Rudolf Neumann ist seit 40 Jahren auf dem Sotheler Hedels-Hof beschäftigt

„Ich weiß, was zu tun ist“

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Werner Mahnken (links) und Sohn Kester (3.v.r.) im Kreise der Familie. Zum Jubeltag von Rudolf Neumann (rechts, mit Ehefrau Hella) gab es für den 56-Jährigen einen Aufsitzrasenmäher spendiert.

Sothel - Von Hannelore Rutzen. Er sei immer pünktlich, fleißig und umsichtig – „sozusagen unser Mädchen für alles“, zählt Werner Mahnken die Tugenden seines Mitarbeiters Rudolf Neumann auf. Der 56-jährige Landwirt mit nordrhein-westfälischen Wurzeln ist seit 40 Jahren auf dem Hedels-Hof in Sothel beschäftigt. „Man konnte und kann sich hundertprozentig auf ihn verlassen.“ Im Gespräch mit unserer Zeitung lassen Mahnken und der Jubilar die vergangenen vier Dekaden Revue passieren.

Herr Mahnken, wie kommt einer aus der Nähe von Duisburg nach Sothel?

Werner Mahnken: Zufällig stolperten meine Frau und ich im Oktober 1975 über eine Annonce in der überregionalen Zeitschrift „Land und Garten“: „16-Jähriger sucht Arbeit in der Landwirtschaft“. Wir brauchten zu jener Zeit jemanden und reagierten – ohne von Rudi zunächst etwas zu hören. Für uns völlig überraschend standen am zweiten Weihnachtsfeiertag dann seine Eltern, eine Schwester und Schwager vor der Tür, um den Jungen vorbeizubringen. Dafür waren sie eigens aus Millingen bei Duisburg angereist. Rudis Eltern wollten, dass der Junge eine Arbeit bekommt, die ihm Spaß macht. Zu Hause wuchs Rudi mit acht Geschwistern auf. Sie arbeiteten im Bergbau oder der Industrie. Rudi aber begeisterte sich für die Landwirtschaft. Nun konnte er sich einen Traum aus Kindheitstagen erfüllen. Ihm gefiel das, was er machen sollte.

Rudi war damals 16 Jahre alt, fast selbst noch ein Kind. Hatten Sie keine Angst, dass das schief gehen könnte?

Mahnken: Wir nahmen ihn wie ein drittes Kind auf, und er blieb. Unsere beiden Jungen Clemens und Kester waren ja selbst noch klein, drei und fünf Jahre alt. Sie nahmen ihn wie einen großen Bruder an. Rudi wurde ihr bester Freund und wuchs mit ihnen auf. Bei der Arbeit machte er sich durch Fleiß, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und die gute Qualität seiner Arbeit einen Namen. Er sah, was erledigt werden musste. Immer gut gelaunt und offen für Neuerungen fügte er sich in den Betrieb ein. Und auch in das Dorfleben integrierte er sich, knüpfte Freundschaften, die für ihn noch bis heute eine große Stütze sind. Ebenso arbeitete er aktiv im Schützenverein und im Sothler Angeltreff mit. Inzwischen hatte er Hella Albers kennengelernt, wie sie damals noch hieß. Im Jahr 2002 wurde geheiratet. Sie bauten ihr elterliches Haus um, und Rudi zog später zu Hella.

Herr Neumann, haben Sie es je bereut, hierher gekommen zu sein, mehr als 350 Kilometer von zu Hause weg?

Rudolf Neumann: Nein, nie. Klar, ich musste mich eingewöhnen und ein bisschen Heimweh war anfangs noch da. Aber die Arbeit und das Drumherum fesselten mich. Ich machte meinen Führerschein für Schlepper. Dann konnte ich mir das erste Moped anschaffen und wurde selbständiger. Für die vielfältige Arbeit in der Landwirtschaft entwickelte ich ein gutes Gefühl. Ich weiß, was zu tun ist. Bevor ich etwas Neues anfing oder einführen wollte, habe ich mich natürlich immer mit dem Chef abgestimmt. Familie Mahnken ist mir in den vielen Jahren ans Herz gewachsen – und ich glaube umgekehrt genauso.

Nun ist Kester Mahnken Ihr Chef, mit dem Sie ja aufgewachsen sind. Wie ist das für Sie?

Neumann: Kester übernahm 2000 den Betrieb von seinem Vater. Er schaffte die Milchkühe ab und stellte den Betrieb auf Rindermast mit Braun- und Fleckvieh um. Stallungen wurden um- und neugebaut. Die Hofübergabe und die damit verbundene Arbeit gingen Hand in Hand. Wir hatten keine Zeit zum Diskutieren und haben keine Probleme miteinander. Wir sind ein eingespieltes Team. Wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, wird so lange diskutiert, bis sie aus der Welt geschaffen sind. Auch Kesters Frau Rebecca und die Kinder Felicitas, Bendix und Welf kamen dazu. Das ist schon die fünfte Generation auf dem Hof. Vielleicht wird einer der Jungs einmal den Hof weiterführen, wer weiß. Kester bildet jetzt den fünften Auszubildenden aus. Ich helfe ihm dabei und bringe den Jungens heute auf höherem Niveau bei, was ich damals lernen musste. Ich komme auf jeden Fall nach wie vor noch sehr gern jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Arbeit geradelt.

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