Ihr Briefkasten bleibt leer

Rosmarie Brüntrup aus Ostervesede wartet noch vergeblich auf Impfbenachrichtigung

An Tag eins war die Landes-Impfhotline noch völlig überlastet. Rosmarie Brüntrup probiert es weiter.
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An Tag eins war die Landes-Impfhotline noch völlig überlastet. Rosmarie Brüntrup probiert es weiter.

Ostervesede – Donnerstagmorgen, kurz nach acht. Rosmarie Brüntrup aus Ostervesede greift zum Hörer und wählt die 0800 / 9988665. Die 86-Jährige möchte sich unter der Hotline einen Termin für das Zevener Impfzentrum geben lassen. Seit wenigen Minuten erst ist die Nummer freigeschaltet. „Jedenfalls sollte sie es sein“, sagt Brüntrup. „Denn lustigerweise kam die Ansage, die Nummer sei gar nicht vergeben.“

Sie probiert es trotzdem weiter. Eineinhalb Stunden lang. Gegen 10 Uhr vernimmt sie ein Besetztzeichen. Immerhin. In der Hoffnung, vielleicht endlich durchzukommen, drückt sie weitere Male auf die Kurzwahltaste. „Irgendwann hörte ich eine Bandansage, dass alle Mitarbeiter im Gespräch seien, man rufe mich aber wieder zurück.“

80 Kilometer weiter zur gleichen Zeit: Brüntrups Sohn sitzt in Hamburg am PC und versucht, zusätzlich über das ebenfalls erst unlängst freigeschaltete Online-Impfportal für seine Mutter einen Termin zu ergattern. „Ja, und da soll Zeven als Impfzentrum überhaupt noch nicht aufgeführt worden sein“, habe die Ostervesederin von ihm erfahren.

Am Mittag hört die Seniorin in den Nachrichten, dass im Kreis Rotenburg noch gar nicht genügend Impfstoff für Bürger im Alter von 80 aufwärts zur Verfügung steht, Termine entsprechend auch noch nicht vergeben werden könnten. „Daraufhin habe ich dann einfach den Telefon-Stecker gezogen.“

Für die aktuelle „Impfstoffmisere“, wie sie es nennt, habe sie ja noch Verständnis, das sei immerhin eine Mammutorganisation. „Was mich aber unheimlich ärgert, ist eine gewisse Aussage unseres Ministerpräsidenten Herrn Weil.“ Der habe nämlich erst letzte Woche in einer ZDF-Talkshow vollmundig verkündet, dass die impfberechtigte Gruppe der Hochbetagten nun postalisch über die kommunalen Meldeämter benachrichtigt würde. Brüntrup seufzt: „Da stellt sich ein Landesfürst hin und sagt, wir hätten etwas falsch gemacht, wenn wir uns hinter dem Datenschutz verstecken – nur auf den Brief mit Informationen zum Ablauf der Anmeldung und zum Prozedere im Impfzentrum warte ich sechs Tage nach Ausstrahlung des TV-Interviews noch immer.“ Dabei weiß sie von Bekannten zu berichten, die tatsächlich schon angeschrieben worden seien, sogar deren verstorbene Angehörige hätten Impf-Post bekommen. „Das ist natürlich schon ein bisschen makaber.“

Anfang der Woche sei sie in ihrer Ungeduld dann an das Meldeamt in Scheeßel herangetreten. „Nur dort hat man auch nicht so recht gewusst, was man machen soll und meinte nur, so etwas könne Herr Weil gar nicht geäußert haben“, berichtet die alleinstehende Seniorin, die in den kommenden Tagen die Impf-Hotline natürlich noch öfters anwählen wolle – „auch wenn für die ersten Februartage wohl noch keine Termine für Zeven gebucht werden können, wie ich jetzt erst erfahren habe.“

Dass sie sich piksen lassen möchte, steht für Rosmarie Brüntrup, seit drei Jahren verwitwet, aber völlig außer Frage. „Ich möchte ja auch gerne wieder persönlichen Kontakt zu der Familie haben“, sagt sie. Beide ihre Enkeltöchter seien Lehrerinnen – „und beide meinen, sie würden die Verantwortung nicht auf sich nehmen und mich wegen der Ansteckungsgefahr besuchen wollen.“ Daher freue sie sich schon sehr auf ein baldiges Wiedersehen, auch mit ihren Ur-Enkeln – wann auch immer das sein wird.

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