„Dem Dorf verpflichtet“-Interview

Reinhard Frick: „Das ist besonders ärgerlich“

Reinhard Frick ist ein echtes Urgestein im Amt: Seit 26 Jahren ist er Ortsbürgermeister von Hetzwege und Abbendorf.

Hetzwege/Abbendorf - Von Lars Warnecke. Sie sind mit ihrem Dorf fest verwurzelt, kennen quasi jeden Winkel dort. Ihre Aufgabe ist es, die Interessen der Ortschaft zu vertreten – gemeinsam mit dem Ortsrat, dem sie vorstehen. Die Rede ist von den Ortsbürgermeistern.

Elf Bürgerinnen und Bürger der Einheitsgemeinde Scheeßel haben sich entschieden, für ihre Heimat Verantwortung zu übernehmen. Wer sind die Menschen hinter dem Amt? Welche Ideen und Anliegen möchten sie transportieren? In unserer Interview-Reihe kommt heute Reinhard Frick, Bürgermeister von Hetzwege und Abbendorf, zu Wort.

Herr Frick, warum sollten eigentlich alle Bewohner des Kreises nach Hetzwege oder Abbendorf ziehen?

Reinhard Frick: Hetzwege und Abbendorf bieten eine hohe Wohnqualität. Besonders junge Familien sind hier gut versorgt. Hetzwege verfügt über einen Kindergarten und eine Grundschule. Auch für die Freizeit gibt es vielfältige Angebote, zum Beispiel in unserem Sportverein. Schießsport ist in unseren Orten ganz groß geschrieben. In der Schüler- und Jugendklasse wie auch bei den Erwachsenen sind unsere Schützen bei Kreiswettbewerben immer vorn dabei. In der Jugendfeuerwehr spielt man auch Korbball und Basketball. Im Spielmannszug werden junge Leute musikalisch ausgebildet. Und in jeder Ortschaft kümmern sich je ein Heimat- und Kulturverein sehr aktiv um die Pflege von Brauchtum und Natur- und Heimatpflege. Arbeitsplätze gibt es in mehreren Gewerbebetrieben und der Autobahnanschluss sorgt für kurze Wege in die Hansestädte.

Ihr Lieblingsort in der Gemeinde Scheeßel?

Frick: Wegen der vielfältigen Möglichkeiten fällt es mir schwer, mich für einen bestimmten Lieblingsort zu entscheiden. Gern halte ich mich auf dem Tennisplatz auf oder gehe durch die schöne Natur spazieren und folge dem „Kulturpfad“ mit vielen Erläuterungstafeln zu Natur und Kulturgeschichte, um dann auf dem historischen Postwege von Hetzwege nach Abbendorf zu gelangen. Der Rückweg führt dann durch den Bruch, in dem man gerade in dieser Jahreszeit große Schwärme von Gänsen und Kranichen beobachten kann.

Was beschäftigt Sie als Ortsbürgermeister derzeit am meisten?

Frick: Mehrere Themen stehen momentan obenan. Zunächst nervt uns, dass Baugrundstücke in unzureichender Anzahl zur Verfügung stehen. Ein weiteres Thema ist die Versorgung mit Breitband und Mobilfunk. Schnelles Internet steht fast allen im Ort zur Verfügung, allerdings sind Datenübertragungsraten von mehr als 20 MBit besonders in Lagen an den Ortsrändern nicht zu erreichen. Für privaten Gebrauch mag die Versorgung derzeit reichen, das Gewerbe stößt dabei bald an die Grenzen. Weiterhin beschäftigen mich derzeit Friedhofsangelegenheiten in beiden Orten. Charakterisierten unsere Bestattungsorte bisher große Familiengrabstätten, so geht der Trend dahin, Grabstätten zu verkleinern und Urnenbestattungen vorzunehmen. Das hat nicht zuletzt mit dem demografischen Wandel zu tun. Grabpflege ist nicht möglich, wenn Kinder und Enkel aus beruflichen Gründen auswärts wohnen. Diese Veränderung ist zu akzeptieren, hat aber zur Folge, dass die entstehenden Kosten auf weniger Nutzer umgelegt werden müssen.

Was sind die aktuell größten Probleme in beiden Ortschaften?

Frick: Gerade in diesem Jahr ist ein wichtiges Thema die „GIRL“, das ist eine Geruchsimmissionsrichtlinie, die momentan noch dafür sorgt, dass man in der Nähe von landwirtschaftlichen Betrieben keinen neuen Wohnungsbau betreiben kann. Das ist besonders ärgerlich, weil einerseits das eine oder andere landwirtschaftliche Anwesen direkt auf Umnutzung wartet und andererseits viele junge Familien eine Wohnmöglichkeit suchen. Hier ist eine Änderung der Gesetzeslage unbedingt erforderlich.

Und Ihre Vision? Was wollen Sie während Ihrer Amtszeit für Abbendorf und Hetzwege unbedingt noch erreichen?

Frick: Aus genannten Gründen steht oben auf der Agenda die Ausweisung von Baugebieten. Gleichzeitig ist der Ausbau der Mobilfunkqualität dringend erforderlich und dann sollte das Breitband flächendeckend erstellt werden, Stichwort dazu ist FTTH, also Glasfaser in jedes Haus. Dazu ist finanziell der Bund gefragt. Einige Nationen sind uns in Mobilfunk und Breitband weit voraus, Deutschland als Hochtechnikland im Zugzwang. Abgesehen von diesen technischen Aufgaben ist uns wichtig, das Brauchtum zu erhalten.

Wo würden Sie wohnen, wenn Sie nicht Bürgermeister von Hetzwege wären?

Frick: Da ich über viele Jahre im Urlaub zum Wandern in den Alpen war, wäre das die erste Idee. Im Herbst wäre es schön im Mittelgebirge. Und im Frühjahr möchte ich gern auf eine friesische Insel ohne Pollenbelastung. Ich werde aber, auch wenn ich nicht mehr Ortsbürgermeister bin, hierbleiben. Hier sind die Menschen freundlich zu mir und die Infrastruktur ist gut. Deshalb fühle ich mich hier sehr wohl.

Wie würden Sie ihren Heimatort in drei Worten beschreiben?

Frick: Die Orte sind zu charakterisieren durch Ehrenamt, gutes Miteinander und soziales Engagement und wunderschöne Natur.

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