Zwei Scheeßeler Mütter berichten über ihre Erfahrungen

Hausgeburt statt Krankenhaus

Glücklich und entspannt sind Sarah Busch (l.) und Annalena Kössler sowie ihre zu Hause auf die Welt gebrachten Töchter Torvi und Malea.
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Glücklich und entspannt sind Sarah Busch (l.) und Annalena Kössler sowie ihre zu Hause auf die Welt gebrachten Töchter Torvi und Malea.

Malea ist ein kleines Energiebündel. Krabbelnd, mit großen Kulleraugen, erkundet das neun Monate alte Mädchen ihre Umgebung, lässt sich von Annalena Kössler (32), ihrer Mama, nur unter lautstarkem Protest im Arm halten. Nichts Ungewöhnliches?

Scheeßel – Wohl wahr. Was Malea aber von den meisten anderen Kindern unterscheiden dürfte: Die Lütte hat nicht etwa in einem Krankenhaus das Licht der Welt erblickt, sondern im elterlichen Zuhause, im Rahmen einer unter der Obhut einer Hebamme durchgeführten Hausgeburt. Und so steht in Maleas Geburtsurkunde folgerichtig auch Scheeßel als Geburtsort.

Gleiches trifft auf Torvi zu. Vier Monate ist sie alt. Für Mutter Sarah Busch (34) ist es das dritte Kind. Sie und Annalena Kössler kennen sich, sind Nachbarinnen und gute Freundinnen. Warum sich die beiden Frauen für eine Hausgeburt entschieden haben? „So etwas ist doch eigentlich das Normale“, meint Kössler. Bevor Geburten irgendwann in Klinken verlegt wurden, seien Kinder früher doch schon immer daheim zur Welt gebracht worden. Und eigentlich, sagt sie, könne heute doch jede Frau ihren Nachwuchs zu Hause gebären – eine professionelle, auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Begleitung vorausgesetzt.

Hausgeburt: Mütter vertrauen Hebamme

Die habe sie in der Hebammenpraxis in Rotenburg gefunden. „Für mich stand nach der Geburt meines ersten Kindes schon fest, dass ich als Nächstes eine Hausgeburt machen möchte“, sagt die Erzieherin. Damals, vor zehn Jahre, habe sie noch in einem Krankenhaus entbunden. Die Geburt selbst habe sie auch noch in schöner Erinnerung – weniger dafür die Zeit danach. „Erst hatte ich ein Einzelzimmer, dann kam aber noch ein Notfall mit rein, nach dem gefühlt alle fünf Minuten geguckt wurde.“ Zur Ruhe gekommen sei sie nach der anstrengenden Entbindung so nicht. An einem Samstag sei die Tochter zur Welt gekommen, „gleich am Montag wollte ich da unbedingt wieder raus.“

Schon damals während der Schwangerschaft mit Rat und Tat an ihrer Seite gestanden habe Antje Jäger. „Sie ist ein unglaublich einfühlsamer Mensch, der einem vor, während und nach der Geburt genau die richtigen Ratschläge vermitteln kann“, lobt Kössler die selbstständige, unter anderem auch auf Hausgeburten spezialisierte Hebamme aus Rotenburg über den grünen Klee. „Ich habe ihr einfach zu 100 Prozent vertraut, denn Antje weiß ganz genau, was sie tut.“

Hausgeburt: Der Mann musste erstmal überzeugt werden

Dem kann Sarah Busch nur beipflichten: „Sie ist mit dem Herzen dabei und das in ihrer Freiberuflichkeit schon seit 35 Jahren.“ Busch, deren ersten beiden Kinder ebenfalls in einem Kreißsaal zur Welt gekommen waren, sei natürlich in den Plan ihrer Freundin eingeweiht gewesen – und habe sich nach anfänglicher Überlegung ebenfalls für eine Hausgeburt entschieden. „Meinen Mann musste ich aber erst mal davon überzeugen, dass daheim nicht mehr passieren kann als im Krankenhaus“, berichtet die 34-Jährige, die in einem Bedachungsgroßhandel arbeitet.

Hausgeburt: Kleine Torvi kommt im Flur zur Welt

Am 10. Mai, passenderweise am Muttertag, sei ihre kleine Torvi dann in den Nachmittagsstunden, im Beisein von Hebamme Jäger, zur Welt gekommen – im Hausflur. Busch erinnert sich an den besonderen Moment: „Bei mir waren die Wehen im Rücken, also habe ich sie halb in der Hocke zur Welt gebracht.“ Springseile, die am Treppengeländer befestigt gewesen seien, und ein Tragetuch, in das sie sich habe reinhängen können, dazu weitere Vorkehrungen wie Malervlies und Panzertape, Waschlappen, Tücher und ein gefüllter Wassereimer – „mit dem ganzen Equipment waren wir auf alles bestens vorbereitet“, erklärt Sarah Busch.

Nur auf Schmerzmittel, auf die man im Krankenhaus hätte zurückgreifen können, habe sie als Daheimgebärende verzichten müssen. „Darüber sollte man sich im Klaren sein“, betont Annalena Kössler. „Aber von dem übergebliebenen Vlies und dem Panzertape haben wir sogar noch heute im Haushalt einen Nutzen“, so die junge Mutter schmunzelnd, die ihre Tochter zwölf Tage vor dem errechneten Termin im eigenen Wohnzimmer hockend vor der Couch geboren habe – in der Nacht nach ihrem 32. Geburtstag. „Morgens haben wir dann sogar noch gemeinsam mit Antje gefrühstückt“, erinnert sie sich.

Beide Mütter wollen Hausgeburt-Erfahrungen nicht missen

Beide Frauen wollen die Erfahrung, die sie mit einer Hausgeburt gemacht haben, nicht missen. „Und etwas Besseres, als die Hebammenpraxis, konnte uns gar nicht passieren“, sagen sie unisono. Bis auf die Rufbereitschaft, die drei Wochen vor dem Geburtstermin ins Spiel käme, habe die Krankenkasse die Kosten komplett übernommen. Nur kämen Hausgeburten auch nicht für jeden in Frage, weiß Kössler. Bei erstgebärenden Frauen ab 35 zum Beispiel. Oder bei Fällen von Schwangerschaftsdiabetes. „Ich kann ansonsten allen Schwangeren empfehlen, es uns gleichzutun“, ermuntert Sarah Busch. Viele Frauen hätten generell Angst vor der Geburt, obwohl die doch eigentlich schön und ganz natürlich sei – „auch wenn es mit Schmerzen verbunden ist.“ Hier sollten jene doch wieder mehr auf sich und ihren Körper vertrauen.

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