Rotenburger Naturschutzbündnis kritisiert Antrag zur Erweiterung einer Hähnchenmast in Wohlsdorf

BUND: „Was stimmt denn nun?“

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Antrag gestellt: Die Hähnchenmastanlage am Ahlsdorfer Weg soll um einen fast noch mal so großen Betrieb erweitert werden.

Wohlsdorf - Ein Wohlsdorfer Landwirt will expandieren. Rund 39800 Hähnchenmastplätze hält er auf seinem Hof am Ahlsdorfer Weg vor. Fast die doppelte Anzahl soll spätestens im kommenden Sommer durch den Bau eines weiteren Stalls hinzukommen. Ein entsprechender Genehmigungsantrag im Sinne des Immisionsschutzgesetzes liegt dem Bauaufsichtsamt des Landkreises vor. Nach Meinung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Kreisgruppe Rotenburg, ist der jedoch gar nicht genehmigungsfähig.

„Unseres Erachtens fehlt eine Berechnung der eigenen Futtergrundlage für den alten und den geplanten Stall“, erklärt BUND-Vorsitzender Manfred Radtke in einer Mitteilung. Damit gebe es auch keinen Nachweis darüber, dass es sich bei dem Bauvorhaben, für das bereits eine öffentliche Auslegung erfolgt ist, um eine privilegierte Anlage im Sinne des Baugesetzbuches handelt.

Offen gehalten werde in dem Antrag zudem die Frage nach dem Verbleib des Abfalls in Form von Kot und Einstreu. „Einerseits ist davon die Rede, dass die Verwertung durch einen Abnahmevertrag mit einer Biogasanlage geregelt wird – hierfür ist mithin der Nachweis zu erbringen, wie und wo die thermische Vorbehandlung erfolgt und in welcher Anlage das Material anschließend vergärt wird“, schreiben die Umweltschützer weiter. „Dann ist aber wiederum von einer direkten Verwertung auf ökologischen landwirtschaftlichen Nutzflächen die Rede – in diesem Fall müssten die betreffenden Parzellen genau bezeichnet werden.“

Der BUND fragt: „Was stimmt denn nun?“ – Eine ordnungsgemäße Verwertung des anfallenden Abfalls, so seine Feststellung, sei demnach noch gar nicht nachgewiesen worden. „Erhebliche Beeinträchtigungen einiger Schutzgüter sind dadurch nicht ausgeschlossen“, mahnt die Gruppe.

Und die Liste der Lücken, die Radtke und seine Mitstreiter in dem Antrag ausfindig gemacht haben wollen, ist noch länger. Aspekte wie ein qualifizierter Flächennachweis und ein Sachkundenachweis für den Betriebsleiter seien ebenso wenig aufgeführt, wie Angaben zur Zwischenlagerung von Silage, Festmist und Gülle. „Wir beantragen daher eine erneute Auslegung mit den dann vollständigen Unterlagen“, heißt es in der Mitteilung abschließend.

Der Landwirt stand gestern für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Nach Auskunft des Landkreises sollen die Einwendungen Mitte Dezember im Rahmen eines öffentlichen Termins im Kreishaus erörtert werden. Werten will er die Inhalte bis dahin nicht. „Erst danach kann eine Entscheidung über die Zulässigkeit des Vorhabens getroffen werden“, heißt es auf Anfrage aus der Bauaufsicht.

Sollte die Kapazität der Mastanlage dann tatsächlich auf 76900 Hähnchen ausgedehnt werden, fällt der Gemeinde lediglich die Aufgabe zu, die Erschließung zu sichern. „Das ist gegeben“, versichert Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele. „Alles was darüber hinaus geht, fällt nicht in unsere Zuständigkeit.“

lw

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