Scheeßel muss sieben zusätzliche Flüchtlinge aufnehmen / Aufruf via Facebook

Dittmer-Scheeles Hilferuf

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Käthe Dittmer-Scheele

Scheeßel - Von Matthias Röhrs. Auf einmal ging es ganz schnell. Am Mittwoch erreichte die Gemeindeverwaltung in Scheeßel eine Mail aus dem niedersächsischen Innenministerium: Sieben neue Flüchtlinge kommen am Montag an die Beeke. „Mal eben zugewiesen“, sagt Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU), „weil das Land seine Erstaufnahmeeinrichtungen nicht rechtzeitig fertig kriegt.“ In ihrer Not sendete sie gestern einen Hilferuf beim sozialen Netzwerk Facebook.

Die Gemeinde benötigt dringend mehr Unterkünfte für die Neuankömmlinge. Die sieben, die am Montag „vor dem Rathaus stehen“, wie Dittmer-Scheele auf Facebook schreibt, seien aber versorgt. Das teilte sie auf Nachfrage der Kreiszeitung mit. Und zwar aus dem Kontingent an Unterkünften, das die Gemeinde für die Erfüllung ihrer Quote bereitgestellt hatte.

Am meisten ärgert die Bürgermeisterin – wie auch viele ihrer Kollegen – das Vorgehen des Landes. „Ich habe das Gefühl, dass das Land die Flüchtlinge eigentlich nur noch zu den Gemeinden durchreicht“, sagt sie. Mit dem Aufruf im Internet – ein Alleingang – wolle sie ein Zeichen setzen. „Die Kommunen fühlen sich hängen gelassen.“ Um das zu ändern, dafür nimmt sie auch den Innenminister Boris Pistorius (SPD) in die Pflicht. „Gehen Sie endlich die vielen von Ihnen angekündigten Schritte“, fordert sie in ihrem Nachricht.

Er solle endlich die Erstaufnahmeeinrichtungen schaffen. Das Land Niedersachsen müsse diese stellen. Die seien laut Dittmer-Scheele aber immer noch nicht fertig. Zu allem Überfluss würden die Flüchtlinge den Kommunen in den Ferien zugewiesen, was die Suche nach Unterkünften erschwere. „Aber beim Land machen sie wohl auch Ferien“, so Dimmer-Scheele

„Wir haben nicht ohne Ende Angebote an Wohnungen“, bringt sie das Problem auf dem Punkt. Ihre Mitarbeiter suchten jetzt akut nach Lösungen, doch die Luft werde dünner. Der Markt gebe nicht viel her und nicht jeder Vermieter sei bereit, Asylbewerber in seinen Wohnungen leben zu lassen.

107 Flüchtlinge sind laut Dittmer-Scheele derzeit in der Gemeinde Scheeßel untergebracht – dezentral auf 21 Unterkünfte im Kernort und in Jeersdorf und Westervesede verteilt. Die im vergangenen Jahr vom Land mitgeteilte Quote für Scheeßel wurde im Frühjahr nochmals auf 44 Menschen erhöht. Bis auf sieben, habe die Gemeinde ihre Quote auch tatsächlich erfüllt. „Es kann sein, dass die sieben Neuen zur Quote hinzugerechnet werden“, so die Bürgermeisterin. Nichtsdestotrotz würden dringend neue Unterkünfte gebraucht, natürlich mit Möblierung und „allem was man haben muss, wenn man mit einer Tüte voller Klamotten herkommt – wenn überhaupt“, sagt Dittmer-Scheele.

„Wir haben immer versucht, unsere Quote vorzubereiten“, sagt sie. Die Gemeinde sei schließlich verpflichtet, die Menschen unterzubringen und „wir wollen das auch. Aber das Land muss auch etwas tun. Wir haben nicht das Gefühl, dass das Land das auch so angeht. Wenn immer nur durchgereicht wird, dann sind wir auch bald platt“.

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