Ein Türöffner für mehr Miteinander?

Kis und Flüchtlingshilfe machen beim Zollhausboys-Konzert gemeinsame Sache

Rühren für den Auftritt der Zollhausboys kräftig die Werbetrommel: Integrationsscout Anja Schürmann (v.l.), die Kis-Mitglieder Bernd Braumüller und Gabriela Villvock sowie der Vorsitzende der Scheeßeler Flüchtlingshilfe Paul Göttert.

Scheeßel - Als einige Mitglieder der Kis, der Scheeßeler Kulturinitiative, mit Aktiven der örtlichen Flüchtlingshilfe gemeinsam das Veranstaltungsbanner der Zollhausboys enthüllen, staunen die Besucher des wöchentlichen Begegnungstreffs „Café Refugium“ im Meyerhof nicht schlecht - und das nicht nur wegen der XXL-Größe des Werbeplakats. Wie viel vier der sechs abgebildeten Köpfe mit dem eigenen Schicksal zu tun haben, können die meisten hier nur ahnen. Ebenso wie die Tatsache, wie viel die erste Kooperation der Kulturinitiative und der Flüchtlingshilfe mit ihnen zu tun hat.

Die Idee, gemeinsame Sache zu machen, stammt nicht erst von gestern. Als die Veranstalter der Kulturinitiative auf das Programm des Bremer Schauspielers, Musikers und Kabarettisten Pago Balke (spätestens seit seinem Wilhelm-Busch-Programm im September 2017 im Beeke-Ort kein Unbekannter mehr) mit vier Geflohenen stießen, waren sie begeistert: „Wir wollten schon immer mal etwas zusammen machen - als wir über die Zollhausboys gestolpert sind, haben wir sofort gewusst: Das passt“, erzählt Gabriela Villwock von der Kis. „Uns war es wichtig, nicht nur eine schöne Musikveranstaltung herzuholen, sondern auch ein wichtiges Thema zu transportieren“, meint ihr Mitstreiter Bernd Braumüller, der Pago Balke als Künstler schätzt und aus seiner Euphorie über das Ende dieser Woche stattfindende Konzert im Scheeßeler Hof keinen Hehl macht.

Die Scheeßeler Flüchtlingshilfe ins Boot zu holen, schien naheliegend: „Was wäre eine solche Veranstaltung ohne die, die es angeht?“, meint ihr Vorsitzender Paul Göttert. Auch wenn es sich wohl nicht um ein präferiertes Format vieler der der Neubürger handele, ist er überzeugt: „Die Musik aus der Heimat einiger kommt bestimmt an.“ Gedanken haben sich auch weitere Mitstreiter gemacht: Ob die Sprachkenntnisse ausreichen, um der zweistündigen Show zu folgen? „Bei den meisten absolut“, ist sich Anja Schürmann, Integrationsbeauftragte bei der Gemeinde, sicher. „Und zur Not findet sich immer jemand zum Übersetzen“ - ganz abgesehen davon, dass die Revue neben Inhalten auch mit Musik, Tanz, Sketchen und Pantomime aufwarte.

Damit die Veranstaltung auch für die Neubürger erschwinglich ist, wird der Eintritt für Flüchtlinge zu gleichen Teilen von der Flüchtlingshilfe und der Kulturinitiative gesponsert: Statt ursprünglich 15 und mittlerweile 18 Euro kosten die ermäßigten Tickets für Flüchtlinge, bei Schürmann direkt erhältlich, fünf Euro. Sie verbindet mit der Veranstaltung eine weitere Hoffnung: „Vielleicht ist sie ja auch ein Türöffner für anderen kulturellen Veranstaltungen, wo bis jetzt Hemmschwellen bestanden haben und ermutigt zum Besuch“, so ihr Wunsch.

Kulturelle Unterschiede waren bereits im Vorfeld Gesprächsthema, wie Göttert berichtet: „Einige Interessierte haben nachgefragt, ob sie ihr eigenes Essen und Getränke mitbringen können und haben sich gewundert, warum das hier nicht üblich ist.“ Eine Anregung, die die Flüchtlingshilfe für zukünftige Veranstaltungen durchaus aufgreifen könnte: „Da gäbe es noch ganz viel zu experimentieren.“

Villwock plaudert aus dem Nähkästchen, wenn sie verrät, dass auch andere Events angedacht sind, „mit Essen und vielleicht eigener Beteiligung - wer weiß, was da für Talente schlummern und noch entfesselt werden wollen.“

Eintrittskarten für das Konzert der Zollhausboys, zu denen neben Regisseur Pago Balke auch der Musiker Gerhard Stengert sowie vier Flüchtlinge gehören, die als unbegleitete Jugendliche im Bremer Zollhaus untergebracht waren, sind zum Preis von 18 Euro bei der Buchhandlung Lesezeichen und in der Sonnenapotheke erhältlich. Beginn der Veranstaltung am Freitag, 22. Februar, ist um 19.30 Uhr im Scheeßeler Hof.  hey

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