Unbekannte überkleben Maskenpflicht-Schilder am Vahlder Weg in Scheeßel

„Querdenker“ machen ernst

Daumen runter: Yvonne Neumann (r.) und Rebecca Merklinger vom Fachbereich Ordnung und Soziales zeigen eines der Plakate, die offenbar von „Querdenkern“ über die Hinweisschilder der Gemeinde geklebt worden waren.
+
Daumen runter: Yvonne Neumann (r.) und Rebecca Merklinger vom Fachbereich Ordnung und Soziales zeigen eines der Plakate, die offenbar von „Querdenkern“ über die Hinweisschilder der Gemeinde geklebt worden waren.

Scheeßel – Yvonne Neumann und ihre Kollegin Rebecca Merklinger sind fassungslos. „Dass so etwas bei uns im kleinen Scheeßel passiert, das hätten wir nun wirklich nicht erwartet“, sagen die beiden Mitarbeiterinnen im gemeindlichen Fachbereich Ordnung und Soziales. Worüber sie nur mit dem Kopf schütteln können: Unbekannte haben am Wochenende entlang des Vahlder Wegs – auf den Parkplätzen von Edeka, Aldi und Rossmann – vier Schilder, die auf die Maskenpflicht hinweisen, vollständig mit Plakaten überklebt. Auf denen wird die Gefahr des Corona-Virus verharmlost. „Zeig mir Dein Lächeln“ ist darauf in großen Lettern zu lesen. Darüber präsentieren acht Menschen, immerhin einzeln und nicht im Kollektiv dicht beisammenstehend in Szene gesetzt, genau das: ihr Lächeln. Eine durchgestrichene Maske und ein blauer Smiley, das Logo der sogenannten „Querdenker“-Bewegung, komplettieren das professionell gestaltete Motiv. „Jeder kann ja seine freie Meinung äußern, da haben wir nichts dagegen“, sagt Neumann, „Aber wenn man dadurch behördliche Anordnungen untergräbt, hört der Spaß auf!“

Und eine solche Anordnung, festgeschrieben in einer vom Landkreis herausgegebenen Allgemeinverfügung, gibt es. Das ist Fakt. Demnach muss auf allen öffentlichen Plätzen eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden, da der maßgebliche 7-Tage-Inzidenzwert von 50 überschritten wurde. Die Gemeinde macht auf diese verschärfte Maskenpflicht als zusätzliches Mittel mit zehn eigenen Schildern aufmerksam – auf dem Marktplatz ebenso wie auf dem Untervogtplatz, ja selbst auf den privaten Parkplätzen aller großen Einzelhandelgeschäften, also dort, wo sich im Ort viele Menschen aufhalten, sind die Tafeln im DIN-A2-Format für jedermann sichtbar. „Das machen wir freiwillig, denn nicht jeder Bürger kennt auch die Allgemeinverfügung“, nennt Rebecca Merklinger den Grund für die jetzt torpedierte Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie. Anfangs hätte sich ihr Team regelmäßig noch persönlich auf die Parkplätze gestellt, um auf die Anordnung in Sachen Bevölkerungsschutz hinzuweisen, was ihrer Auskunft nach auch gut angenommen worden sei. „Nur können wir ja auch nicht jeden Tag dort stehen, weshalb wir auch auf die Idee mit den Schildern gekommen sind.“

Die sind mittlerweile wieder allesamt entplakatiert, nachdem die Gemeindeverwaltung am Montagmorgen auf die fragwürdige „Querdenker“-Aktion aufmerksam gemacht worden war. Bis auf ein paar Klebebandrückstände haben die Tafeln keinen Schaden genommen. „Alles andere wäre ja auch ärgerlich, denn kostenlos war die Beschaffung natürlich nicht“, sagt Yvonne Neumann, die überzeugt ist, dass die Unbekannten aufgrund der Höhe der an Laternenmasten angebrachten Schilder mit einer Leiter zu Werke gegangen sein müssen. „Wer am Wochenende etwas in diesem Zusammenhang beobachtet hat, darf sich gerne bei uns melden.“

Beide Verwaltungsmitarbeiterinnen hoffen jetzt, dass es bei diesem einmaligen Vorfall bleibt. „Denn wie alle anderen Behörden, versuchen auch wir, uns so gut es geht durch diese Zeit zu bringen“, sagen sie. Dazu würde man auch des Öfteren ausrücken, um vor und in den örtlichen Märkten Kontrollen durchzuführen – und Informationsarbeit zu leisten. „Im Großen und Ganzen sind die Leute wirklich einsichtig, wenn wir sie dabei ertappen, dass sie gerade keinen Mund-Nasen-Schutz tragen“, berichtet Merklinger. Einige Zeitgenossen würden ihrer Feststellung nach aber schon ganz genau wissen, dass sie etwas falsch machen.  lw

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Vom Exoten zum Mainstream-Stromer: Der BMW iX3 im Test

Vom Exoten zum Mainstream-Stromer: Der BMW iX3 im Test

Gute Hygiene schützt uns vor Salmonellen

Gute Hygiene schützt uns vor Salmonellen

Marie-Anne Raue: «Weihnachten wird bei mir gegrillt»

Marie-Anne Raue: «Weihnachten wird bei mir gegrillt»

Neymar trifft - RB Leipzig verpasst Coup bei PSG

Neymar trifft - RB Leipzig verpasst Coup bei PSG

Meistgelesene Artikel

Mehrere Corona-Fälle in Großfamilie: Landkreis lässt Quarantäne sichern

Mehrere Corona-Fälle in Großfamilie: Landkreis lässt Quarantäne sichern

Mehrere Corona-Fälle in Großfamilie: Landkreis lässt Quarantäne sichern

Kommentare