Kommunikationsprobleme

Scheeßeler Elternpaar fühlt sich auf der Suche nach Kita-Platz im Stich gelassen

Bianca Böhmke zeigt die Korrespondenz mit der Gemeinde, die sich ihren Worten nach als äußerst mühselig erwiesen habe.
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Bianca Böhmke zeigt die Korrespondenz mit der Gemeinde, die sich ihren Worten nach als äußerst mühselig erwiesen habe.

Scheeßel – Das haben sich Bianca Böhmke (35) und ihr Mann Kai (38) doch irgendwie ganz anders vorgestellt: 2018 ist das Paar nach Scheeßel gezogen. Sie von Lehrte bei Hannover aus, er stammt aus Hamburg. Beide haben sie inzwischen eine Familie gegründet. Mit Rosalie und Klara hat das Paar zwei Töchter. Klara, die Ältere, wird im Oktober drei und wäre damit im besten Kindergartenalter.

Eigentlich. Denn einen Kita-Platz, bedauert die gelernte Sozialassistentin, die als solche, bevor sie Mama wurde, selbst schon im Kindergarten gearbeitet hat und als solche – sobald es geht – in den Beruf auch wieder einsteigen möchte, habe ihr die Gemeinde für dieses Jahr noch nicht in Aussicht gestellt. „Dass das hier mit der Anmeldung dermaßen anstrengend sein würde, die Organisation unserer Erfahrung nach wirklich zu wünschen übrig lässt, das haben wir uns vorher so nicht ausmalen können.“

Dabei, berichtet sie, habe man doch bei dem Prozedere eigentlich alles richtig gemacht. Fristgerecht, bis zum 31. Januar, sei der Antrag bei der Verwaltung eingegangen – verbunden mit dem Wunsch, zum 1. August einen Platz in der Integrationsgruppe der Kita Sperlingsweg zu bekommen. Das Angebot gehe bis 14 Uhr und sei von ihr und ihrem Mann bewusst ausgewählt worden. „Wenn ich wieder arbeiten gehen möchte, reicht mir der Vormittag nicht aus und eine Ganztagsbetreuung wollen wir auch nicht – dann hätten wir keine Kinder bekommen brauchen“, erläutert Böhmke.

Kopfschütteln über Regelung

So habe die Anmeldung sich ihrer Darstellung zufolge schon als erstes Problem entpuppt: „Eine Mitarbeiterin aus dem Rathaus rief mich an und teilte mir zu meiner Überraschung mit, dass es mit dem Kindergarten vorerst nicht klappen könne, da Klara im Sommer noch keine drei Jahre alt sei – ich müsse sie also erst mal in der Krippe anmelden.“ Über die Ansage, Klara könne so womöglich erst im Februar oder Sommer 2022 einen Platz in der Wunsch-Kita bekommen, schüttelt die 35-Jährige nur verständnislos den Kopf: „Andernorts, das weiß ich aus Erfahrung, ist man bei der Betrachtung des Alters flexibler, außerdem wäre meine Tochter dann schon fast vier, das ist uns für den Eintritt in den Kindergarten eigentlich zu spät.“ Schließlich sei es für die Entwicklung ihres Töchterchens wichtig, nicht den Kontakt zu Gleichaltrigen zu verlieren, befindet die Mutter.

Auf offene Ohren sei ein solches Argument bei der Gemeinde jedenfalls nicht gestoßen. „Ich sollte unbedingt ein Kreuz bei der Krippe machen, damit Klara im Sommer sicher einen Platz bekommt.“ Nach Absprache mit ihrem Mann, der aus der IT-Branche kommt, wegen eines Unfalls aktuell aber arbeitsunfähig ist und eigenem Bekunden nach wegen des Handicaps keineswegs beide Kinder betreuen könne, habe sie am Ende zugestimmt. „Eine Betreuung kommt für uns aber nur im Kernort infrage, da Kai nicht mobil ist, er keinen Führerschein hat, um zur Not schnell die Krippe erreichen zu können“, sagt Bianca Böhmke. Das Kreuzchen habe schließlich die Mitarbeiterin gesetzt.

Damit, so die 35-Jährige, sei das Kapitel aber noch nicht beendet gewesen. „Wenig später meldete sich die Leiterin der Kita Sperlingsweg bei mir und forderte die nötigen Unterlagen an – das Attest habe ich ihr anbieten können, meine Bescheinigung, ich sei arbeitssuchend, nicht, da ich mich ohne Platz auch nicht arbeitssuchend melden kann.“ Dies habe sie der Leiterin gegenüber auch so zu verstehen gegeben. Jedenfalls, beteuert Böhmke, habe sie die angeforderten Dokumente Ende Februar eingereicht. „Auf eine Ab- oder Zusage habe ich danach aber vergeblich gewartet – und das, obwohl Freunde schon längst von der Gemeinde Post bekommen hatten.“

Nach Erkundigung ihrerseits habe man ihr schließlich mitgeteilt, sie habe die Unterlagen nicht zugesendet. „So waren alle Plätze in Scheeßel vergeben, ich sollte, hieß es, mich doch selbst auf den Dörfern nach noch freien Kapazitäten umhören.“ Genau dort, sagt sie, solle Klara ja aber aufgrund der besonderen Situation nicht unterkommen. „Richtig ist: Die Unterlagen habe ich vollkommen fristgerecht übermittelt, was via E-Mail auch nachweisbar ist – es ist also nicht unsere Schuld.“

Die Unterlagen habe ich vollkommen fristgerecht übermittelt, was via E-Mail auch nachweisbar ist – es ist also nicht unsere Schuld.

Bianca Böhmke

Nachdem sie bei den beiden ihr schon bestens bekannten Ansprechpartnern nicht weitergekommen sei, habe sie daraufhin ein Gespräch mit der Bürgermeisterin geführt. „Die hat mich aber nur vertröstet, meinte, es gebe eine Besprechung, und man wolle sich in der kommenden Woche wieder bei mir melden.“ Doch dies sei nicht geschehen. „Ich warte heute noch auf einen Rückruf oder einen Brief.“

Im Scheeßeler Rathaus hat man derweil eine etwas andere Sicht auf die Dinge: „Frau Böhmke versucht leider, von ihren eigenen Verfehlungen abzulenken und die Schuld dieses misslichen Umstandes der Gemeinde anzuheften – dieses weisen wir zurück“, so Verwaltungsmitarbeiter Stefan Behrens auf Nachfrage unserer Zeitung. Weiter sagt er: „Frau Böhmke wurde am 15. Februar schriftlich aufgefordert, vollständige Anmeldeunterlagen an die Krippe in der Beeke-Schule bis zum 2. März zu senden. Dieses hat sie leider nicht getan. In einem Telefonat am 16. April hat sie erklärt, die Unterlagen am 23. Februar per E-Mail zugesandt zu haben. Leider kamen diese weder im Mail-Postfach noch im Spam-Ordner an. Daraufhin schickte sie die Unterlagen nicht postalisch zu uns, sondern wohl wieder nur per E-Mail. Es ist nichts angekommen.“

Ein Fehlverhalten seitens der Gemeinde liegt nicht vor.

Stefan Behrens

Warum die Mutter aus dem Telefonat nicht die Konsequenz einer postalischen Zusendung gezogen habe? „Das ist uns unklar“, so Behrens. „Jedenfalls konnten wir ihr Kind bei der Vergabe der Krippenplätze ohne Anmeldeunterlagen nicht berücksichtigen. Es ist sehr bedauerlich, dass es hier zu Irritationen gekommen ist, aber ein Fehlverhalten seitens der Gemeinde liegt nicht vor.“

Im Juli, berichtet Kai Böhmke, stünde bei ihm eine lang ersehnte Operation zur Genesung an. Sobald die jüngere Tochter, um die er sich noch verstärkt kümmere, im nächsten Jahr einen Kita-Platz bekommen sollte, hofft der Vater, wieder in seinem Beruf als IT‘ler arbeiten zu können. „Ich und meine Frau möchten doch bloß die Möglichkeit bekommen, wieder arbeiten gehen zu können und die Kinder in ihrer Entwicklung auch weiterkommen zu lassen“, sagt er. Und dazu gehöre eben auch der Besuch einer Kita beziehungsweise einer Krippe.

Ganz so lange muss das Paar nun aber doch nicht mehr auf einen Platz für Klara warten. Denn wie Stefan Behrens ankündigt, könne das Mädchen schon ab November in einem der gemeindlichen Kindergärten aufgenommen werden.

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