Das Geld sitzt locker

Bauernmal: Auktion der Gemeindewege spült 951 Euro in die Baumkasse

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Die beiden „Grönen“ Marsha Weseloh (l.) und Lothar Scheele (rechts stehend) gaben ihren Einstand.

Scheeßel – Zu Beginn eines jeden Jahres schlüpft Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele in die Rolle einer geschickt agierenden Auktionatorin, um Gemeindewege an die Frau oder den Mann zu bringen. Wann es mit dem Verpachten von öffentlichen Wegen beim sogenannten Scheeßeler Bauernmal einmal anfing, weiß keiner mehr so genau. Bei dieser seit Menschengedenken überlieferten historischen Versteigerungsaktion, die wohl nur in der Scheeßeler Region bekannt ist, geht es also nicht um ein Essen, wie oft gemutmaßt wird, denn dann würde man das Bauernmal ja mit „h“ schreiben. Wer früher einen Weg gepachtet hatte, der durfte für ein Jahr seine Ziegen und Schafe dort weiden lassen und die auf dem Seitenstreifen stehenden Obstbäume abernten.

Eingefunden im Clubzimmer der Gaststätte „Zum Treffpunkt“ hatten sich zu dieser Traditionsveranstaltung am Montagabend Landwirte, Jäger, Forstleute, Ratsmitglieder und Gäste, die von der Verwaltungschefin in der einzig für diesen Abend zugelassenen „Amtssprache“, nämlich auf Platt begrüßt wurden und die auch selber bei Androhung einer Grog-Strafrunde plattdüütsch zu sprechen hatten – frei nach dem Motto: „Der Versuch ist entscheidend“. Das sorgte natürlich für Stimmung unter den Gästen, darunter auch den beiden anwesenden „Grönen“, also Neulingen, die noch „grün hinter den Ohren“ sind. Ratsmitglied und Sparkassen-Mitarbeiterin Marsha Weseloh: „Ick hebb mien Chef Jürgen Lange mitbrocht und glöf, datt he mi eventuell Kredit gifft.“ Brauchte sie aber nicht, denn die Alte Westerveseder Landstraße für 36 Euro und die 20 Euro Rundenbeteiligung konnte sie bei Carsten Grieb von der Gemeindeverwaltung direkt in bar einzahlen.

Auch Lothar Scheele, der zweite „Gröne“ in der Runde und Ehemann der Bürgermeisterin, nutzte die Gelegenheit und ersteigerte in fast perfektem Plattdeutsch den Veerser Weg (Hinter der Bahn) für runde 30 Euro.

Auf der offiziellen Liste zur Neuverpachtung standen dieses Mal 33 Wege oder Straßenabschnitte, darunter auch einige, die im vergangenen Jahr keinen Pächter gefunden hatten. Das sollte jetzt aber bei stimmungsvollen Runden mit Rum-Grog, Glühwein und Eisbrecher (Rum-Grog mit Rotwein) anders werden und Auktionatorin Dittmer-Scheele legte sich gleich mächtig ins Zeug, indem sie die Pachtinteressenten mit der Aufarbeitung der Wege-Liste von hinten her überraschte. „Angebote över Handy gifft dat bi uns nich“, meinte sie, als eines klingelte und zog die Auktion konsequent, vermischt mit viel Humor, in gut einer Stunde durch. Dabei gelang es ihr auch, Wege, die im Vorjahr nicht verpachtet werden konnten, wie die Vareler Trifft vom Büschelweg bis Viehdamm höchstbietend für 30 Euro an den Mann, in diesem Fall an Roland Pätow, zu bringen. In der Männerrunde sicherten sich auch Nora Steppat ihre Claims mit dem südlichen Bahnseitenweg und Ratsmitglied Gabriela Villwock mit dem Viehweidenweg.

Für Erheiterung sorgte Werner Bassen: „Mit unserer Männerselbsthilfegruppe klaren wir traditionell am ‚dritten Weihnachtstag‘ unseren Abschnitt ‚Hinter dem Schwarzen Kamp‘ auf. Dieses Mal fanden wir dort unter anderem einen einzelnen Damenschuh der Größe 37 bis 38. Den zweiten suchen wir immer noch und hoffen jetzt aber, dass dort bald die Umgehungsstraße hinkommt und wir ordentlich Geld verdienen können.“ Mit 38 Euro Pacht war er dieses Mal wieder dabei.

Der Spaßfaktor bei Geboten zwischen 15 und 50 Euro stand dieses Mal erneut im Mittelpunkt und so kamen schließlich 851 Euro zusammen, die von Olaf Achtabowski und Jürgen Lange von der Vorstandsriege der Sparkasse Scheeßel auf 951 Euro erhöht wurden und einem Sonderkonto zugeführt werden, das zum Beispiel für Neuanpflanzungen verwendet wird.

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