Nach MPK-Beschluss

Pyroland: Böllerverbot trifft Unternehmen schon wieder

Eine Menschenmenge bestaunt ein Feuerwerk
+
Feuerwerke zu Silvester – dieses Himmelsspektakel wird es in diesem Jahr so wohl nicht geben.

Das Verkaufsverbot für Feuerwerksartikel trifft das Lauenbrücker Unternehmen Pyroland hart. Bereits im zweiten Jahr in Folge bleibt Florian von Bothmer auf seiner versandfertigen Ware sitzen.

Lauenbrück/Westervesede – Wenn man die aktuelle Situation im Lauenbrücker Pyroland auf den Punkt bringen sollte, würde einem wohl „Alarmstufe Rot“ in den Sinn kommen. Gerade hat die Bundesregierung ein Verkaufsverbot für Böller zu Silvester verhängt – schon zum zweiten Jahreswechsel in Folge. Wie nimmt es Florian von Bothmer, Chef der Feuerwerksfirma, auf?

Ist er überrascht? Traurig? Genervt? Enttäuscht? „Wie eine Raubkatze bereit zum Sprung,“ meint er. Schon der Begriff „Böllerverbot“ bringt den Lauenbrücker auf die Palme: „Feuerwerk ist so viel mehr als Böller, es ist auch das Glitzern in den Augen der Kinder.“ Überrascht hat ihn das Verbot nicht wirklich: „Wir haben den Mann mit dem Hammer ja kommen sehen und konnten uns in Abwehrhaltung begeben.“ Die Absage der Weihnachtsmärkte in Teilen der Republik sei wie ein Warnschuss gewesen.

Stammkunden halten die Treue

Was aber passiert derzeit im Pyroland-Lager für den Online-Versand? Vorerst werde ganz normal weitergepackt, „kampflos aufgeben ist nicht“, gibt sich der Familienvater kämpferisch. Natürlich werde man wie die gesamte Branche Maßnahmen treffen, konkreter möchte er sich jedoch nicht äußern, wie auch zu der Frage, ob wie im letzten Jahr von Teilen der Branche juristische Schritte geplant sind. Damals hatte von Bothmer die zum größten Teil schon gepackte Ware einlagern müssen.

Eine komplette Rückabwicklung der Aufträge blieb ihm zum Großteil erspart, da die meisten Stammkunden ihre Bestellung aufrecht erhielten – wohl auch, um Solidarität mit dem gebeutelten Unternehmen zu bekunden. Sollte eine erneute Einlagerung drohen, wonach es nach der aktuellen Sachlage aussieht, stellt ihn das vor logistische Herausforderungen in puncto Räumlichkeiten: „Wir haben der Krise getrotzt und frisch investiert.

Neue Ware kommt an. Wohin damit?“ Das Problem, das nicht nur ihn, sondern die gesamte Branche trifft, ist die fachgerechte Lagerung. Hochsichere Lager wie das bei Westervesede seien Mangelware. So habe der Verband der Pyrotechnischen Industrie (VPI) bereits vor lebensgefährlichen Folgen gewarnt angesichts des tonnenweisen Sprengstoff-Überhangs – eine Einschätzung, die von Bothmer teilt.

Bereits im Vorjahr mussten tausende versandfertige Päckchen in Westervesede eingelagert werden.

An den finanziellen Aufwand für eine Rückabwicklung und die Höhe der finanziellen Verluste mag er noch gar nicht denken: „Das ist abhängig von Entscheidungen, die in den nächsten Tagen Juristen treffen werden, nicht ich.“ Im Zuge der Debatte im Bundestag hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) für die betroffenen Unternehmen eine „entsprechende Kompensation im Rahmen der geplanten Wirtschaftshilfen“ gefordert – ein ausreichender Schritt? Von Bothmer sieht das kritisch: „Es geht nicht mehr nur um Kompensation, sondern auch um entgangene Gewinne.“

Auch sorgt er sich um die Weiterbildung seines Fachpersonals. Hierfür hätten in den vergangenen zwei Jahren keine finanziellen Möglichkeiten mehr zur Verfügung gestanden. Er plädiert für eine zukunftsorientierte Hilfe, „sonst ist es eine Frage der Zeit, bis Unfälle passieren, für die dann wirklich Intensivbetten bereitstehen müssen“, meint er in Anspielung auf die Verbotsbegründung der Bundesregierung, Böllerunfälle würden Intensivbetten belegen.

Von Bothmer befürchtet keine generelles Verbot

Befürchtungen, das Feuerwerksverbot könnte durch die Hintertür auf Dauer eingeführt werden, wie etwa von Umweltschutzverbänden seit Längerem gefordert, sieht er nicht: „Ich glaube wirklich, dass die da oben es nur gut mit uns meinen.“ Allerdings würde er sich wünschen, dass der Stimme seiner Branche mehr Gehör geschenkt wird: „Legales Feuerwerk bringt niemanden auf eine Intensivstation. Unser geprüftes Feuerwerk darf solche Verletzungen nicht herbeiführen, sonst würde es nicht zugelassen.“ Studien würden belegen, dass in den letzten Jahren niemand intensivmedizinisch wegen legalem Feuerwerk behandelt werden musste.

Schwarzsehen mag der Unternehmer trotz der gegenwärtigen Lage aber nicht: „Sicher wird’s ohne Rettungsring anstrengend, aber wir haben ja Erfahrung aus dem Vorjahr.“ Unterkriegen lassen möchte er sich jedenfalls nicht: „Notfalls verkaufen wir nächstes Jahr Klemmsteine oder sonst was.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

95 Prozent Omikron im Landkreis

95 Prozent Omikron im Landkreis

95 Prozent Omikron im Landkreis
Nartumerin Corinna Drewes will das Stofftaschentuch wieder aufleben lassen

Nartumerin Corinna Drewes will das Stofftaschentuch wieder aufleben lassen

Nartumerin Corinna Drewes will das Stofftaschentuch wieder aufleben lassen
Wie bei Oma und Opa

Wie bei Oma und Opa

Wie bei Oma und Opa
Sonnige Aussichten: Gemeinde Lauenbrück setzt sich für die Errichtung mehrerer Solarparks ein

Sonnige Aussichten: Gemeinde Lauenbrück setzt sich für die Errichtung mehrerer Solarparks ein

Sonnige Aussichten: Gemeinde Lauenbrück setzt sich für die Errichtung mehrerer Solarparks ein

Kommentare