Pyrotechniker Florian von Bothmer über seinen zweiten Anlauf, das Silvesterevent auf dem Eichenring aufzuziehen

„Wir gehen niemandem mehr auf den Wecker“

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Florian von Bothmer hat große Pläne mit dem Eichenring vor. Aus den Fehlern des Vorjahres will der Pyrotechniker gelernt haben.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Dieser Schuss ging ordentlich nach hinten los: Vor fast einem Jahr kündigte Florian von Bothmer in unserer Zeitung an, mit seinem Silvesterevent vom Lauenbrücker Rittergut auf den flächenmäßig größeren Eichenring umziehen zu wollen – mit dem Ergebnis, dass die Veranstaltung am Ende gar nicht zustande kam.

Zu kurzfristig war der geschäftsführende Inhaber der Firma Bothmer Pyrotechnik an die völlig überraschten Behörden herangetreten, als dass diese sich offenbar im Stande sahen, der Veranstaltung grünes Licht zu erteilen. Im zweiten Anlauf soll es nun klappen, wie der 39-Jährige im Interview erzählt.

Herr von Bothmer, das ausklingende Vorjahr stand für Sie unter keinem guten Stern, oder?

Florian von Bothmer: Das kann man so nicht sagen, es stand unter vielen guten Sternen – in Rot, Grün, Blau und Gold (lacht). Nur weil es kein Silvesterevent gab, heißt es ja keinesfalls, dass wir nicht gut gefeiert haben.

Was ist denn damals aus Ihrer Sicht schief gelaufen?

von Bothmer: In erster Linie wohl, dass ich wirklich geglaubt habe, man könne mit vereinten Kräften auch in kurzer Zeit etwas Wunderbares erschaffen. Ich habe aber inzwischen akzeptiert, dass nicht jeder im Landkreis mit einem Lächeln die Tore öffnet, wenn der von Bothmer anklopft und 40.000 Gäste im Gepäck hat.

Wie haben die Fans, von denen es bekanntlich nicht wenige gibt, denn damals auf die Absage reagiert?

von Bothmer: Auch hier gibt es zwei Lager: Auf der einen Seite waren die, die uns unendlich unterstützt und die Daumen gedrückt haben. Diese Leute waren natürlich traurig und in der Überzahl. Andererseits gab es aber auch genügend Menschen, die uns von Anfang an gesagt haben: „In dieser kurzen Zeit bekommt ihr niemals alles unter einen Hut.“ Und die haben mir dann auch sofort ein dickes „Siehste!“ ins Gesicht gedrückt.

Wie heißt es: Aus Fehlern lernt man. Welche Lehre haben Sie aus der Sache gezogen?

von Bothmer: Ich habe mir zwei nicht zu unterschätzende Hauptfehler anzukreiden. Einerseits bin ich davon ausgegangen, dass jeder das Event möchte. Andererseits habe ich vorher zu wenige Betroffene davon in Kenntnis gesetzt, was wir genau vorhaben. Diese Leute waren einfach sauer, weil sie in der Zeitung davon erfahren haben, dass ich ihnen ein zweites Großevent vor die Tür setze.

Sie sprechen von der Gemeinde Scheeßel und ihrer Bürgermeisterin?

von Bothmer: Ja genau. Hätte ich dort im Vorfeld um Akzeptanz gebeten, hätte ich sie erhalten. Das weiß ich nun, weil ich inzwischen schon viele Gespräche zu Ende geführt und Rede und Antwort gestanden habe.

Wie hat sich der letztjährige Ausfall auf die Unternehmensbilanz ausgewirkt?

von Bothmer: Unser Verkauf an Feuerwerkskörpern hat ja trotzdem stattgefunden, allerdings in kleinerem Rahmen und somit auch mit erheblich weniger Nebenkosten. Wir haben keine großen Feuerwerke abgeschossen, brauchten keine Parkplätze absichern, keinen Verkehr planen, konnten weniger Ordner und Sicherheitskräfte einsetzen, haben auf eine kostenintensive Licht- und Tonanlage sowie die Festzelte und dutzende Mitarbeiter verzichtet. Wir haben also ganz gut gespart.

Gespartes, das Sie nunmehr für die XXL-Ausgabe ausgeben können...

von Bothmer: Und das mache ich wirklich sehr, sehr gerne. Für uns ist dieses Event schließlich auch ein Stück Firmenidentität. Negative Auswirkungen hatte der Ausfall auf andere Gewerke, die Hand in Hand mit uns gearbeitet haben: Imbissbetreiber, Künstler, Taxen, Hotels, Zeltbauer, Dekorateure, Busunternehmer – kurzum auf alle, die in dieser sonst eher kargen Zeit zwischen den Jahren durch uns eben doch etwas verdienen konnten.

Welche Hürden gilt es nun noch zu nehmen?

von Bothmer: In dieser Thematik möchte ich mich aktuell gern noch bedeckt halten, solche Formalitäten betreffen ja nicht nur eine Seite. Wenn das Thema aber wirklich von Interesse ist, bin ich jederzeit für eine Pressekonferenz mit dann allen Verantwortlichen zu haben.

Warum streben Sie überhaupt eine Verlagerung der Veranstaltung an – weg vom Rittergut, hin zum Eichenring?

von Bothmer: Ganz einfach: Wir hatten 2013 um die 20.000 Gäste täglich, das waren einfach zu viele Menschen. Natürlich haben wir stets alle vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt – aber ein weiterer Anstieg der Besucherzahlen wäre bei so wenig Platz schlichtweg nicht mehr zu verantworten gewesen. Der Scheeßeler Eichenring bietet sehr viel mehr Raum für alle Besucher, und wir sind dort viel weiter weg von Häusern und Ortschaften als staatlich gefordert. Eigentlich sollten wir niemanden mehr auf den Wecker fallen.

Welche Möglichkeiten für die Besucher erschließen sich durch das neue Gelände auf dem Eichenring denn sonst noch?

von Bothmer: Wir werden viel mehr zauberhafte Welten für Kinder und Familien einrichten, haben die Möglichkeit, aufwendiger zu schmücken und können auch erstmalig professionelle Fahrattraktionen anbieten. Das Festzelt wird größer ausfallen, und wir wollen durch ein Mehrangebot an Fahrgeschäften die Wartezeiten auf die geliebte Bratwurst verkürzen.

Und auf welche besonderen Shows kann sich das Publikum denn schon jetztfreuen?

von Bothmer: Am ersten Tag zünden wir „Starting Over“, ein klassisches Musikfeuerwerk. Dafür verwenden wir unter anderem den Musiktitel, mit dem wir vor knapp zehn Jahren begonnen haben, quasi passend zum Neuanfang am Eichenring. An Tag zwei gibt es die Premiere von „Confuse“, einem musiksynchronen, meisterhaft gestalteten Pyro-Musical, wie gewohnt mit emotionalem Tiefgang. Es geht um Träume und wie wir uns durch unsere Schlafphasen kämpfen. Wir schauen uns an, wie unschuldige Kinder, fröhliche oder traurige Menschen träumen. Am Ende wecken wir aber alle mit einem großem Finale auf. Versprochen.

Das sagt Scheeßels Bürgermeisterin:

Am Rande einer öffentlichen Ortsratssitzung hat sich kürzlich auch Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) zu den Silvesterevent-Plänen auf dem Eichenring geäußert. Das sagt sie im Wortlaut: „Wir befinden uns derzeit mit Herrn von Bothmer in Gesprächen. Eine Aufgabe, um die wir ihn gebeten haben, ist, er möge die Anwohner des Veranstaltungsgeländes rechtzeitig mit einbeziehen und sich von ihnen eine schriftliche Einverständniserklärung einholen. Das ist meines Wissens nach auch schon geschehen. Momentan befinden wir uns noch in der Prüfungsphase. Wenn das alles so abgewickelt wird, wie es sich derzeit gestaltet, könnte es sein, dass die Veranstaltung stattfindet. Abschließend kann ich dazu aber noch nichts sagen.“

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