese Rituale sind inzwischen fast vergessen.

Dass die Hochzeitssuppe manchmal leicht versalzen daherkommt, hat übrigens nichts damit zu tun, dass der Koch angeblich verliebt ist. Das Salz, so munkelt der Volksmund, sorge vielmehr für kräftige und gesunde Kinder.

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