Raimund Herrmann veröffentlicht Buch rund um die Wassermühle / Erster Scheeßel-Krimi

Erlebtes und Erfundendes

Wie gemalt: Der Blick aus dem Fenster seiner Schreibstube dient Herrmann als Inspiration für seine Geschichten.
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Wie gemalt: Der Blick aus dem Fenster seiner Schreibstube dient Herrmann als Inspiration für seine Geschichten.

Scheessel - Von Lars Warnecke. Seit Kindesalter fühlt sich Raimund Herrmann (76) eng mit der Scheeßeler Mühle verbunden. Jetzt ist sein erstes Buch erschienen mit erlebten und erfundenen Geschichten – eine Hommage an die Mühle und bewegendes Zeitzeugnis zugleich.

Der alte Herr sitzt in seiner kleinen Schreibstube im Obergeschoss der Mühle und schaut aus dem Fenster hinaus. Fast andächtig verweilt sein Blick auf der Wümme, wie sich der Fluss aus dem breiten Auffangbecken unter den Weiden davonschlängelt. „Ist das nicht eine bezaubernde Landschaft?“, fragt Raimund Herrmann. Sie ist es. Und man hört ihm gebannt zu, wenn er über seine Kindheit plaudert, die er hier zwischen altem, sagenumwobenen Mauerwerk und unberührter Natur verbrachte.

Er fühle sich eng verbunden mit der „alten Dame“, wie er die Mühle liebevoll nennt – wohl auch daher, weil er hier als Junge eine neue, eine friedvolle Heimat fand. Denn Hermann verbrachte seine ersten Lebensjahre auf der Flucht. 1938 in Bessarabien am Schwarzen Meer geboren, wurde seine Familie zwei Jahre später umgesiedelt. Über ein Auffanglager in Sachsen und einer weiteren Station in Westpreußen gelang sie nach Kriegsende 1945 schließlich nach Scheeßel. Da war er sieben. „Ich hatte schon ein Kinderschicksal durchlebt mit Fliegerangriffen auf den Treck und fürchterlichen Bombennächten unterwegs“, sagt der 76-Jährige.

Zehn Jahre verbrachte er im direkten Umfeld der Mühle, gehörte zu einer der 13 Flüchtlingsfamilien, die auf dem Hof lebten und einer Arbeit nachgingen. Sein Vater war zunächst Gespannführer, später im Büro für den Ein- und Verkauf der Ernten zuständig; die Familie lebte in einem so genannten Häuslingshaus. „Damals sah das hier ja noch ganz anderes aus, da gab es jede Menge Gewerke“, erinnert er sich. Dazu habe eine Tierhaltung gehört, ebenso eine Brennerei, in der einst der berühmte Scheeßeler Korn hergestellt wurde. „Mein Bruder war hier der letzte Müllerlehrling – das war im Jahr 1958.“

Er spricht gerne über diese Zeit, „in der wir mit 30 Kindern draußen gespielt haben“. Auf dem Mühlengelände lebt das Gründungsmitglied des Fördervereins Scheeßeler Mühle schon lange nicht mehr. Später wurde er Diakon und schließlich in Scheeßel Realschullehrer.

Viele Jahre später, bei Aufräumarbeiten in dem Gemäuer im Sommer 2006, reifte schließlich die Idee in ihm, ein Buch über seine Kindheitserinnerungen zu schreiben. „Ich blickte aus dem Fenster und beschloss, das einmal aufzuschreiben, was ich hier als Sieben- bis 17-Jähriger erlebt habe“, erzählt Herrmann.

Das Besondere: Sämtliche Geschichten hat er in der Mühle zu Papier gebracht, in einer eigens für ihn gezimmerten kleinen Schreibstube mit Blick auf das idyllische Außengelände. „Die Aussicht hat mir beim Schreiben schon sehr geholfen“, meint der Pensionär. „Mich zieht es immer wieder hierher – es ist ein magischer Ort.“

Magisch seien auch einige Passagen in dem Buch, schwärmt Verleger Wolf Dietmar Stock. „Im ersten Teil geht es um die nachvollziebaren Erlebnisse, im weiteren Verlauf widmet er sich den sagenhaften Geschichten rund um die Mühle – da ist beispielsweise von einem Kobold die Rede, der hier nachts sein Unwesen treibt, oder von der schönene Müllerin, die immer noch als Geist herumspuken soll.“ Und Raimund Herrmann ergänzt: „Ich unterscheide nicht sehr stark zwischen Wahrheit und Traum – die Mühle steckt immer noch voller Leben.“

Den Abschluss der 128 Seiten starken, von der Illustratorin Petra Hempel bebilderten Lektüre bildet eine fiktive Kriminalgeschichte. Stock: „Der spielt nicht nur hier, sondern führt durch die gesamte Umgebung – im Grunde ist es der erste Scheeßel-Krimi überhaupt.“

Ein weiteres Projekt hat der Autor schon in Vorbereitung: ein autobiographisches Buch. „Allerdings ist das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für Freunde und Familie“, so Herrmann. „Vielleicht werde ich mich danach aber einem Roman widmen, der auf diesem zweiten Schmöker basiert.“

Das Buch „Sagenhafte und erlebte Geschichten um die Scheeßeler Mühle“ ist im Fischerhuder Verlag „Atelier im Bauernhaus“ erschienen und über den Verlag selbst (www.atelierbauernhaus.de) oder in der Buchhandel Wandel erhältlich.

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