Regine Borchers bringt ihren Sohn Jan bei einer Hausgeburt zur Welt

Ein echter Scheeßeler Jung‘

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Regine und Olaf Borchers hoffen, dass ihre Kinder später auch Beekscheepers werden.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. „Ein echter Scheeßeler Jung“, „Hurricane-Baby“ oder „jüngster Teilnehmer des Internationalen Beeke-Festivals“ – der gerade mal sechs Wochen alte Jan scheint nur die Superlative auf sich zu vereinen. Dabei könnte der Knirps, der auf dem Arm von Mutter Regine Borchers wohlig-gurgelnde Einschlaf-Geräusche von sich gibt, nicht entspannter sein – ein Attribut, dass die Hebamme Birgit Große der neuerdings vierköpfigen Familie typischerweise Hausgeburten zuschreibt. Und das ist der Scheeßeler Neubürger – wenn auch nicht unbedingt geplant.

Die Schwangerschaft von Regine Borchers verlief relativ unkompliziert. Der mutmaßliche Geburtstermin gab allerdings schon früh Anlass zu Spekulationen: „Irgendwie hatten wir rechnerisch immer das Hurricane-Wochenende im Blick“, so die 35-Jährige, auch wenn der offiziell im Mutterpass eingetragene Termin erst Anfang Juli vorsah. Geplant war eine Entbindung im Rotenburger Diakonie-Krankenhaus, wo auch die große Schwester Nele vor gut zweieinhalb Jahren das Licht der Welt erblickt hatte.

Es sollte anders kommen. Bereits am Abend des 20. Juni, der Hurricane-Samstag, hatte die gebürtige Soltauerin mit Nachbarn zusammengestanden und angesichts ihrer nicht in Anspruch genommenen Eintrittskarte gewitzelt: „Wenn ich jetzt noch auf den Eichenring gehen würde, würde es wohl ein Hurricane-Baby.“ Zu diesem Zeitpunkt wusste sie nicht, das sie damit Recht behalten sollte. Auch ihr Mann Olaf, seit Anbeginn des Festivals regelmäßiger Hurricane-Gänger, war an diesem Abend zuhause bei seinen beiden Frauen geblieben.

Der erste Weckversuch seiner Frau in dieser Nacht schlug allerdings fehl. Und einen weiteren „Fehlalarm“ wie zwei Wochen vorher mit einer vergeblichen Fahrt ins Diakoniekrankenhaus nach Rotenburg, dem Wecken der zweijährigen Nele und Einschalten von Oma und Opa wollte die Mutter allen Beteiligten ersparen. „Eine halbe Stunde lässt du sie noch schlafen“, dachte sie sich, und dann „noch eine viertel…“, berichtet sie.

War es der befürchtete Ansturm im Krankenhaus am Haupt-Partyabend des Festivals, die Ungewissheit, ob es dieses Mal wirklich ernst sei mit den seit Wochen immer wieder auftretenden Wehen oder der Wunsch, der Familie noch ein wenig Schlaf zu gönnen? Regine Borchers wartete, tigerte durchs Erdgeschoss. „Das Wohnzimmer habe ich gefühlte fünf Mal aufgeräumt“, erzählt sie. Irgendwann wurden die Wehen aber pressierender – im wahrsten Sinne des Wortes.

Sie weckte ihren Gatten und der Gedanke „Schaff ich’s überhaupt noch nach Rotenburg?“ stand im Raum. Da hatte Olaf längst den Transport organisiert und die Betreuung von Tochter Nele durch die Großeltern sichergestellt. Alles überflüssig, denn nach der zweiten Presswehe im Badezimmer war der neue Erdenbürger, in ähnlichem Tempo wie bereits seine große Schwester, geboren – ganz ohne Hilfe von Hebamme oder Arzt. Angst habe sie nicht gehabt, erinnert sich die Mutter, und daran, dass sie „Jan ist da“ nach unten gerufen habe.

Ihr Mann alarmierte nacheinander den Notarzt und die betreuende Hebamme, während Tochter Nele konstatierte: „Baby schreit!“ Auf sein frühmorgendliches, telefonisches „Unser Kind ist da!“ antwortete die betreuende Scheeßeler Hebamme Birgit Große zunächst: „Herzlichen Glückwunsch – aber warum rufst du an?“ „Wir sind zu Hause!“, fügte er dann hinzu. Sechs Minuten später war sie da, zwei Minuten danach trafen Notarzt und drei Sanitäter ein – letztere direkt vom Eichenring.

Die gemeinsame Diagnose, zusammen mit der Rotenburger Hebamme Antje Jäger, die als „Hausgeburten-Spezialistin“ hinzugerufen worden war: „3000 Gramm, 52 Zentimeter – Kind fit und Mutter wohlauf.“ Das bestätigte auch der behandelnde Kinderarzt, der die erste „U1“-Untersuchung durchgeführt hat. Regine Borchers: „Wenn ich wüsste, dass alle so glatt laufen, könnte ich eine Hausgeburt jeder Frau empfehlen – so stressfrei war das.“ Standesbeamter Norbert Terhost, der das Paar 2010 auch in Tracht auf dem Meyerhof getraut hatte, bestätigt: Jan ist der erste „echte“ Scheeßeler Jung in diesem Jahr. „Wir verzeichnen im Durchschnitt drei bis vier Hausgeburten pro Jahr – die wenigsten sind geplant.“

So entspannt wie seine außergewöhnliche Geburt ist der kleine Jan bis heute – „da spielen wohl auch die Gene mit“, meint der Papa, der als Elektriker in einem Scheeßeler Unternehmen beschäftigt ist. Auch beim jüngsten Internationalen Beeke-Festival – die Eltern sind beide aktive Mitglieder der Beek-Uln, dem Chor der Beekscheepers, gab er sich an seinen drei Festival-Tagen tiefenentspannt: „Die Trommeln beim Umzug hat er glatt verschlafen“, so der stolze Vater. Schon Tochter Nele war mit neun Monaten beim Auftritt der Beek-Uln beim Museumstag im Mai 2013 dabei – ihr jüngerer Bruder bricht allerdings alle Rekorde. Ob er und seine Schwester musikalisch in die Fußstapfen der Eltern treten wird – sowohl, was den Chor als auch das Hurricane betrifft? „Wir hoffen es, forcieren würden wir aber nichts“, so Olaf Borchers. Sein Ticket hat Jan jedoch jetzt schon in der Tasche: Birgit Große hat den Eltern versprochen: „In 15 Jahren sehen Jan und ich uns auf dem Hurricane.“

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