Ein Selbstversuch im Kundalini-Yoga

Auf dem Weg zur Erleuchtung

Auftanken, indem man die Entspannung in der Anspannung findet – unser Redakteur versucht sein Bestes.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. „Machst du jetzt auch noch einen auf esoterisch?“ „Na, dann nachher viel Spaß beim Auflösen der Knoten.“ Jede Menge Sprüche prasseln mir im Bekanntenkreis entgegen, als ich davon erzähle, dienstlich einen indischen Yogakurs zu besuchen. Ich find’s aber irgendwie spannend, was mich da erwartet, gehe ohne Vorurteile in das Scheeßeler Yoga-Studio von Melanie Linow. Ob der Besuch mich wohl zur Erleuchtung führen wird?

Es ist kurz nach 18 Uhr. Feierabend. Sonnenstrahlen durchfluten den Raum. Was für ein wohligwarmes Licht! Große Fenster geben den Blick frei auf einen sattgrünen Garten. Ich liege mit dem Rücken auf einer Matte. Rot ist diese, was, wie ich erfahre, aber nichts zur Sache tut. Es ist die erste Kundalini-Yoga-Stunde meines Lebens.

Meine Schulterblätter berühren ganz leicht den Boden beziehungsweise, wie es beim Yoga heißt, die Erde. Ruhig spricht Marsha Weseloh (29), ganz in weiß und mit einem Tuch um den Kopf gewickelt, auf mich ein, während im Hintergrund dezente Musik läuft: „Du besinnst dich auf deine innere Welt. Spüre deine Körperteile. Deine Augen sind sanft geschlossen. Alle Anspannungen fallen in die Erde. Gedanken ziehen an dir wie Wolken vorüber.“ Ankommen im Hier, im Raum, den Alltag draußen lassen, nennt die kurz vor Abschluss ihrer Yogaausbildung stehende Lehrerin, die im Berufsleben bei der Sparkasse arbeitet und Studioinhaberin Melanie Linow seit ein paar Monaten bei ihrer Arbeit unterstützt, diese Phase der Entspannung. Herrlich!

Wir begeben uns in die buddhaähnliche Lotus-Sitzhaltung. Ja, das kommt mir bekannt vor. Das verbinde ich mit Yoga, vom dem, erfahre ich, es sage und schreibe 22 verschiedene körperlich betonte Arten geben soll. Dabei zählt vor allem eins: die Entspannung in der Anspannung finden. „Das muss man aber erst lernen“, meint Weseloh, die ihr „erleuchtendes“ Hobby als Ausgleich zum Bürojob ansieht.

Asanas werden die Körperübungen genannt. „Pflug“, „Kobra“ und ähnlich heißen sie, haben ihre Namen fast alle aus dem Naturbereich, denn Yoga bedeutet: Wir sind eins mit der Natur. Kundalini-Anhänger, wie die 29-jährige Scheeßelerin eine ist, bezeichnen ihre Richtung als „Wissenschaft“ oder „Technologie“. Für jede Lebenslage und jedes Alltagsproblem – von Angstzuständen bis Geldnot – gibt es eine passende, klar beschriebene Kombination aus Atem und Bewegung – begleitet von Mantras.

Jeder so, wie er mag und wie er kann. Nach diesem Prinzip würden hier die unterschiedlichsten Menschen jeden Alters zusammen, erzählt mir Weseloh, deren spiritueller Name übrigens Hardev Kaur lautet, sein. Heute bin ich mit ihr allein. Ausnahmsweise. „Die einen hatten einen anstrengenden Tag, möchten lieber sanft üben, andere möchten die Welt auf den Kopf stellen, sich etwas mehr herausfordern“, berichtet die 29-Jährige. Ich zähle mich definitiv zu ersterer Gruppe.

Erst einmal wird es jetzt anstrengend: Hechelnde „Feueratmung“, endlos wiederholte Bewegungen, mehr, mehr, mehr. Durchhalten! Nach fünf Minuten drohen mir die Arme über dem Kopf abzufallen. „Sat Nam“, geht es mir über die Lippen, was so viel wie „Wahre Identität“ bedeuten soll. Die Augen sind geschlossen.

„Es ist nur dein Geist, der das glaubt“, beruhigt mich die Yogalehrerin mit sanftumschmeichelnder Stimme. Hat sie gerade meine zitternden Gliedmaßen wahrgenommen? „Das ist nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist, dass du alles kannst, wenn du nur willst.“ Ich merke: Kundalini ist so viel mehr, es ist eine rauschhafte Grenzüberschreitung.

Mehrere Übungen später sind wir am Ende angelangt. Die Yogalehrerin ist mit mir zufrieden. Und ich bin es mit mir auch. Erleuchtet fühle ich mich zwar nicht, dafür aber irgendwie frisch und kraftvoll. Ich komme bestimmt wieder – privat. Ganz egal, welche Sprüche der Freunde mich dabei begleiten.

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