Ehemalige Hetzweger Volksschüler feiern Wiedersehen nach 50 Jahren

Als der Rohrstock noch über die Finger schnellte

Der Entlassungsjahrgang 1966 mit Meike Nerding-Ehlbeck (hinten 4.v.r.) und Kristina Muraszewski sowie dem Interview-Team von der Grundschule Hetzwege. - Foto: Ujen

Hetzwege - Vor genau einem Jahr trafen sich Hans-Dieter Bassen und Edith Spakowski beim plattdeutschen Theater in Westerholz und kamen ins Plaudern – dabei entstand die Idee, ein Klassentreffen des Entlassungsjahrgangs 1966 der Volksschule Hetzwege zu organisieren. Gesagt, getan, und das zur großen Freude der zwölf Mitschüler, die sich erstmals nach 50 Jahren in ihrer alten Schule einfanden.

Wegen der Schulreform drückten damals 20 Schüler der 9. Klasse für nur ein Jahr gemeinsam die Schulbank der damaligen Volksschule in Hetzwege, hatten aber in dieser Zeit offenbar so viel erlebt, dass es jede Menge zu erzählen gab. Fast alle Teilnehmer wohnen noch im näheren Umkreis, lediglich ein Ehemaliger war aus Hamburg angereist.

Die Verantwortlichen der Hetzweger Grundschule Meike Nerding-Ehlbeck und Kristina Muraszewski unterstützten ideenreich das Wiedersehen: Neben einer Führung durch die Einrichtung initiierten sie ein Interview mit sechs Schülern der jetzigen Grundschule.

Schüler stellen auch kritische Nachfragen

Die aufgeweckten Fragesteller Samira und Hanna aus der Kunst-AG sowie Fiona, Malte und Welf vom Schülerrat hatten sich gut vorbereitet. Neben allgemeinen Themen wie Ausflüge, Arbeitsgemeinschaften oder Schulkleidung stellten sie auch kritische Fragen: „Gab es damals Prügelstrafen?“ Da mussten die Ehemaligen einräumen, dass seinerzeit körperliche Gewalt zum Schulalltag gehörte: „Patschhand her, hieß das Kommando des Lehrers damals, und dann schnellte der Rohrstock über die Finger oder auch das Hinterteil“, erinnerte sich Edith Spakowski. „Und wenn der Stock dabei zerbrach, musste noch während des Unterrichts ein neuer besorgt werden“, ergänzte der damalige Klassensprecher Bernhard Behrens. „Aber wir waren ja gewitzt, den Stock haben wir wegen der Geschmeidigkeit mit Zwiebeln eingerieben und kleine Kerben eingeschnitten. Resultat: Es tat nicht so weh und die Stöcke gingen schneller kaputt. Unser Lehrer Heinrich Rehfinger war damals eine absolute Respektperson, aber nachmittags haben wir trotzdem aus seinem Garten, genau gegenüber der Schule, Erdbeeren und Kirschen geklaut.“

Durchaus erstrebenswert erschien es den kleinen Interviewern, dass man damals während der Erntezeit eine Stunde früher nach Hause durfte und drei Wochen Herbstferien bekam. Als sie dann aber erfuhren, dass die „freie Zeit“ mit Erntearbeit wie Kartoffelauskriegen verpuffte und sich die Schüler bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad aus den Dörfern bis zur Schule nach Hetzwege durchkämpfen mussten, waren sie alle froh, in der heutigen Zeit zu leben. Nach der Führung durch das Schulgebäude genossen die Ehemaligen ihr Wiedersehen noch bis in die späten Abendstunden im Westerholter Kroog.

Beim Klassentreffen dabei waren: Gerda Auerbach, geb. Weseloh (Westerholz), Hannelore Garbers, geb. Lunck (Abbendorf), Irene de Haan, geb. Poppe (Wittkopsbostel), Gisela Meyer, geb. Holsten (Hetzwege), Hannelore Polier, geb. Kaläne (Westerholz), Edith Spakowski, geb. Meyer (Wittkopsbostel), Hans-Dieter Bassen (Hamburg), Heinz Bassen (Westervesede), Johann Bassen (Hetzwege), Bernhard Behrens (Wittkopsbostel), Friedhelm Böhling (Scheeßel) und Werner Everding (Hetzwege).

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