Rettung kommt aus dem Kühlschrank

Scheeßeler Seniorenbeirat rät zur Notfalldose

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So sieht sie aus: Die Notfalldose, die in allen drei Scheeßeler Apotheken zum Stückpreis von zwei Euro erhältlich ist.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Wenn Feuerwehr oder Rettungsdienst erst in der Wohnung stehen, ist oft Eile geboten, und Informationen zum Patienten, seine Vorerkrankungen etwa oder Kontaktadressen, nicht gleich zur Hand. Erst recht nicht, wenn es dem oder der Betroffene in einer Notfallsituation nicht gelingt, Angaben zum Gesundheitszustand und zu anderen wichtigen Details zu machen. Hilfe versprechen sogenannte Notfalldosen. Der Scheeßeler Seniorenbeirat will diese nun in der Gemeinde bekannt machen. Oder besser: noch bekannter.

Denn, ließ Beiratsvorsitzender Walter Jungfer auf der gutbesuchten Sitzung am Mittwochnachmittag im Rathaus wissen: „Die Dosen gehen schon jetzt weg wie warme Semmeln.“ Allein die im Beeke-Ort ansässige Diakonie-Sozialstation Scheeßel-Fintel habe seinen Worten nach bereits 250 Stück geordert, um sie an ihr Klientel zu verteilen. Und auch in den drei Scheeßeler Apotheken, in denen das kleine weiße Plastikgefäß mit dem grünen Schraubdeckel erhältlich ist, sei die Nachfrage groß.

In die Region gebracht hatte die Notfalldose, die ursprünglich aus Irland kommt, der Kreisseniorenbeirat. Erst im vergangenen Herbst rief das Gremium zur Aktion „Notfalldose in jedem Haushalt“ auf – seitdem rühren die kommunalen Beiräte in den Städten und Gemeinden für die kleinen Helfer kräftig die Werbetrommel.

Dose im Gemüsefach

So wie jetzt in Scheeßel, wo einer der größten Verfechter der Dose, der Allgemeinmediziner und ehemalige leitende Notarzt des Landkreises Dr. Heiko William dem Publikum das „wert- und sinnvolle Zubehör“, wie er es nennt, vorstellte. „Immer mehr Menschen haben eine solche Dose im Gemüsefach – und das nicht wegen der Vitamine, sondern zur Lebensrettung“, weiß der 77-Jährige. Der Kühlschrank sei nicht etwa deshalb der ideale Ort zur Aufbewahrung der Dose, weil ihr Inhalt gekühlt werden müsse, „sondern weil es in wohl jedem Haushalt einen Kühlschrank in der Küche gibt und die Küche für Retter im Notfall sehr schnell zu finden ist“.

In dem Kunststoffbehälter würde ein beidseits bedrucktes DIN-A-4-Blatt stecken, auf dem alle wichtigen Informationen eingetragen werden können: Persönliche Angaben wie Name, Geburtsdatum, die Blutgruppe und Krankenkasseninformationen sowie Vorerkrankungen, mögliche Operationen, Medikamentengaben und Unverträglichkeiten. Außerdem, so der Fachmann, könnten dort Kontaktadressen des Hausarztes, Pflegedienstes und von Angehörigen festgehalten werden.

„Man sei ja keine Verkaufsstelle“

Um Helfer im Ernstfall auf die Existenz der Dose hinzuweisen, würden noch zwei Aufkleber beiliegen: einer für die Innenseite der Haustür und ein zweiter für den Aufbewahrungsort wie eben den Kühlschrank. „Seien Sie gewiss, dass sich die Helfer nicht an seinem Inhalt bereichern werden“, gab der Sittensener seinem Publikum augenzwinkernd zu verstehen.

Die Idee, alle Notfalldokumente an einem festen Ort und immer griffbereit zu haben, findet Zuhörerin Margret Harmsen richtig gut. Ihre Anregung, die Dosen auch im Rathaus anzubieten, erteilte Walter Jungfer allerdings eine Absage: „Ich habe es bei der Gemeinde versucht, aber die offizielle Auskunft bekommen, man sei keine Verkaufsstelle für irgendwelche Sachen“, so der Beiratschef, der stattdessen auf die örtlichen Apotheken verwies, wo die Behälter zum Stückpreis von zwei Euro erhältlich seien. „Und auch wir von Beirat geben die Dosen aus.“

Einen Tipp gab Heiko William den Scheeßelern am Ende noch mit auf den Weg: „Wenn Sie einen guten Draht zu Ihrer Bürgermeisterin haben, fragen Sie mal nach, ob die Gemeinde nicht die Kosten übernehmen kann.“ In seiner Heimat, der Samtgemeinde Sittensen, hätten einige Mitgliedsgemeinden genau das bereits getan.

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