Bürger demonstrieren in Scheeßel gegen die neue Alternative

Knotenpunkt-Lösung in Sicht: Einstimmig trotz Protest

Demonstranten vor der Beeke-Schule.
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Kreisverkehr mit Bedarfsampel? Nein, sagen die Demonstranten um Diana Cartwright (2.v.l.).

Die Gemeinde Scheeßel legt eine neue Planung für den Ausbau des Knotenpunktes L130/Fuhrenkamp/Vareler Weg vor. Dem Bauausschuss gefällt‘s, man ist sich nach Jahren endlich einig - und doch gibt es Protest vor den Türen der Beeke-Schule.

Scheeßel – Gegen 19 Uhr wird es voll vor dem Haupteingang der Beeke-Schule. Während drinnen zunächst noch der Ortsrat Bartelsdorf mit dem Ausschuss für Hoch- und Tiefbau, Planung und Umwelt tagt, bauen sich draußen mehr als 20 Menschen auf. Sie demonstrieren gegen den neuerlichen Anlauf für den Ausbau des Knotenpunktes L130/Fuhrenkamp/Vareler Weg. Unter ihnen Diana Cartwright, die mit ihrer Bürgerinitiative (BI) „Scheeßel für den Planeten“ seit Monaten um eine Alternativlösung ringt. Die ist jetzt gefunden, sagt die Gemeinde und der Ausschuss stimmt am Ende zu – ausnahmslos.

Einstimmigkeit herrschte unter den Fraktionen und Gruppen bei dem Thema selten. Seit 2017 wird um eine Lösung gerungen, die die Baugebiete an den Ort anschließt. Zwei Faktoren sind vorrangig wichtig: Die Verkehrssicherheit, vor allem für die Schüler Richtung Vareler Weg und zurück, aber auch die Umwelt. So wenig Bäume wie möglich sollen gefällt werden. Dafür setzten sich die Grünen, später unterstützt von der BI, ein.

Abbiegespuren, Kreisellösung, viel wurde durchdacht, nicht alles fand vor den Straßenbehörden Zustimmung. So lange es keine Lösung gibt, dürfen aber keine Bauplätze mehr ausgewiesen werden – und so langsam, merken mehrere Ausschussmitglieder an, sei es Zeit, den Bauwilligen ein Zeichen zu senden, dass es weitergeht. Das könnte bald soweit sein: Letzten Endes sogar durch die BI, die in einem Fernsehbeitrag auf die Situation in Scheeßel aufmerksam gemacht hatte, erhielt Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) mehrere Zuschriften. Unter ihnen eine vielversprechende: Eine Frau aus Schleswig-Holstein berichtete von einem Kreisverkehr bei sich mit einer Bedarfsampelanlage.

Das Planungsbüro IDN arbeitete aus, wie ein „Kreisverkehrsplatz mit einer Bedarf-Lichtsignalanlage“ aussehen könnte – und sowohl der Landkreis als auch die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Verden gaben grünes Licht. Sina Geils von IDN stellte die Pläne vor, denn eine „Krücke“ musste eingebaut werden: Da ein Eigentümer sich nicht bereit erklärt hatte, drei Quadratmeter seines Grundstücks an die Gemeinde zu veräußern, muss die Straße ein Stück verschwenkt werden.

Die Kosten liegen bei etwa 625 000 Euro. Stimmen alle zu, könnte Baubeginn im Juni 2022 sein, Fertigstellung im November 2022. Die Vorteile liegen auf der Hand, so Geils – denen sich die Ausschussmitglieder anschlossen: weniger Bäume müssen gefällt werden – maximal 30, vermutlich weniger –, die zu versiegelnde Fläche ist bei einem Kreisverkehr kleiner, durch die Ampel und eine weitere Querungsmöglichkeit ist die Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger gegeben. Plus: Der einfahrende Verkehr aus Helvesiek wird abgebremst. Ein Stück die Vareler Straße hinein wird es eine Querungsmöglichkeit geben müssen, damit die Kinder vom Fuhrenkamp kommend auf die richtige Straßenseite wechseln können. Das sei in der verkehrsberuhigten Zone kein Problem.

Wir müssen das jetzt zügig anschieben und nicht nochmal kaputt machen.

Arthur Lempert (Grüne)

Selbst Arthur Lempert (Grüne) und seine Fraktion können mit der Lösung gut leben: „Natürlich sind es immer noch zu viele Bäume, aber diese Lösung bietet maximale Sicherheit.“ Er warnte davor, das Fass erneut aufzumachen. „Wir müssen das jetzt zügig anschieben und nicht nochmal kaputt machen.“ Man habe ein besseres Projekt erreicht – mehr sei nicht machbar. Auch die anderen stellten sich hinter die Planung: „Es ist das Nonplusultra an Verkehrssicherheit“, so Dirk Lange (CDU) – was damals wie heute „absolute Priorität“ habe. Auch Marc Ostrowski (SPD) habe aus der Nachbarschaft im Fuhrenkamp zufriedene Stimmen vernommen. Was noch bedacht werden sollte, so Hans-Jürgen Conrad (CDU): auf eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung vor dem Kreisel einwirken – das habe man vor, so die Bürgermeisterin.

Doch dieser Plan ist für Cartwright und ihre Mitstreiter keine Lösung. Und so beginnt diese Diskussion lange vor dem eigentlichen Tagesordnungspunkt. Cartwright möchte in der Einwohnerfragestunde den Antrag stellen, die Sitzung zu öffnen, um Fragen zuzulassen. Das widerspricht dem Regelwerk – und sorgt für Unmut. Cord Gerken aus Sothel findet deutliche Worte Richtung Ausschuss: Er verteidigt das „dringende Bedürfnis“ der Anwesenden, sich zu äußern, die deswegen da sind. „Ich finde es arm, dass niemand den Antrag stellen wollte, die Sitzung zu öffnen“, merkt er an die Mitglieder gewandt an.

Es gibt die Möglichkeit wesentlich kleinerer Abbiegespuren, wo wahrscheinlich überhaupt kein Baum gefällt werden müsste.

Diana Cartwright, Anwohnerin

Es gibt eine dritte Alternative, sagt Cartwright – Eichenschülerinnen verteilen im Vorfeld an alle Kopien. Auch sie setzen sich dafür ein: „Wir wollen nicht, dass so viele Bäume gefällt werden, und es werden unnötige Gelder verschwendet. Es gibt bestimmt eine andere Lösung“, sagen Lisa Brandt und Vivien Wegler, die auch den Instagramkanal „eichen4future.scheeßel“ betreuen.

Cartwright verliest eine kurze Rede gegen den „überdimensionierten Ausbau“. Ein Planungsbüro, das laut ihrer Aussage nicht genannt werden möchte, hätte die Möglichkeit wesentlich kleinerer Abbiegespuren geprüft, „wo wahrscheinlich überhaupt kein Baum gefällt werden müsste“, erklärte sie vor der Sitzung. Ein Punkt, der bei Dittmer-Scheele für große Skepsis sorgt. Sie widerspricht vehement, kritisiert die „zahlreichen widerlegbaren Behauptungen“. Schon vor 2017 war das Thema bekannt – nur habe die Verwaltung es verschlafen, gibt die Bürgermeisterin zu. Doch seitdem seien viele Gespräche geführt worden, mit allen Beteiligten. Und es müsse nun endlich vorangehen. Das sieht auch der Ausschuss so – und empfiehlt den Beschluss einstimmig. Nun hat der Gemeinderat kommende Woche das letzte Wort.

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