Ein Visionär ist gegangen

Vorzeigeunternehmer Klaus Kampf im Alter von 66 Jahren gestorben

Klaus Kampf (l.) war eine Unternehmerpersönlichkeit, die immer den langfristigen Erfolg des Unternehmens und das Wohl der Mitarbeiter im Auge gehabt hat.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. „Der Mensch ist und bleibt das Wichtigste im Unternehmen“ - so lautete die Philosophie von Klaus Kampf. Fast 40 Jahre hat er die Maschinenfabrik Adolf Müller, einen der größten Arbeitgeber in Scheeßel, geleitet. Am 25. Januar ist die Unternehmerpersönlichkeit im Alter von nur 66 Jahren völlig unerwartet gestorben.

Einer, der Kampf von Kindesbeinen auf kannte und über Jahrzehnte als technischer Leiter an seiner Seite gearbeitet hat, ist Hermann Wagner. „Der Verlust trifft uns sehr - sowohl aus menschlicher und persönlicher wie auch aus unternehmerischer Sicht“, erklärt der 64-Jährige. „Mit seinem Tod verlieren wir einen Visionär und Entscheider, der unserer Firma ein Gesicht verliehen hat wie kein anderer.“

Das Licht der Welt erblickte dieser Visionär 1952 im nordrhein-westfälischen Bergneustadt - als ältester Sohn von Eberhard Kampf und seiner Frau Senta, eine geborene Müller. Deren Vater Adolf hatte im Jahre 1906, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Scheeßeler Bahnhof, eine auf den Bau von Sägewerksmaschinen spezialisierte Firma gegründet, die später eine seiner vier Töchter übernehmen sollte. „Eigentlich waren Klaus seine Führungsqualitäten schon in die Wiege gelegt worden“, sagt Hermann Wagner. Denn auch Eberhard, der Vater, betrieb in zweiter Generation ein Unternehmen - die Firma Kampf mit Sitz in Wiehl im Obergischen Kreis.

Uns so studierte Klaus - nach dem Abitur und dem Grundwehrdienst - an der Universität Karlsruhe Maschinenbau. 1980, der Vater hatte die restlichen Erben der Familie Müller mittlerweile ausbezahlt und die Fabrik in Scheeßel übernommen, entsandte Eberhard Kampf seinen Sohn in den hohen Norden, um ihn als Komplementär und Geschäftsführer der Firma Adolf Müller einzusetzen. 1986 übernahm der damals 34-Jährige dann auch zusätzlich die Unternehmensleitung in Wiehl, wo er sich niederließ. „Zeitweise habe ich dann hier in Scheeßel das Ruder übernommen“, erzählt Wagner. Zwei Jahre später wurde die Firma verkauft. Kampf kehrte nach Scheeßel zurück. Und er blieb, machte aus dem einstigen Sägewerk ein innovatives Maschinenbauunternehmen. In dem werden bis heute Rollenschneidemaschinen mit großem Aufwickeldurchmesser sowie Wickel- und Spulmaschinen konstruiert und gebaut, ebenso wie Prüf- und Schmalschneidemaschinen für Sicherheitshologramme für Geldscheine. „Als Ingenieur, der er nun einmal durch und durch war, trieb er die Entwicklung der Rollenschneidmaschinen mit Pioniergeist, Weitsicht und einer herausragenden strategischen Unternehmensführung immerzu voran - er wollte stets der Beste am Markt sein“, berichtet sein alter Weggefährte.

Und das gelang ihm auch: Längst hat es die gegenwärtig 90 Mitarbeiter zählende Firma Müller in Teilbereichen der Rollenschneid- und Wickelindustrie zum Weltmarktführer gebracht. Und auch die Expansion des Unternehmens trieb der Chef voran: Anfang der 1990er-Jahre gründete Kampf eine In- und Exportfirma in Fallingbostel, 2007 übernahm er nach dem Kauf eines auf Maschinen- und Apparatebau fokussierten Unternehmens in Oyten auch dort die Geschäftsführung.

„Und wenn er nicht gerade mit der Entwicklung neuer Maschinen beschäftigt war, dann frönte Klaus seiner zweiten großen Leidenschaft: der Jagd“, erzählt Wagner. Wann immer er konnte, sei er draußen im Revier gewesen oder sogar auf Expedition in Afrika. Er beschreibt den Verstorbenen als jemanden, der durchaus knochenhart seine Meinung habe vertreten können, „für mich war er aber ein herzensguter Mensch, auf den immer Verlass war.“

Verlass ist nun auch auf Hermann Wagner selbst. Von seinem Plan, sich demnächst in den Ruhestand zu verabschiedet, hat sich der 64-Jährige vorerst verabschiedet. „Ich mache noch weiter, bis die Übergabe geregelt ist und eine gesunde Geschäftsführung wieder agieren kann“, sagt er. Noch ein Jahr vor seinem Tod habe Kampf einen Physiker in das Unternehmen geholt, der die Innovation in seinem Sinne weitertragen soll. Und auch Kampfs 26-jährige Tochter Katharina sowie Wagners Sohn, ein studierter Wirtschaftsingenieur, hätten beide schon signalisiert, dass sie die Geschicke der Traditionsfirma weiterleiten möchten.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die Ostseeinseln von Fehmarn bis Usedom

Die Ostseeinseln von Fehmarn bis Usedom

Einheiten der Polizei messen sich in Bremen

Einheiten der Polizei messen sich in Bremen

Steinmeier wirbt für mehr Einmischung

Steinmeier wirbt für mehr Einmischung

Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht

Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht

Meistgelesene Artikel

Festival-Aufbau ist in vollem Gange

Festival-Aufbau ist in vollem Gange

Hurricane-Chef: „Wir glauben nach wie vor an das Festival“

Hurricane-Chef: „Wir glauben nach wie vor an das Festival“

Von der Penne in die Manege

Von der Penne in die Manege

200.000 Euro gegen den Lärm am Schießstand

200.000 Euro gegen den Lärm am Schießstand

Kommentare