Eine Bühne für starke Frauen

„Time to Talk“: Teilnehmerinnen berichten schonungslos von Schicksalsschlägen

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„Time to Talk“: Moderatorin Heike Berger (v.l.) leitete den Erfahrungsaustausch von Inga Lohmann, Nicole Totzek, Kerstin Münster und Hanni Nack.

Scheeßel - Resilienz – ein großes Wort für ein umfassendes Thema, dass sich die Organisatorinnen der „Post-Jubliäumsausgabe“ von „Time to Talk“ am Freitagabend im Jeersdorfer Hof vorgenommen hatten.

Nun scheuen sich die 16 Frauen aus den Kirchengemeinden Sittensen und Scheeßel, die – zum Großteil in derselben Besetzung wie zu Beginn der Reihe – , zweimal im Jahr einen „Wohlfühlabend mit Gehalt“ für Frauen auf die Beine stellen, nie vor den großen Themen des Lebens. Und auch die Frage, wie wir lernen können, mit Schicksalsschlägen umzugehen, ist nicht gerade Smalltalk-geeignet. „Das Thema hat einige von uns schon seit Längerem persönlich beschäftigt“, so Mitorganisatorin Franka Haar aus Sittensen, aber auch bei den schriftlichen Wünschen der Gäste sei es aufgetaucht, wie ihre Scheeßeler Kollegin Sabine Besel ergänzt.

Immer wieder um frische Ansätze bemüht, hatte das Team sich nicht nur die ehemalige Sittenserin Heike Gerger auf die Bühne im Jeersdorfer Hof geholt – als Resilienz-Coach prädestiniert für die Moderation des Abends –, sondern auch vier Frauen, die sehr persönlich und fast schonungslos ehrlich von eigenen Schicksalsschlägen erzählten. 

Erstaunlich nicht nur, wie freimütig die vier beeindruckenden Persönlichkeiten über ihre ganz unterschiedlichen Lebenswege (vom Tod des Ehemanns über den nicht erfüllten Kinderwunsch oder Depressionen eines nahen Verwandten bis zu Überforderung durch plötzliche Hofübernahme) und den Umgang damit berichteten. Humor, Glauben, Gespräche, das Einnehmen eines anderen Blickwinkels – mit ihren Strategien ermunterten sie, das Schicksal zu akzeptieren, ohne in der Opferrolle zu verharren.

„Energiesauger“ und „Arschengel“

Während einigen der Frauen die professionelle Beschäftigung mit dem Thema zum Beispiel im Rahmen einer Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizhelferin oder als Coach anzumerken war, überzeugten andere durch Pragmatismus: „Ich lese Losungen – die begleiten mich morgens bis in den Stall“, verriet Hanni Nack. Thematisiert wurde auch der Umgang mit „Energiesaugern“ oder „Arschengeln“: „Zur Not muss man eben Abstand nehmen“, riet Inga Lohmann. So viel Lebensweisheit kam an: „Berührend – und Hut ab“, meinte Susanne Bodmann aus Sittensen. Ihre Tischnachbarin Silvia Pape-Hess aus Scheeßel, zum ersten Mal dabei, pflichtete bei: „Eine tolle Mischung starker Frauen – da war für jeden etwas dabei.“

Was macht die Faszination des Formats aus, was schafft die Atmosphäre der Offenheit und des zugewandten Umgangs? Sind es die liebevoll gedeckten Tische, der Thementisch, die Bitte um schriftliches Feedback? Das Glas Sekt zur Begrüßung, das Fingerfood, die Gewissheit, sich in geschütztem Rahmen an den runden Tischen öffnen und auch ernstere Themen erörtern zu können? Oder die Tatsache, dass die Frauen unter sich sind? 

So ganz stimmte Letzteres dieses Mal jedoch nicht, wurde der musikalische Rahmen mit „Finner“ doch gleich durch drei Herren bestritten. Früher sei man etwas strenger gewesen, erzählt Britta Ruther, „heute sehen wir das lockerer – bei einem Abend für Frauen stören drei tolle Männer keineswegs!“

In der Tat: Die Eingangssongs von Thorsten Finner und seinen sensibel an Keyboard (Jochen Kaiser) und Percussion (Arne von Brill) agierenden Mitstreitern, aber später auch die „Hintergrundmusik“ aus eigenen Songs und Covern wie „Wonderwall“ zu den Gesprächen hoben den Wohlfühlfaktor ungemein. In der nächsten Auflage im Oktober in Sittensen dürfen, auch das eine Besonderheit, die Männer mit dabei sein. J hey

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