Förderung aus Bundesmitteln für Getreidesilo

Sanierung der Scheeßeler Mühle: „Ein technisches Kleinod“

Mühlenwart Jan Müller-Scheeßel und Bärbel Münnich vor dem Getreidesilo.
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Wenn das Silo saniert ist, möchte Mühlenwart Jan Müller-Scheeßel dort wieder Getreide lagern. Das ist derzeit dort nicht möglich, weiß auch Bärbel Münnich.

Scheeßel – „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ heißt es in einem alten Lied. Damit ist das Klappern der Mahlgänge gemeint. Mit denen ist in der Scheeßeler Wassermühle alles in Ordnung, an anderen Stellen klappert es aber im Gebälk. Das kann nun mithilfe von Bundesmitteln behoben werden, denn das Silo wird saniert. Ziel ist es, nach Abschluss der Arbeiten dort wieder Getreide lagern zu können.

Vier Millionen Euro stellt der Bund im Rahmen seines „Soforthilfeprogramms Heimatmuseen und landwirtschaftliche Museen 2021“ zur Verfügung. Mit der Förderung können Modernisierungen vorgenommen oder Barrierefreiheit ermöglicht werden, heißt es vonseiten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Auf diese Weise wolle es zum Erhalt und zur Stärkung des Kulturangebots auf dem Land beitragen. Da bis Ende Mai so viele Anträge eingegangen sind, dass die angedachte Fördersumme von zwei Millionen Euro überschritten war, wurden die Fördermittel verdoppelt.

Unter den bis dato 80 Anträgen ist auch einer von Scheeßels Mühlenwart Jan Müller-Scheeßel. Die Arbeit, die er in den Antrag gesteckt hat, hat sich bezahlt gemacht: 48 680 Euro erhält die Wassermühle aus dem Programm. Einziger Nachteil: Die Arbeiten müssen bis Ende des Jahres beendet sein.

Ein Kraftakt für die Handwerker, weiß Müller-Scheeßel: „Der Umfang ist noch nicht abschätzbar.“ Klar ist aber: Da die Aufträge eigenständig vergeben werden dürfen, kann der Scheeßeler mit örtlichen Handwerksbetrieben arbeiten und auf diese Weise schnell mit der Maßnahme starten. Zwei Teile wird ein professioneller Mühlenbauer übernehmen – den Elevator, der das Getreide befördert, und die Schnecke, die im Laufe der Jahre völlig verschlissen ist. „Mühlenbauer gibt es nur noch wenige in Deutschland“, sagt Müller-Scheeßel.

Ein Blick in das Innere des Silos zeigt schiefe, gebrochene Holzbalken.

Bei einer Mühle gebe es eine andere Herangehensweise als bei anderen Gebäuden, es ist keine „Allerweltsbaustelle“. Das jetzige Silo ist zehn Meter hoch, wurde 1936 eingebaut. Es ist deutlich in die Jahre gekommen – Getreide kann dort schon lange nicht mehr gelagert werden. Das lässt der Mühlenwart meist in Säcken. Doch selbst da ist es vor Ratten nicht immer sicher. 100 Säcke hatte er mal gelagert, erzählt er – in nur einer Nacht hatten Ratten jeden einzelnen angefressen. Deswegen ist es wichtig, dass das Silo saniert und gegen Ratten gesichert wird – damit sie gar keine Gelegenheit haben, an das Getreide zu gelangen.

In den letzten Jahren ihres gewerblichen Betriebs sei das Silo nicht richtig gepflegt worden, weiß Müller-Scheeßel. Die Wände sind gebrochen, die Ständer am Boden teils durchgefault durch die Feuchtigkeit von unten. Dennoch soll das Silo nicht neu gebaut, sondern fachgerecht saniert werden. Dann könnten dort theoretisch bis zu 400 Tonnen Getreide gelagert werden.

Das erste Silo wurde 1884 in der Mühle eingebaut. Es sei so bedeutend, weil eine lose Lagerung damals etwas Unbekanntes war. Früher wurde das Getreide immer in Säcken gelagert. „Zeitweise war die Mühle die modernste im gesamten Landkreis“, so der Mühlenwart. Noch heute ist sie, von ihrer gesamten Technik her, „eine der herausragendsten Mühlen in Norddeutschland, ein technisches Kleinod“.

Jan Müller-Scheeßel zeigt die Förderschnecke, die instand gesetzt wird.

Die heute ältesten Bestandteile wurden 1830 eingeweiht, an ihrem jetzigen Standort steht sie bereits seit mehr als 500 Jahren. Teilweise wurde ihr Mehl früher sogar nach Rotenburg verkauft, weil es weißer und feiner war. „Fast jede Mühlmaschine ist hier vertreten, die es mal gegeben hat.“

Es ist wichtig, dass die Mühle erhalten bleibt, sagt auch Bärbel Münnich, erste Vorsitzende des Fördervereins. Das Gebäude ist ein Anziehungspunkt, auch für ausländische Besucher. In den vergangenen Jahren sei schon viel saniert worden, „viel Herzblut hineingesteckt“. Viele Besucher seien überrascht und beeindruckt und auch beim Ferienprogramm ist die Mühle ein fester Bestandteil. Auch Müller-Scheeßel spricht von einer „Perle, die noch mehr in den Vordergrund treten kann“. Eine Perle, die auch gerade wieder aus dem Corona-Winterschlaf erwacht. „Wir wecken neue Energien, das klappt gut“, erzählt Münnich von den ersten Einsätzen.

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