Recycling der kreativen Art

Angelika Schubert Reimann verwandelt alte Blechdosen in Kunstwerke

Die Heißklebepistole fast immer zur Hand: Angelika Schubert Reimann recycelt Dosen mal anders und gestaltet tolle Kunstwerke aus ihnen. - Foto: Warnecke
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Die Heißklebepistole fast immer zur Hand: Angelika Schubert Reimann recycelt Dosen mal anders und gestaltet tolle Kunstwerke aus ihnen.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Total tote Dose? Nicht bei Angelika Schubert Reimann. Was andere Leute wieder im Pfandautomaten verschwinden lassen oder in den Müll schmeißen, veredelt die 44-Jährige zu regelrechten Kunstwerken. Es geht um leere Getränkedosen – und ihrem Spaß daran, Dinge mit Sinn und Verstand zu verändern.

Wer die Küche der an der Ziegeleistraße beheimateten Scheeßelerin betritt, könnte meinen, sie wolle noch einmal für richtig heiße Tage vorsorgen. Überall stehen Paletten von Dosen in allen möglichen Farben und Größen. Doch die Bier- und Softdrink-Behälter sind leer, blitzblank ausgewaschen. Verschlussringe, Aufreißlaschen und Böden fehlen mitunter. Auf dem Müll landen sollen die Dosen allerdings nicht. „Recycling-Kunst“, nennt Schubert Reimann das, was sie in ihrer Freizeit macht. Neben dem Bauchtanz ein weiteres Hobby der in Hamburg arbeitenden Kinderkrankenschwester. „Eigentlich werkel ich mit dem, was für andere nutzlos geworden ist“, sagt sie. Dazu würden auch ausgediente Energiesparlampen, Konservenbüchsen, Kaffeekapseln und Kronkorken zählen. „Recycling bedeutet für mich, dass man das, was man verbraucht, dem natürlichen Kreislauf wieder zuführt, ohne dass etwas übrig bleibt, mit dem man nichts mehr anfangen kann.“

Die 44-Jährige, die alljährlich mit ihren Eigenkreationen auch an einem Stand auf dem Brockeler Weihnachtsmarkt anzutreffen ist, setzt die Gegenstände in einen ganz neuen Zusammenhang, kreiert aus ihnen etwas Neues, wie Windspiele, Figuren, Aschenbecher und Teelichter. „Mein Ziel ist es, die Stücke in einem anderen Sinn erscheinen zu lassen“, sagt sie. Wenn sie dadurch den Betrachter zum Staunen bringen – dann sei das ein Erfolg. „Oft kommt es zum Aha-Effekt. Dann sagen die Leute plötzlich: Das war ja ursprünglich mal eine Cola-Dose!“

Kreativität und handwerkliches Geschick, das sei ihr schon in die Wiege gelegt worden – väterlicherseits. „Mein Papa hat uns immer Kinderspielzeug aus Holz gebaut, seine Mutter war Schneiderin“, sagt sie. Auch sei es der Vater gewesen, der ihr Talent gefördert habe – das aber eher unbewusst. „Er war ein absoluter Fernsehverweigerer, als Kind hat man sich dann eben mit Bastelarbeiten beschäftigt.“

Heute sucht Schubert Reimann im Schneiden, Formen und Kleben eher den Ausgleich zu ihrem Klinik-Job. Und findet ihn auch. Ihre Inspiration holt sich die 44-Jährige aus dem Internet. Oder beim Bummel über die Weihnachtsmärkte Berlins, jener Stadt, wo sie aufgewachsen ist. „Das sind dort schon ganz spezielle Märkte“, schwärmt sie.

Mittlerweile ist die Liste ihrer Werke, die sie vornehmlich im Freundes- und Familienkreis verschenkt, lang. Um nicht zu sagen: sehr lang. Und doch: Kein Stück gleicht dem anderen, jedes ist ein Unikat.

Gerade schneidet die Hobbykünstlerin eine weitere gesäuberte Dose auf. Dieses Mal war Eistee der Inhalt. Sie breitet das rechteckige Blechstück auf dem Tisch aus, um es unter Zuhilfenahme einer Heißklebepistole zu einer Figur zu formen, die später noch mit etwas Schnickschnack verziert wird. „Das wird mein nächstes Engelchen“, sagt sie, den nächsten Weihnachtsmarkt in Brockel schon wieder fest vor Augen.

Ob sie nicht hin und wieder sich auch mal beim Basteln mit dem metallischen Material verletzen würde? „Manchmal bleibt ein unfreiwilliger Schnitt in den Finger nicht aus, das bekomme ich aber meist erst dann zu spüren, wenn ich mir auf der Arbeit die Hände desinfiziere.“

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