Landwirte bereiten Felder für das Hurricane-Festival vor

„Reich wird man damit nicht!“

Landwirt Wolfgang Bassen ist einer von rund 25 Landwirten, die Flächen fürs Hurricane vermieten. - Foto: Heyne

Scheeßel - Ein Morgen, wenige Tage vor dem Hurricane-Festival, hinter dem Tor zum Eichenring gleich links. Wo sonst nur träge ein paar Saatkrähen auf den Bäumen hocken, herrscht Hochbetrieb: Immer wieder fahren die Trecker mit Anhängern vorbei, Häckselmaschinen ziehen ihre Bahnen. Schon bald werden hier die Zelte der Festivalbesucher stehen.

Wolfgang Bassen gehört zu einem von rund zwei Dutzend Landwirten, die ihre insgesamt zirka 180 Hektar Flächen rund um das Gelände am Eichenring jedes Jahr an den Veranstalter des Musikspektakels vermieten. Auf eine Einladung in seine Villa dürfte man wohl vergeblich warten, und auch seine Nase glänzt nicht golden, als er aus seinem Auto aussteigt. Nein, reich werden könne man entgegen des landläufigen Vorurteils mit der Vermietung der Flächen nicht, erklärt er.

Der Roggen, den die beiden Lehrlinge seines landwirtschaftlichen Betriebs gerade mähen, ist drei Wochen zu früh dran, „das taugt selbst für die Biogasanlage nur noch mit Einschränkungen“, weiß der Scheeßeler, und zeigt auf die Ähren, die sich noch nicht richtig ausgebildet haben. Er ist in der glücklichen Lage, mit drei Mitstreitern Betreiber einer Biogasanlage zu sein; so muss er sich nicht um die Verwertung der Ernte sorgen. „Da kann man dann auch das Gras untermischen, auch wenn es einen noch schlechteren Brennwert hat“, so Bassen.

Die Idylle trügt: Eigentlich hätte die Ernte erst in drei Wochen eingebracht werden können.

Denn: Eine der Auflagen des Veranstalters besagt, dass auf jedem Feld im Zweijahresrhythmus Gras gesät wird; die Stoppeln vom Roggen sind für Camper nicht so angenehm. „Wenn das auch noch zu früh gemäht wird, deckt das nicht mal mehr die Kosten für Einsaat, Dünger und Abernten. Lohnen tut es dann nur noch durch die Miete“, so Bassens Kalkulation. Für eine normale Bewirtschaftung seien die Böden längst aus der Produktion gegangen, da eine normale Fruchtfolge zur Veredelung des Bodens etwa mit Mais oder Kartoffeln ja nicht mehr möglich sei.

„Hören Sie das?“, will der Landwirt wissen, „das Quietschen? Das ist der Wildretter.“ Zu überhören ist der in der Tat nicht. So sollen die Rehe verscheucht werden; die Jäger seien informiert. Ob sie das Feld mit ihren Spürhunden abgegangen sind, weiß Bassen nicht. Die Auflagen der Behörden und des Veranstalters – seit Neuestem muss dem Roggen auch Gras beigesät werden, um eine grüne Grasnarbe zu erhalten – stellen die Landwirte vor Herausforderungen: „Nicht alles, was gefordert wird, ist technisch überhaupt machbar“, meint er in Anspielung auf das von Naturschützern eingeforderte Mähen der Felder von innen nach außen.

Gern würde Wolfgang Bassen sehen, dass die Landwirte auch bei der jährlichen Begehung durch Veranstalter und Naturschutzverbänden sowie Behörden vertreten sind. „Bis jetzt erfahren wir nur aus der Zeitung, was wir falsch gemacht haben sollen. Aber als Landwirte in der Schusslinie zu stehen, kennen wir ja schon.“

Trotz des „unternehmerischen Stresses“ möchte Bassen das Festival nicht missen; „Es ist ja nicht so, dass wir nicht auch ein Plus machen“, sagt er. Das sei vor Jahren noch anders gewesen, als einige Bauern Zehnjahresverträge mit dem Veranstalter abgeschlossen hätten. „Als dann die Getreidepreise in die Höhe schossen, war das natürlich bitter.“ Mittlerweile würden nur noch Jahresverträge gemacht. Doch Bassen, mit vier Hektar „Hurricane-Land“ ein vergleichsweise kleines Licht, ist nicht nur die finanzielle Seite wichtig: „Das Festival ist gut für den Ort“, ist er überzeugt, „da muss der Einzelne seine Belange auch mal hintenan stellen.“

Auch wenn er selbst erst einmal auf dem Hurricane war: Insgeheim ist er auch ein Fan, irgendwie. „Unsere Jungs haben früher mit dem Bollerwagen Gepäck gefahren, seit einigen Jahren gehen sie selbst zum Festival.“ Dann ist es an ihm, auf dem Hof Dienst zu schieben, „Söhne, Lehrlinge und Freikarten sind dann ja weg“, grinst er. Eine Tour mit dem Fahrrad am Gelände vorbei lässt er sich jedoch nicht nehmen, und: „Zum Frühstück kommen immer mehr junge Menschen zu uns ins Melkhus. Es macht Spaß, mal mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen!“ - hey

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