Renaturierung weiter vorangetrieben

Damit die Vareler Heide auch in Zukunft blüht

Für die Renaturierung ziehen sie an einem Strang: Die Vertreter der Lions, der Unteren Naturschutzbehörde, der Interessengemeinschaft Vareler Heide, des Umweltbildungszentrums Wümme und der Beekeschule beim Ortstermin.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Wie aus dem Prospekt: Lila blüht die Heide, fröhliche Menschen auf Planwagen lassen sich von schweren Pferden durch die duftende Landschaft ziehen, vorbei an der Schnuckenherde, die eine Schäferin mit ihren Hunden zwischen den Wacholdern hütet. Kein Zweifel: Die Vareler Heide am Rande von Scheeßel zählt zu einem besonders schönen Fleckchen Erde. Doch die Idylle droht zu verschwinden, die Heide wächst langsam zu. Damit will sich die Interessengemeinschaft (IG) Vareler Heide nicht zufriedengeben – und bekommt in ihrem Bemühen, die wellige Dünenlandschaft zu renaturieren, inzwischen auch tatkräftige Unterstützung von außen.

Rainer Schild kennt das Problem: „Durch Umwelteinträge wird der Boden immer nährstoffreicher.“ Das, führt der Bezirksförster aus, lasse Gras und Bäumchen wachsen, die die Heide zurückdrängen würden. Vor allem im vorderen Bereich, der an Varel angrenzt, sei die Heide bereits in hohem Maß betroffen. „Die wuchernden Wacholder waren völlig von Gras umgeben“, sagt Schild. Nur mit einer rigorosen Maßnahme, die sich in der Lüneburger Heide bewährt habe, sei dem beizukommen gewesen: Ein Winsener Spezialunternehmen trug die oberste, nährstoffreiche Humusschicht ab und entfernte sie von den Flächen, sodass die Heide nachwachsen kann, ohne gleich wieder zu verholzen. Abplaggen heißt das in der Fachsprache – laut Dierk Westphal, Vorsitzender der Interessengemeinschaft, eine durchaus kostspielige Maßnahme, die von ihm und seinen Mitstreitern keineswegs allein hätte getragen werden können.

Bereits seit Jahrzehnten kümmert sich die IG um die Vareler Heide, die sich auf etwa 13 Hektar zwischen Scheeßel und Lauenbrück erstreckt. Und von Anfang an unterstützte auch der Scheeßeler Lions Club den Verein, fachlich begleitet von Naturschützer und Lions-Governor Johann Schreiner aus Schneverdingen. Um das Areal in all seiner Pracht auf lange Sicht hinaus zu erhalten, taten sich die Lions von der Beeke jetzt mit ihren Zonen-Partnerclubs Rotenburg, den Rotenburger LEAs, Schneverdingen, Soltau-Böhmetal und Lüneburger Heide zusammen und finanzierten so gemeinsam mit dem Lions-Distrikt Niedersachsen-Bremen einen fünfstelligen Betrag für die Renaturierung. Und auch die Gemeinde Scheeßel beteiligt sich mit einem Zuschuss.

Frischzellenkur aus Schülerhand

Finanzielle Hilfe ist die eine Sache, Hand anlegen die andere. So ziehen die Bemühungen um einen Erhalt mittlerweile auch bis in die Scheeßeler Beekeschule Kreise. Dort hat nämlich das Umweltbildungszentrum Wümme (UBZ) der Biologischen Schutzgemeinschaft Wümme die Arbeitsgemeinschaft Vareler Heide ins Leben gerufen. Die Idee dahinter: Schüler aus den Jahrgängen acht und neun betreiben selbst vor Ort Landschaftspflege – und lernen so ganz nebenbei die Tier- und Pflanzenwelt der Heide kennen. Um zu klären, was wo gemacht werden könne, trafen sich erst vor wenigen Tagen Vertreter der Lions, der IG der AG und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Letztere betreut den hinteren Teil der Vareler Heide und hatte bereits eine sogenannte Entkusselung in die Wege geleitet. Hierbei werden junge Gehölze – die „Kusseln“ – von den Heideflächen entfernt. Um die abgeschnittenen kleinen Bäume und Sträucher von der Heidefläche zu räumen – laut Förster Schild eine zwingend notwendige Maßnahme, damit einerseits nicht wieder Nährstoffe in den Boden gelangen können, andererseits die Heidepflanzen nicht bedeckt werden –, ist an der Beekeschule ein Projekttag geplant, an dem alle Schüler eines Jahrganges mithelfen werden.

Das Strauchgut, sagt Rainer Rahlfs von der Naturschutzbehörde, solle später übrigens nicht gänzlich entsorgt, sondern sinnvoll für die Natur genutzt werden. So wolle man einen Teil im sonnigen Randbereich der Heide am Wald zu kleinen Haufen aufstapeln, die Waldameisen als neues, geschütztes Zuhause dienen könnten. „Ein großes Ameisenvolk hat sich in diesem Bereich bereits Besitz von einem Baumstubben genommen“, hat Rahlfs beobachtet.

Um die breite Öffentlichkeit ein Stück weit mehr über die Vareler Heide, aber auch über die Arbeit der Beekeschul-AG zu informieren, erarbeiten die Jugendlichen derzeit eine Ausstellung, die im Sommer zu sehen sein wird.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Breitband für alle

Breitband für alle

Breitband für alle
Prozessbeginn: Freier in Bothel in Hinterhalt gelockt

Prozessbeginn: Freier in Bothel in Hinterhalt gelockt

Prozessbeginn: Freier in Bothel in Hinterhalt gelockt
Visselhövede: Neues Testzentrum läuft gut an

Visselhövede: Neues Testzentrum läuft gut an

Visselhövede: Neues Testzentrum läuft gut an
Inkognito in Rot: Redakteur im Einsatz als Nikolaus

Inkognito in Rot: Redakteur im Einsatz als Nikolaus

Inkognito in Rot: Redakteur im Einsatz als Nikolaus

Kommentare