Risikofaktor Buckelpiste

Westerveseder Radfahrer monieren den Zustand des Radwegs nach Scheeßel

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Die Buckelpiste zwischen Scheeßel und Westervesede stößt nicht nur Ortsbürgermeister Ralf Jürges sowie den Radfahrerinnen Petra Rudolph (Mitte) und Marlies Menke sauer auf.

Westervesede - Von Ulla Heyne. Wenn Petra Rudolph mit dem Fahrrad von der Arbeit in Scheeßel ins heimische Westervesede zurückkehrt, denkt sie des Öfteren an Rührei und Schlagsahne. Warum? „Nach dem Job fahre ich oft noch schnell zum Einkaufen – Sahne und Eier überstehen die Fahrt, genau wie Obst, meistens nicht unbeschadet.“ Was zunächst zum Schmunzeln anregen mag, hat einen ernsten Hintergrund: Der Radweg an der Landesstraße zwischen dem Beekeort und Westervesede sei so schlecht, dass an eine gefahrlose Benutzung an vielen Stellen nicht zu denken sei.

Diese Ansicht der Westervesederin, die im Schnitt „höchstens die Hälfte der Eier heil nach Hause bringt“, wird von anderen Bewohnern des 740-Seelen-Ortes bestätigt. Auch Marlies Menke, die regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs ist, hat ihre Konsequenzen gezogen: Ihre Tour zum Zeitungsaustragen zwei Mal pro Woche hat sie so geplant, dass der Anhänger beim Befahren des Radwegs an der L 131 fast leer ist, „sonst würden die Zeitungen herausfliegen“.

Auch an offizieller Stelle ist das Problem bekannt, allein: Die Gemeinde ist nicht zuständig, der Landkreis tut sich schwer mit der Bereitstellung von Geldern. Ortsbürgermeister Ralf Jürges weiß, warum die 1997 zuletzt komplett neu asphaltierte „Stoßdämpferteststrecke“, wie er die Buckelpiste nennt, an der an zahlreichen Stellen der mehreren Kilometer der Asphalt komplett aufgebrochen ist, trotz gelegentlichen Flickens immer wieder zur Stolperschelle besonders für Inlineskater und Rollstuhlfahrer wird: Die vor vielen Jahrzehnten gepflanzten Birken seien Schuld, „die Flachwurzler drücken nach oben. Die Anpflanzung war ein Fehler“, konstatiert er, „umso mehr, als sich unter dem Asphalt kein Schotterbett, sondern nur Sand befinde. Von dem Plan, lediglich die Buckel abzufräsen, hält er nichts: „Da müssen Baumwurzeln gekappt werden und der Weg braucht ein ordentliches Fundament, sonst wird das Geld zum Fenster herausgeschmissen und wir haben das Problem in kürzester Zeit wieder!“

Er hat das Problem seit Jahren immer wieder in öffentlichen Ortsratssitzungen zur Sprache gebracht, allein: Die Gemeinde ist nicht zuständig. Sie hat den Sanierungsbedarf an die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr weitergeleitet. Von dort kam im vergangenen Oktober der letzte Bescheid: Eine Behebung des Zustands erfolge zeitnah, wenn die Priorisierung geklärt und die Haushaltsmittel vorhanden seien. „Eine Priorisierung kann sich auch kurzfristig ändern“, heißt es in dem Schreiben an Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU). „Eine Frechheit“, findet Petra Rudolph, „da werben zum Beispiel Krankenkassen oder Städte für den Umstieg aufs Rad – aber der kann gefährlich sein!“ Damit spielt sie auf die gängige Praxis vieler Radfahrer der Ortschaft, vom Schüler bis zum „Berufspendler“ an, auf die Fahrbahn zu wechseln – gerade bei schlechten Lichtverhältnissen im Waldgebiet um den Eichenring oder tief stehender Sonne ein eher riskantes Unterfangen. Sie will wissen, wie die vom Land angeklungene Priorisierung vorgenommen wird: „Muss erst etwas passieren, damit hier was passiert?

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