An der Scheeßeler Kläranlage

Immer Ärger mit den Festival-Fäkalien

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Die Zwei von der Scheeßeler Kläranlage: Auf Markus Großmann (l.) und Marcus de Vries wartet wieder ein arbeitsreiches Festival-Wochenende.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Ein leichter Geruch nach Fäkalien liegt in der Luft, Tanklaster fahren im Minutentakt vorbei, das Geräusch von plätscherndem Wasser ist zu hören. Die Hauptbühnen auf dem Eichenring liegen etwa 40 Gehminuten entfernt und dennoch herrscht am Westernwiesenweg, etwas abseits der Scheeßeler Mühle, Hochbetrieb: Sämtliches Abwasser, das während des Hurricane-Festivals anfällt, wird hierhin transportiert. Für Anlagenchef Marcus de Vries und seinen Kollegen Markus Großmann beginnt wieder der ganz normale Wahnsinn.

„Das kann sich keiner vorstellen, was wir im Hurricane-Abwasser schon alles gefunden haben“, sagt de Vries. Personalausweise und Geldkarten, Uhren und Schmuck, Euro-Münzen, Spritzen und – natürlich – Feuchttücher, die in den mobilen Toiletten, ob spülbar oder nicht, landen würden. Wenngleich die Zahl der im Klärwerk herausgefilterten Fundstücke inzwischen weniger geworden sei („Die Leute sind offenbar vorsichtiger geworden“) – die Beine hochlegen können de Vries und Großmann an diesem Wochenende nicht. Schließlich müssen die knapp 400 Ladungen Abwasser, die das Scheeßeler Entsorgungsunternehmen „Behrens & Behrens“ Tag und Nacht auf seinen orangefarbenen Lkw quasi als „rollender Kanal“ anliefert, auch so gesteuert werden, dass es zu keinen Engpässen kommt. „Im besonderen Fall“, sagt Verwaltungsmitarbeiter Dirk von Elling, der aus dem Rathaus heraus die Geschicke der Anlage leitet, „können wir das Abwasser in Ringnähe auch direkt in den Kanal einleiten.“ Bei Starkregen zum Beispiel. Oder wenn zur An- und Abreisezeit gar nichts mehr geht auf den umliegenden Straßen.

Im normalen Betrieb aber landet die direkt nach der Anlieferung aus den Spezialfahrzeugen abgepumpte Brühe in eigens für das Festival errichteten, offenen Betonsilos, in denen sie zunächst gänzlich unbehandelt gespeichert wird. Drei Rundbehälter sind es an der Zahl – mit einem Fassungsvermögen zwischen 1200 und 1500 Kubikmetern. Nur zum Vergleich: Mit einem Kubikmeter könnte man gleich sieben Badewannen füllen. Einen solchen Gigantismus braucht es auch, kämen laut Marcus de Vries doch nach dem Hurricane-Wochenende immer so zwischen 4500 und 5500 Kubikmeter Festival-Abwasser zusammen und somit das Vier- bis Fünffache, was regulär anfallen würde.

Hinterlassenschaften werden zwei Monate abgearbeitet

Erst nach der Großveranstaltung, Anfang Juli, beginnen die Klärwerksmitarbeiter damit, die Hinterlassenschaften der Besucher nach und nach dem regulären Betrieb der Anlage zuzuführen. Dafür bedienen sie sich auch einem Zerkleinerer – „wegen den ganzen Textilien und Plastik-Regenponchos“, sagt Markus Großmann. Zwei Monate würde das ganze Prozedere dauern, „wenn nicht, wie in den Vorjahren, so viel Regenwasser dazukommt – dann braucht es auch schon mal fünf“. Selbstredend, dass die Gemeinde dem Festival-Veranstalter diese Art der Entsorgung in Rechnung stellt.

Vor elf Jahren haben die Verantwortlichen das Speicherkonzept zum ersten Mal angewandt. „Vorher waren die Abwassermengen noch so gering, dass sie immer direkt zum Pumpwerk am Vahlder Weg gefahren werden konnten“, erinnert sich Dirk von Elling. Seitdem habe sich auch auf dem Veranstaltungsgelände etwas getan: Mussten die Lkw früher noch direkt die Toiletten und Duschen anfahren, um ihre Fracht „aufzuladen“, sind sie inzwischen eher in der Peripherie unterwegs – den Rohrleitungen sei Dank.

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