Scheeßel will sich zwar im HVV aufgenommen wissen, aber nicht um jeden Preis

Eine Frage der Gerechtigkeit

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Wenn es um den Anschluss an die beiden Verkehrsverbünde auf der Strecke zwischen Hamburg und Bremen geht, ist Scheeßel immer noch Niemandsland.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Wer sich vom Bahnhof Scheeßel aus in Richtung Bremen oder Hamburg in den Zug setzt, hat in der Regel das Nachsehen: Da die Gemeinde weder dem Verkehrsverbund HVV noch dem VBN zugehörig ist, müssen Scheeßeler Bahnreisende draufzahlen – wenn sie denn eine der beiden Metropolen über die Schiene erreichen wollen. Ein alter Hut, möchte man sagen. Denn schon seit mehr als einem Jahrzehnt bemüht sich die örtliche Politik, endlich Gerechtigkeit walten zu lassen – bislang vergeblich. Nun aber kommt offenbar Bewegung ins Spiel.

Seit 2014 schon werden auf Ebene der Länder Hamburg und Niedersachsen sowie der betroffenen Landkreise, darunter auch Rotenburg, intensive Gespräche zumindest über eine mögliche HVV-Ausweitung geführt. Ergebnis: Mittlerweile liegen als Verhandlungszwischenergebnisse drei Varianten vor, über deren Sinn oder Unsinn der Kreisausschuss für Wirtschaft und Verkehr am Dienstag in öffentlicher Runde diskutiert.

Womöglich findet dann auch eine im Scheeßeler Verwaltungsausschuss von allen Fraktionen einvernehmlich verabschiedete Stellungnahme der Gemeinde Gehör. Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) hegt zumindest keinen Zweifel daran, dass es wichtig sei, dem Landkreis gegenüber den Standpunkt ihrer Kommune deutlich vor Augen zu führen. Dieser lässt den VBN-Tarif zwar zunächst noch außen vor, sollte beim HVV jedoch ein Ergebnis erzielt werden, zähle man ebenso auf eine Unterstützung, wenn es um die andere Richtung gen Bremen geht, so die Verwaltungschefin.

Konkret appelliert die Gemeinde an die Mitentscheidungsträger, dass im Landkreis sämtliche Bahnhöfe, die bisher überhaupt noch keinem Verkehrsverbund angehörten, aus ihrer Sicht in den HVV-Tarif aufgenommen werden sollten. Zu weiteren auf Kreisebene zu beratschlagenden Varianten, wie der, dass auch diejenigen Kommunen in den HVV kommen, die schon vorher im VBN waren, oder dass sämtliche Bahnhöfe zwar von der Ausweitung des HVV-Tarifes profitieren würden, dann allerdings mit der Beschränkung auf Zeitkarten und nicht zusätzlich auch auf Einzelfahrscheine, gehen die Scheeßeler Kommunalpolitiker auf Distanz. Würden diese doch zu einer Doppelsubventionierung führen, sollten einzelne Bahnhöfe plötzlich in beide Verbünde aufgenommen werden, so Dittmer-Scheele. „Es sei denn, wir bekämen das auch – dann könnten wir das ebenfalls mittragen.“

Fest steht bereits jetzt: Das Land wird die entstehenden Verluste nicht alleine tragen. Doch für diesen Fall wäre Scheeßel gewappnet. Immerhin würde die Gemeinde selbst Geld in die Hand nehmen – vorausgesetzt, man verfolge die von ihr favorisierte Variante weiter und das Land beteilige sich selbst dauerhaft und maßgeblich mit mindestens 50 Prozent am Ausgleich, äußert die Bürgermeisterin die Bedingungen.

Dass Scheeßel nicht zuletzt auch wegen seiner Ressourcen an Wohnbauland endlich bei dem Thema vorankommen und ein Übergangstarif ermöglicht werden müsse, macht Politiker Detlev Kaldinski (SPD) deutlich: „Bisher kaufen Pendler entweder eine Karte bis Tostedt und dann die HVV-Karte oder sie fahren gleich mit dem Auto nach Tostedt – das ist aber nicht gewollt, der Schienennahverkehr soll schließlich durchgehend genutzt werden.“

Dem kann Ratsherr Dirk Lange (CDU) nur zustimmen. Sowohl die Zeitkarten- als auch die Einzelfahrscheininhaber müssten von diesem Angebot profitieren, ist er überzeugt. „Uns geht es darum, dass wir von Scheeßel aus nach Hamburg diskriminierungsfrei kommen – das gilt auch für viele Einzelreisende, die Hamburg aus kulturellen Erwägungen besuchen.“

Schon in der Vergangenheit musste Scheeßel mit Blick auf den Bahnhof herbe Niederlagen einstecken – zuletzt im Jahr 2010, als der Gemeinde bei der Neuausschreibung des Hansenetzes schlechtere Zugverbindungen zuteil wurden. Zwar habe man mittlerweile wieder einige Verbesserungen erzielen können, so Käthe Dittmer-Scheele, „jetzt ist es aber wirklich auch einmal an der Zeit, dass wir die Gerechtigkeitslücke endlich schließen“.

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