Gegen Onlinehandel

Scheeßeler Apotheken schließen sich zusammen

Drei Männer lehnen an ein Apotheken-Auto.
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Drei, die sich einig sind: die Scheeßeler Apotheker Erik Hagemeister (v.l.), Hans Erik Meyer und Hendrik Hagemeister.

Die drei Scheeßeler Apotheken schließen sich zu einer OHG zusammen. Damit wollen sie gegen Onlineriesen bestehen und Arbeitsplätze sichern.

Scheeßel – Fahrdienste, die für alle drei Scheeßeler Apotheken gemeinsame Touren machen, Gewinne, die redlich geteilt werden und ein gelegentlicher Anruf bei der Konkurrenz: „Ich habe hier einen Kunden, habt ihr Präparat XY vorrätig?“ Klingt komisch? Im Beekeort ist dies längst Realität. Anfang Juni haben sich die Sonnen-, die Meyerhof- und die Beekeapotheke unter dem Dach einer OHG zusammengeschlossen.

Drei ehemalige Mitbewerber im Ort, die den Schulterschluss suchen, und das mit allen Konsequenzen – ein bundesweit vielleicht einmaliger, zumindest aber ungewöhnlicher Schritt.

Wie es dazu kam? Als erstes Stichwort fällt Corona. Da sei man zusammengerückt, habe gemeinsam Masken bestellt, erinnert sich Hans Erik Meyer. Und hat dabei festgestellt: Gemeinsam geht es besser. Nicht nur wegen der Bestellmengen, aber auch weil im Gesundheitswesen die Größe zähle. „Gegen die Übermacht der Online-Medizin-Lagerhäuser“, Apotheken mag Meyer die mächtigen digitalen Konkurrenten schon wegen fehlender Beratung nicht nennen, „haben wir nur so eine Chance“, ist der „alte Hase“ unter den drei Apotheken-Betreibern überzeugt. Sicherlich habe auch die Tatsache eine Rolle gespielt, dass mit Hendrik und Erik Hagemeister zwei Brüder am Start sind, die sich gut verstehen und mit deren Neustart im Beekeort auch ein neues Denken erleichtert wurde. Aber letztlich müsse auch die Chemie stimmen, denn alle größeren Entscheidungen werden zusammen gefällt. „Und einstimmig heißt nicht Zwei zu Eins, sondern einvernehmlich“, betont Erik Hagemeister.

Glaubt man dem Trio, so sind die Vorteile vielfältig: Von den genannten Bestellvorteilen, die preislich an die Kunden weitergegeben würden, über Ersparnisse bei den Lieferfahrten, die auch einen Beitrag zur von Meyer avisierten Klimaneutralität leisten. Einer der wichtigsten Aspekte jedoch ist für alle Drei die Ballung von Kompetenzen. „Bei rund 70 Mitarbeitern haben wir für praktisch alle Gebiete einen Experten dabei“, schwärmt Hendrik Hagemeister. So habe neulich ein Arzt nach einem Fachmann für spezielle Wundverbände gefragt. Hagemeister verwies an eine Mitarbeiterin der „Kollegen“ auf der anderen Straßenseite – der Mediziner staunte nicht schlecht, als er innerhalb von fünf Minuten einen Rückruf von der vermeintlichen Konkurrenz und die gewünschte Fachauskunft bekam.

Möglich mache dies auch ein firmeneigenes Intranet, „eine Art Facebook für Apotheker“, erläutert Erik Hagemeister. So sollen bald auch die Lagerbestände digital abrufbar sein. Das Stichwort digital wird groß geschrieben, haben alle drei wie die gesamte Branche in der Vergangenheit doch die Preispolitik des Online-Handels zu spüren bekommen. Ein unfairer Wettkampf, findet Meyer: „Die verschicken dann aus Holland und sind nicht an die deutschen Gesetze gebunden.“ Ebenso spielten Verluste keine Rolle: So würden die Konsortien Millionenverluste in Kauf nehmen, um die ansässigen Apotheken auszubluten, so Meyers Überzeugung. „Die Fakten untermauern dies: Im Schnitt macht jeden Tag eine Apotheke in Deutschland dicht.“

Dagegen wollen die drei gute Beratung mit Kompetenz, Schnelligkeit, fairen Preise und Wohnortnähe setzen. Dabei soll jede Apotheke ihren eigenen Charakter und Schwerpunkte beibehalten; die Homöopathie in der Sonnenapotheke, Sanitätsversorgung in der Meyerhof- und Phytopharmaka und Mutter-Kind-Ausrichtung am Beekekreisel. Einheitlich fallen dagegen die zu Halloween gelaunchte gemeinsame Internetpräsenz mit Shop und Bestellsystem, die Imagebroschüre und die neue Fahrzeugbeklebung aus, die das Konzept „Apotheke3“ offensiv bewirbt.

Auf das Stichwort Monopolbildung reagieren die drei gelassen: „Am Ende wird man uns an unseren Taten messen“, meint Meyer, und Erik Hagemeister ergänzt: „Die Konkurrenz gibt es ja schon, da braucht man nicht weit zu gucken.“ Letztlich gehe es auch um die Aufrechterhaltung des Angebots vor Ort und Arbeitsplatzerhalt für die 70 Angestellten. Und wie steht das Team, das zusammenwachsen soll und irgendwann die Vereinheitlichung unterschiedlicher Systeme mit tragen muss, zum Zusammenschluss? Der Betriebsausflug mit Kanutour und anschließendem Essen gehen ging bis 2.30 Uhr nachts“, sagt Meyer schmunzelnd. „Noch Fragen?“  

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