Regionalität als Trumpfkarte

Regionale Anbieter setzen auf diverse Vertriebskanäle

Sabine Bassen mit hausgemachten Nudeln.
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Die hausgemachten Nudeln vermarkten Sabine Bassen und ihr Mann Wolfgang sowohl im Hofladen als auch im nahegelegenen Supermarkt.

Scheeßel – Auf der einen Seite die Supermärkte, in denen Industrieware angeboten wird, auf der anderen Seite der Hofladen, wo das Produkt des regionalen Anbieters im besten Fall nur wenige Meter zurückgelegt hat, bis es im Einkaufskorb des Verbrauchers landet – dass dies für den Verbraucher kein Gegensatz sein muss, beweisen einige lokale Erzeuger.

Ihre Produkte finden sich nicht nur im eigenen Geschäft auf dem heimischen Hof, sondern auch im Regal ortsansässiger Supermärkte.

Ein Beispiel sind die Produkte von „Bassens Kräuterstübchen“. Landwirt Wolfgang Bassen aus Scheeßel hat sich aktiv um die Vermarktung im neuen Vollsortimenter Combi gekümmert, der im Kernort eröffnet hat. „Ich hatte gehört, dass man dort auf Regionalität setzt und mich beworben“, erzählt der Scheeßeler. Die Eier von Bassens Hof sind dort ab sofort zu finden. Dafür hat er sogar investiert und von 600 auf 900 Hühner aufgestockt: Ein zusätzliches Hühnermobil soll die Nachfrage befriedigen.

Für umsatzschwache Zeiten hat der findige Unternehmer längst vorgesorgt: Die Eier, die beispielsweise nach Weihnachten aufgrund geringerer Kundennachfrage übrig bleiben, werden schon seit geraumer Zeit zu hofeigenen Nudeln verarbeitet. Die haben sogar schon den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil überzeugt: Für eine der rund 15 Eigenkreationen, die Kürbis-Dinkelnudeln mit Ingwer, wurde dem Ehepaar das Gütesiegel „kulinarischer Botschafter Niedersachsens“ verliehen.

Eine Konkurrenz zum eigenen Hofladen sieht Bassen im neuen Supermarkt nicht, vielmehr erhofft er sich die Erschließung neuer Zielgruppen: „Nicht jeder, der nur eine Packung Eier braucht, kommt extra bei uns vorbei!“ Dafür nimmt er einen erhöhten Aufwand in Kauf, muss er das Regal doch selbst bestücken. Es wird in einer eigenen Abteilung von Produkten aus der Gegend zu finden sein. Die Supermärkte haben die Strahlkraft der Regionalität für den Verbraucher längst erkannt.

Für Bernd Miesner ist dieser Vertriebsweg nicht neu – seit einigen Jahren sind seine Würste und Konserven mit selbst gekochten Suppen und Fertiggerichten bereits im Scheeßeler Edeka zu finden. Für ihn liegt die Win-win-Situation nicht unbedingt in der Erschließung neuer Zielgruppen, sondern in den kürzeren Wegen für seine Stammkundschaft.

Der kurzfristigen Anfrage der Betreiber des neuen Marktes kommt der Schlachter gern nach, auch wenn beispielsweise die Kennzeichnung nach den Standards des Unternehmens für ihn einen Mehraufwand bedeutet. „Leider gibt es keinen Ansprechpartner vor Ort und auch den Marktleiter habe ich noch nicht kennengelernt“, meint der Sotheler. Er hätte die im Prospekt vollmundig beworbenen kurzen Wege auch bei der Kommunikation mit dem Konzern begrüßt, ebenso „dass jemand vorbeikommt, um zu sehen, was wir hier machen“.

„Vernünftige Produktionsprozesse“ sind auch dem Gebietsleiter des neuen Combi-Marktes, Andreas Jagoda, nach eigener Aussage ein Anliegen. „Wenn sich die Gelegenheit ergibt, fahren wir auch zum Lieferanten.“ Er hat sich für den neuen Standort auch um neue Anbieter aus der Region bemüht. Derzeit seien es 500 Produkte von 37 Anbietern: „Gemäß dem Wunsch unserer Kunden wird Regionalität hier groß geschrieben“, nicht nur auf den Bannern „Gutes aus der Region“. Neben Aroniasaft aus dem Ostetal oder Honig aus Wohnste zählen auch Bier aus Bremen oder Kaffee aus der Hamburger Speicherstadt dazu. Dabei seien die Produkte aus der Region nicht zwangsläufig hochpreisiger, weiß Marktleiter Kai Baden zu berichten, „allerdings werden regionale Produkte oft nicht industriell hergestellt, sondern von Hand gemacht“. Der Herstellungsablauf spiegele sich selbstverständlich im Preis wider, „der ist aber durchaus mit dem anderer Waren, zum Beispiel Bio-Produkten, vergleichbar“.

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