Eichenschüler gastieren in der Elbphilharmonie

„Traut Euch, nicht mitzuspielen!“

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Musiklehrer Martin Crome (l.) bereitet die Schüler auf ihren Auftritt in der Hamburger Elbphilharmonie vor.

Scheeßel - Nur wenige Künstler können von sich behaupten, bereits in den ehrwürdigen Hallen der Hamburger Elbphilharmonie konzertiert zu haben. Eine Gruppe von Eichenschülern wird schon bald zu diesem erlauchten Kreis gehören. Dafür nehmen die Siebt- bis Zwölftklässler auch gern die ein oder andere Probe in der Freizeit, zuletzt am vergangenen Wochenende, in Kauf.

Das Gewirr der Instrumente wirkt beim ersten Hinhören chaotisch. Zum kontinuierlichen Puls der Djembe spielen die Celli einen Halteton, während die beiden Glockenspiele in zügigen Achteln unterwegs sind. Saxofon und Trompete blasen sich durch einen Lauf. Der Leiter der um Bläser und Streicher erweiterten „Sticks‘n Drums“ lächelt zufrieden, so weit das Mundstück seines Saxofons es zulässt. Denn: Die scheinbare Kakophonie hat System. „Minimalmusik“ ist der Ansatz, der hinter den 52 Tonfolgen, sogenannten „Patterns“ des Stücks „In C“ von Terry Riley steckt, das unter Leitung von Dirigent Duncan Ward am 13. Mai gegeben wird.

Es vereint 450 junge Musiker auf der Bühne der „Elphi“. „Es kann aber auch passieren, dass Ihr im Gang steht oder in einer der ersten Reihen“, bereitet der Musiklehrer seine Projektformation auf das vor, was sie erwartet. Und das sind erstmal eine ganze Reihe von Details zur Logistik und Formalitäten. Allein die Zugangskontrollen versprechen spannend zu werden, fallen Proben und Konzert doch mit dem Hafengeburtstag zusammen. Und auch sonst sind bereits jetzt allerlei Fragen zu klären: „Wie kommen die Cellokästen nach Hamburg?“, „Müssen wir uns zur Generalprobe auch schon in Schale werfen?“ oder „Wo bekomme ich Strom für meine E-Gitarre?“

„Traut Euch, nicht mitzuspielen!“

Aber auch musikalische Anweisungen, zum Teil vom Dirigenten selbst per E-Mail vorgegeben, werden abgehandelt: „Die Sechzehntel gern legato“, „Wiederholt nicht alle Pattern“, oder „Endtempo: 84, also auf Viertel!“ Das klingt für den Laien wie böhmische Dörfer – die Schüler an ihren Blockflöten, Gitarren oder Geigen nicken jedoch wissend. Einer der für sie wichtigsten Hinweise, mag er auch komisch klingen: „Traut Euch, nicht mitzuspielen!“ Das Konzept des experimentellen Mammutprojekts sieht vor, dass jeder Musiker die insgesamt 52 Notenfolgen durchspielt, mit mehr oder weniger Wiederholungen. „Da die Cluster, also Bausteine, alle in C-Dur gehalten und quasi kompatibel sind, entsteht eine große Klangwolke“, so der Tostedter.

An diesem Morgen ist das Klanggebilde durchaus schon hörenswert. „Wie es allerdings mit mehr als 400 Musikern statt 20 klingt – darauf sind Crome und seine Schüler schon jetzt gespannt. 

hey

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