Die Pufferspeicher kommen

An dieser Stelle zwischen Sporthalle und Busbahnhof werden sie stehen – die Wärmpufferspeicher der Bioenergie Scheeßel. Foto: Warnecke

Eine CDU-Bürgermeisterin, die eine für sie bittere Pille schlucken muss, eine CDU, die „ihrer“ Bürgermeisterin zum ersten Mal in den Rücken fällt, ein Schulleiter, der vom Ausverkauf seiner Bildungseinrichtung spricht und ein Grünen-Ratsherr, dem die vulgären Wörter nicht auszugehen scheinen – wahrlich, die politische Woche in Scheeßel hatte es in sich. Dabei drehte sich alles nur um ein Thema: die Pufferspeicher auf dem Beekeschulgelände.

VON LARS WARNECKE

Scheeßel – Mittlerweile, nachdem die Sache schon mehr als nur einmal durch die Gremien gegangen war, ist es Scheeßels wohl berühmtester Komposthaufen: der zwischen der Beekeschulturnhalle und dem Busbahnhof. 50, vielleicht 60 Quadratmeter misst das wahrlich nicht schön anzusehende Fleckchen Erde, welches gerne mal dem einen oder anderen Schüler als „Raucherversteck“ dient. Aber um Ästhetik geht es bei der im Rat diskutierten Frage, ob und wie die Bioenergie Scheeßel die zwei Pufferspeicher im Zuge ihrer bereits politisch mehrheitlich gebilligten Wärmenetzerweiterung an genannter Stelle denn nun aufstellen kann, auch nicht vorrangig.

Dagegen schon aber ums Prinzip. So wurde Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) diese Woche im öffentlichen Schul- und tags darauf auch im Bauausschuss nicht müde hervorzuheben, welche Präzedenzwirkung das Vorhaben auf andere Biogasanlagenbetreiber haben könnte. Das aktuell geplante Projekt sei, verbunden mit dem Standort Beekeschule, dann doch ein großer Einstieg in eine weitere gewerbliche Nutzung, „ein Quantensprung“, erklärte sie.

Tatsache ist: Die Bioenergie, ein privater Zusammenschluss mehrerer hiesiger Landwirte, betreibt im Rahmen ihres klimafreundlichen Wirtschaftsmodells bereits einige technische Anlagen auf dem Schulgelände (siehe Kasten) – mehr oder weniger im Einvernehmen mit der Liegenschaftseigentümerin, der Gemeinde. Gegen das Wärmenetz als solches habe sie auch nichts einzuwenden, beteuerte Dittmer-Scheele, nur sieht sie durch die beiden je 8,80 hohen und 3,30 Meter breiten Tanks, die den Zweck einer effizienten Wärmespeicherung erfüllen sollen und ihrem Wissensstand nach ebenso an anderer Stelle errichtet werden könnten, „eine dauerhafte Einschränkung des Schulträgers in seiner schulischen Nutzung und in seinen Entwicklungsmöglichkeiten.“

So solle bereits im kommenden Jahr der angrenzende Busbahnhof barrierefrei umgebaut und aller Voraussicht nach auch das undichte Sporthallendach eine Sanierung erfahren. „Und ganz bestimmt werden in Zukunft noch weitere Veränderungen anstehen.“

Obwohl ihm angesichts der sich abzeichnenden Entscheidung, die Speicher zuzulassen (was mit dem Mehrheitsvotum von CDU und SPD/UGS nach der abschließenden Beratung im nichtöffentlich tagenden Verwaltungssausschuss auch geschah), eigentlich die Worte gefehlt haben dürften, führte Beekeschulleiter Sven Borstelmann in aller Ausführlichkeit aus, warum er die ganze Sache so skeptisch sieht. „Wir sind als Schule immer den Weg mit der Gemeinde mitgegangen, haben sehr viel abgegeben – nur es muss auch Sinn machen.“ So, habe er das Gefühl, werde „seine“ Schule durch den Rat nun scheibchenweise verkauft. Ebenso verwies der Pädagoge darauf, dass der Bereich stets beaufsichtigt werden müsste – immerhin könnten Schüler auf die Idee kommen, über die Tanks auf das Hallendach hinauf zu klettern. Und: „Ich habe immer gedacht, dass mich die Politik, wenn es mal Spitz auf Knopf kommt, sich schützend hinter mich stellt – das wird aber nicht der Fall sein.“

Für Ratsherr Arthur Lempert (Grüne) steht fest: „Das ist eine ganz hinterfotzige Aktion, die hier gelaufen ist, ich fühle mich verarscht.“ Er unterstellte den Befürwortern eine offenbar „zu große Nähe zur Bioenenergie Scheeßel“. Auch monierte er, dass eine vom Antragsteller zuletzt eingebrachte Alternativlösung, die Pufferspeicher zur Not auch unterirdisch auf dem Schulgelände zu installieren, von der politischen Mehrheit gar nicht mehr zur Diskussion stehen solle (was im Übrigen auch der Gruppe 57 sauer aufstieß, die sich deutlich für eine unterirdische Verfahrensweise aussprach). Tatsächlich, so war den Wortbeiträgen aus den Reihen der CDU und der SPD/UGS-Gruppe zu entnehmen, sahen beide Fraktionen sich nicht ausreichend von der Verwaltung über die Variante informiert. Da konnte selbst der von der Bürgermeisterin kurzfristig eingebrachte Vorschlag, das Thema möge dann doch besser in der nächsten Sitzung des Gemeinderates zum Abschluss gebracht werden, statt kurzfristig im hinter verschlossenen Türen tagenden Verwaltungsausschuss, nichts an den gefestigten Ansichten ändern.

Und so – naturgemäß mit den Gegenstimmen von Grünen und Gruppe 57, wurde der Antrag der Bioenergie tatsächlich durchgewunken. Aber, wie die CDU-Fraktion es im Zuge der nicht immer sachlich geführten Debatte einbrachte, wird der Bau für die Betreiber der Speicher nicht ohne Auflagen einhergehen. Die betreffen sowohl die Farbgebung als auch eine Umzäunung für die beiden Kolosse. Und auch einen Mindestabstand zur Halle von 1,50 Meter gilt es einzuhalten.

Und in Zukunft? Da wird es keine weiteren technischen Anlagen, welche zusätzlichen Raum- und Platzbedarf inner- oder außerhalb des Gebäudes auslösen, mehr geben. Für eine entsprechende Genehmigungssperre hatte sich noch der Verwaltungsausschuss ausgesprochen – quasi auf dem letzten Drücker.

Chronologie der Kooperation:

• 2011: Die Bionergie Scheeßel lässt nach Unterzeichnung eines Wärmeliefervertrags mit der Gemeinde eine Wärmeleitung über das Sportgelände am Hevelsieker Weg verlegen. Die Einrichtung wird fortan mit kostengünstiger Ökowärme versorgt – eine Win-Win-Situation für beide Seiten. • Zu einem späteren Zeitpunkt wird auch noch das Sporthaus durch einen Abzweiger mit Fernwärme versorgt. Damals wurde das Gebäude noch durch die Gemeinde genutzt. • Die Bioenergie möchte nun auch den Theatersaal der Eichenschule versorgen. Die Gemeinde gestattet es, einen weiteren Abzweiger quer über das Freibadgelände zu verlegen. • Im weiteren Verlauf gründet sich eine Bioenergie-Genossenschaft, die mit den Biogasanlagenbetreibern kooperieren. Im Bereich Heidesee, Ziegeleistraße und Berliner Straße werden mehrere Haushalte an das Wärmenetz angeschlossen – heute sind es 37 Nutzer. In dem Zuge wird auch ein Wärmepufferspeicher notwendig, für den die Genossenschaft verantwortlich ist. • DIe Gemeinde lässt sich schließlich auch ihre Beekeschule und die Sporthallen mit Biowärme versorgen. Ebenso die Eichenschule profitiert. Dazu werden weitere Wärmeleitungen verlegt. In einem Anbau der Beekeschulsporthalle errichtet die Bioenergie ein Blockheizkraftwerk (Bhkw). Zwei Räume stellt die Gemeinde dafür zur Verfügung. • Die Wäremnetzbetreiber brauchen mehr Platz – ein zweites Bhkw soll her nebst Trafostation. Zwei weitere Räume, in denen Geräte im Eigentum der Gemeinde gelagert waren, stellt die Kommune dafür zur Verfügung, unter der Bedingung, die Bioenergie schafft auf dem Sportplatz als Unterstellmöglichkeit Ersatzraum. • Im Zuge des Blockheizkraftwerkes und auch der Vollversorgung der Beekeschulheizung übernimmt die Bioenergie von der Gemeinde nun auch die dortige Heizzentrale.

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