Rückblick und Ausblick: Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele im Jahresinterview

„Unvorhergesehenes gemeistert“

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Blickt zuversichtlich ins neue Jahr: Käthe Dittmer-Scheele.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Wohl kaum ein Jahr hat Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele während ihrer langen Amtszeit so gefordert wie dieses. Flüchtlinge, Kita-Streik, Krippenplätze – „die letzten zwölf Monate hatten es wirklich in sich“, räumt die Verwaltungschefin ein. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt sie zurück auf das, was die Gemeinde bewegte. Und auf das, was 2016 zu erwarten sein dürfte.

Frau Dittmer-Scheele, sind Sie mit dem vergangenen Jahr für Ihre Gemeinde zufrieden?

Käthe Dittmer-Scheele: Ja. Wir haben in unserer Gemeinde, für die Dörfer und den Kernort einiges bewegt und große, teils unvorhergesehene Herausforderungen gemeistert.

Eitel Sonnenschein gibt es nicht: Wo lagen die Probleme?

Dittmer-Scheele: Anspruchsvoll für die Verwaltung war, kurzfristig zwei Krippengruppen in Scheeßel zu schaffen. Besonders schwierig war und bleibt es, für die hohe Anzahl der Flüchtlinge das Notwendigste zu organisieren. Dank eines hervorragenden, fachbereichsübergreifenden Teams im Rathaus und ein hohes Maß an Hilfsbereitschaft, die Scheeßeler Bürger für Menschen, die in Not und Vertreibung bei uns Schutz suchen, zeigen, ist uns die Herkulesaufgabe bisher gelungen. Die Ehrenamtlichen aus dem Verein „Flüchtlingshilfe Scheeßel“ unterstützen uns ganz wesentlich mit ihrer wertvollen Arbeit. Wir arbeiten Hand in Hand. Ab nächstem Jahr wird es uns nicht mehr gelingen, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen, da das Angebot an Wohnraum begrenzt ist. Ende Januar werden voraussichtlich erste Flüchtlinge in einen von zwei Wohnblöcken auf dem Internatsgelände einziehen. Es stehen je nach Größe Zwei- bis Vier-Bettzimmer bereit. Zurzeit erarbeiten wir das Versorgungs- und ein 24-Stunden-Betreuungskonzept. Im Januar werde ich einen Info-Abend im Rathaus anbieten und stehe der Öffentlichkeit für Fragen und Anregungen zur Verfügung. Die Gemeinde sucht übrigens weiterhin Wohnungen und Objekte für die Flüchtlingsunterbringung.

Haben Sie als Bürgermeisterin alle die von Ihnen selbst gesteckten Ziele für Scheeßel erreicht?

Dittmer-Scheele: Nein, manchmal verschieben sich einfach die Arbeitsprioritäten im Laufe des Jahres durch unvorhergesehene Entwicklungen. Über einige Meilensteine freue ich mich dennoch besonders. Zum Beispiel, dass es beim gemeinsamen Feuerwehrhaus Bartelsdorf-Wohlsdorf weitergehen kann. Vorsichtig optimistisch bin ich, in der notwendigen Entwicklung von Gewerbeflächen ein Stück vorangekommen zu sein. Wir konnten zahlreiche Bauplätze verkaufen und haben einen hohen Fördermittelbescheid für den Untervogtplatz eingeworben.

Wo wollen Sie 2016 als Erstes mit Projekten, Vorhaben oder Initiativen ansetzen?

Dittmer-Scheele: Die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen bleibt ein großes Thema, das uns vielfältig fordern wird, als Bürgermeisterin, Rat, Verwaltung und uns als Bürger. Damit meine Möglichkeiten, vernetzend und unterstützend dazu beitragen, dass wir die Integration schaffen können, werde ich sie nach besten Kräften und engagiert einbringen. Wichtige Projekte, die es konkret zu planen und weiterzuführen gilt, sind der Neubau einer Kindertagesstätte in Scheeßel und der Umbau des Dorfgemeinschaftshauses in Westervesede. Der vierte Bauabschnitt der neuen Kernortmitte, der barrierefreie Untervogtplatz, kann beginnen, weil es gelungen ist, zwei Drittel der Baumaßnahme aus dem Städtebauförderungsprogramm für kleinere Städte und Gemeinden gefördert zu bekommen – eine einmalige Chance. Den Investitionsplan für die Feuerwehren werden wir weiter abarbeiten, Gewerbeflächen und Baugebiete ausweisen. Bauen in den Dörfern und die Mitgliedschaft im HVV bleiben wichtiges Ziel, für das wir uns hartnäckig einsetzen werden.

2016 stehen Kommunalwahlen vor der Tür. Schon jetzt sind erste verbale Scharmützel zwischen den Ratsparteien zu erleben. Inwiefern könnte das zu Lasten wichtiger Abstimmungen führen?

Dittmer-Scheele: Ich hoffe, gar nicht.

Was ist Ihr persönlicher Wunsch für das neue Jahr?

Dittmer-Scheele: Ich wünsche allen Bürgern von Scheeßel und allen Menschen, die zurzeit Schutz bei uns suchen, ein gesundes, friedvolles neues Jahr. Ich wünsche uns allen, dass es uns gelingt, die Veränderungen in unserer Gesellschaft gut zu meistern und sie als Chance aktiv zu ergreifen. Dazu braucht es die Hilfe von uns allen – darum bitte ich.

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