Seit 2015 für Geflohene da

„Eine Ära ist zu Ende“: Möbellager der Flüchtlingshilfe Scheeßel wird aufgelöst

Mitglieder der Flüchtlingswelle räumen das Möbellager und verstauen Möbel auf einem Anhänger.
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Am Anfang der Flüchtlingswelle war das Möbellager auf dem ehemaligen Internatgelände jahrelang ein gefragter Anlaufpunkt für Neuankömmlinge.

Von 2015 bis 2018 herrschte reger Betrieb bei dem Möbellager der Flüchtlingshilfe Scheeßel. Nach mehr als einem halben Jahrzent ist es damit nun vorbei.

Scheeßel – Die letzten Tische, Sofas und Schränke sind abtransportiert an vernetzte Einrichtungen. Die Räume, in denen die Flüchtlingshilfe in den vergangenen Jahren ihr Möbellager betrieben hatte: so gut wie leer. „Eine Ära ist zu Ende – gut so“, meint Hans Brauns, einer der führenden Köpfe an der Spitze der Scheeßeler Flüchtlingshilfe. Initiator Paul Göttert formuliert es so:

Wo 2015 bis 2018 reger Betrieb herrschte, war zum Schluss noch alle zwei, drei Monate mal eine Anfrage eingegangen – „zu wenig, um das Lager aufrecht zu erhalten“, findet auch Anja Schürmann. Sie steht seit 2018 als „Integrationsscout“ für die Gemeinde im Kontakt mit den Geflohenen, die dem Beeke-Ort zugeteilt werden. „Die Zeiten haben sich geändert“, konstatiert die 43-Jährige. War früher auch in puncto Erstausstattung angesichts der Menge der Zuzügler die Unterstützung aus der Bevölkerung gefragt, so hat sich die Lage heute deutlich entspannt: „Im letzten Vierteljahr hatten wir nur zwei Neuzugänge“, so Brauns. Diejenigen, die kommen, bekommen Gutscheine vom Sozialamt. „Das reicht für gebrauchte Sachen“, so Schürmann. Diese würden oft über das Rotenburger Kaufhaus Karo oder die Online-Plattform Ebay-Kleinanzeigen organisiert.

Oft sei in den von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Wohnungen auch Brauchbares dabei. Aber auch die Flüchtlingshilfe hat die Art, wie sie die zahlreichen von Spendern angebotenen Einrichtungs- und Haushaltsgegenstände verteilt, rationalisiert: Waren früher noch unterschiedliche Teams unterwegs, die in den Wohnungen Aufmaße machten, Spenden sichteten, transportierten oder im Lager sortierten, werden Angebote heute mit Foto in eine entsprechende WhatsApp-Gruppe eingestellt. Findet sich niemand, der das Angebotene haben möchte, so lehnt die Flüchtlingshilfe dankend ab. Auch Schürmann bekommt oft Angebote aus Haushaltsauflösungen: „Das Problem sind in der Regel nicht die Möbel, sondern eher der Transport.“ Eine Zeit lang sei das privat organisiert worden, „mittlerweile fehlt es an Kapazitäten“, die Zahl der Paten, die sich kümmerten, sei zurückgegangen. „Früher wäre es ohne Paten nicht gegangen“, so ihre Einschätzung. Diejenigen, die im vergangenen Jahr nach Scheeßel gekommen sind, wären strukturierter, „sie organisieren sich selbst.“ Unter einigen Landsleuten, vor allem aus dem Sudan, gebe es eine große gegenseitige Hilfsbereitschaft, „das hilft enorm“.

Denn: Hilfsbedarf besteht laut Schürmann immer noch beim Ausfüllen von Anträgen, bei Arzt- und Behördengängen. „Das wird gerade für ältere einheimische Unterstützer oft eine zu große Belastung“, weiß die Wittkopsbostelerin. Den Kontakt zu den Menschen zu halten, miteinander zu sprechen, die Integration weiter voranzutreiben, sieht auch Brauns als vordringliche Aufgabe des noch bestehenden Flüchtlingshilfe-Vereins. Seit dem ersten Shutdown sei praktisch nichts mehr gelaufen. Zu dem im September angebotenen Treffen draußen seien zur wenige gekommen, „wenn wir die Menschen besucht haben, haben viele kaum die Tür aufgemacht – es herrscht einfach viel Verunsicherung“, so Brauns. Umso wichtiger sei es, dass Kommunikationstreffs wie das Café Refugium oder auch zwei neue, von der Flüchtlingshilfe finanzierte Sprachkurse durchstarten, sobald das wieder möglich ist: „Integration ist ein hohes Gut!“  hey

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