Beekeschule führt Differenzierung wieder ein

Potenzial fördern und fordern

Ab dem achten Jahrgang wird an der Beekeschule in Scheeßel künftig wieder getrennt nach Haupt- und Realschulklassen unterrichtet. Damit will das Kollegium um Schulleiter Sven Borstelmann den Ehrgeiz der Schüler wieder wecken. Foto: Heyne

Scheeßel – Vor einigen Jahren wurden sie – zumindest begrifflich – offiziell zu Grabe getragen, nun werden sie in der Beekeschule wieder eingeführt: die Haupt- und Realschule.

Wir erinnern uns: Vor sieben Jahren wurde die Beekeschule ganz offiziell zur Oberschule, vor drei Jahren wurden die letzten Realschüler am Vareler Weg verabschiedet. Mit dieser Maßnahme, über die die Schule laut niedersächsischer Schulverfassung die Entscheidungshoheit hat, sollte vor allem eins ausgemerzt werden: das Stigma „Hauptschule“. Das ist laut Schulleiter Sven Borstelmann gelungen. Trotz der weiter vorgenommenen Differenzierung je nach Leistungsstärke in Grund- und Erweiterungskurse (in Mathe und Englisch ab Klasse sieben, Deutsch ab acht und Chemie ab neun) fühlen sich die meisten Jugendlichen „als Beekeschüler“. Warum also die neuerliche Einführung von Hauptschule und Realschule ab der siebten Klasse, zumindest für die Kurse in den Hauptfächern Deutsch, Mathe und Englisch?

Eine Rolle rückwärts sei das keineswegs, betont Borstelmann, „vielmehr Rosinenpicken – wir vereinigen die Vorteile zweier Systeme.“ Die letzte Maßnahme, so einheitsstiftend sie gewesen sei, habe nämlich einen entscheidenden Nachteil: Sie bescherten den leistungsstärkeren Schülern zwar eine entspannte Schulzeit, „aber vielleicht eine etwas zu entspannte.“ Das volle Leistungspotenzial würde nicht abgerufen, „die Schüler laufen nur so weit, wie sie geschubst werden“, haben Borstelmann und seine Kollegen festgestellt. Dieses Potenzial und der damit verbundene Ehrgeiz sollen getreu dem Motto „fördern und fordern“ nun wieder geweckt werden: „Lernen darf auch mal wehtun“, ist der Pädagoge und zweifache Vater überzeugt.

Das neue System sieht eine gemeinsame Beschulung in der fünften bis siebten Klasse vor. Eine frühere Aufgliederung nach Leistung sei nicht sinnvoll, „die Kinder sind noch sehr jung und müssen erst mal hier ankommen.“ Bisher wurde ab der siebten Klasse zwar auch in einigen Fächern wie Mathe, Englisch, Deutsch und Chemie in Grund- und Erweiterungskurse aufgeteilt, jedoch war ein Wechsel zum Halbjahr jederzeit möglich – für viele nicht gerade ein Ansporn zu Höchstleistungen.

Nun könnten ehrgeizige Jugendliche in der siebten Klasse Gas geben, um das Ziel „Realschule“ zu schaffen – übrigens eine Entscheidung der Klassenkonferenz, „allerdings in enger Abstimmung mit den Eltern, mit denen wir bei jeder Zeugnisausgabe sowieso ein persönliches Gespräch führen.“

Transparenz ist für Borstelmann das A und O – auch aus diesem Grund wird das System „hochwachsend“ eingeführt: „Die Eltern sollen bei der Einschulung ihrer Kinder ganz genau wissen, was sie erwartet“. Im Nachhinein das System zu ändern und Eltern wie Kinder vor vollendete Tatsachen zu stellen, fände er unredlich. So werden die Eltern der jetzigen Viertklässler demnächst beim Elternabend zu den Schnuppertagen entsprechend informiert.

Ob mit der partiellen Rückkehr zur alten Systematik und der einhergehenden Begrifflichkeiten der Stigmatisierung von Hauptschülern nicht wieder Tür und Tor geöffnet wird? „Das muss sich zeigen“, er ist jedoch guter Hoffnung, dass diese „von außen reingetragene Haltung“ Schnee von gestern ist: „Auch das beidseitige Schielen auf die andere Straßenseite hat sich rausgemendelt“, konstatiert er im Hinblick auf alte Ressentiments zufrieden.

Am Titel „Oberschule“ ändert sich übrigens für die derzeit rund 340 Schüler nichts, genau wie an den Abschlüssen: Dort steht wie eh und je nach der neunten Stufe „Hauptschulabschluss“, nach der zehnten „Hauptschulabschluss Sek I“ oder „Realschulabschluss Sek I“ oder „Erweiterter Sekundarabschluss“.  hey

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