Polizei sucht Täter von Scheeßel / Unklarheit über Feuermelder

Tödlicher Brand wirft weiter Fragen auf

Am Tag nach dem Unglück sind die Ermittlungen am Tatort bereits abgeschlossen.
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Am Tag nach dem Unglück sind die Ermittlungen am Tatort bereits abgeschlossen.

Scheeßel - Von Michael Krüger und Lars Warnecke. Scheeßel trauert. Am Tag nach dem tragischen Brand liegen Rosen auf dem Gehweg an der Bremer Straße, immer wieder bleiben Bürger am Bauzaun stehen, den die Gemeinde rund um die Obdachlosenunterkunft aufgestellt hat. Der Tod eines 59-jährigen Bewohners wirft weiter Fragen auf: Wer hat das Feuer gelegt, in dem der Mann in der Nacht zu Montag gestorben ist? War es womöglich eine gezielte Tat? Die Ermittlungen dauern an.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Michael Krüger:

Scheeßel ist Antworten schuldig

Klar ist seit gestern die Todesursache: Rauchgasvergiftung. Das hat nach Angaben von Lutz Gaebel, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Verden, die Obduktion ergeben. „Die Pathologen fanden Ruß in der Lunge des Toten – ein klarer Hinweis auf eine derartige Vergiftung.“ Auch dass der Mann einem Verbrechen zum Opfer fiel, hat Gaebel bestätigt. Es war Brandstiftung. Ob fahrlässig oder vorsätzlich, bleibt jedoch noch unklar. Die Brandermittler haben bereits am Montagabend ihre Untersuchungen vor Ort abgeschlossen, der Brandherd wurde lokalisiert. Genauere Angaben dazu macht Gaebel nicht – ermittlungstaktische Gründe: „Das ist Täterwissen.“ Vorrangig gelte es jetzt, denjenigen ausfindig zu machen, der „Hand angelegt“ hat und so für den Tod des 59-Jährigen, einem ehemaligen Asylbewerber aus Sri Lanka, der seit mehreren Jahren mit Bleiberecht in Scheeßel lebte, verantwortlich ist.

Schon in der Vergangenheit war es in dem Haus vereinzelt zu kleineren Zimmerbränden gekommen. Dennoch soll die Unterkunft, für die die Gemeinde Scheeßel verantwortlich ist, nie mit Rauchmeldern ausgestattet worden sein. Das wurde aus Kreisen der Einsatzkräfte bekannt. Ob dem in der Tat so ist, dazu wollte sich Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) gestern nicht äußern: „Ich habe meinen Gebäudetechniker nicht im Haus und kann dazu auch nichts sagen.“Die Staatsanwaltschaft ist dieser Frage bislang nicht nachgegangen, zumal es derzeit auch noch keine klare gesetzlichen Regelungen zur Installation von Rauchmeldern gibt.

Nach Paragraph 44 der Niedersächsischen Bauordnung ist vorgeschrieben, mindestens je einen Rauchmelder in Kinderzimmern, Schlafzimmern und Fluren anzubringen, die als Fluchtweg dienen, für Neubauten seit November 2012. Bestandsbauten haben jedoch eine Übergangsfrist bis Ende kommenden Jahres. Da in dem Wohnheim mit neun Räumen in den vergangenen Jahren nur kleinere Renovierungsarbeiten vorgenommen wurden, bestand für die Gemeinde bislang nicht Pflicht, diese Rauchmelder einzubauen. Das wäre nur bei einer Nutzungsänderung oder bei einer größeren Umbaumaßnahme der Fall gewesen. Scheeßels Innungs-Schornsteinfeger Simon Lange: „Insofern sehe ich die Gemeinde auf der sicheren Seite, sie kann nicht belangt werden.“ Allerdings hieß es gestern vom Sozialministerium in Hannover: „Für größere Heime zur Unterbringung von Personen, die sogenannte Sonderbauten im Sinne der Niedersächsischen Bauordnung darstellen, können im Einzelfall auch weitergehende Anforderungen, zum Beispiel nach einer Brandmeldeanlage, gestellt werden.“ Ob dies im Fall Scheeßel zutreffe, sei von der Kommunalaufsicht noch nicht geprüft worden.

Mann stirbt bei Feuer in Obdachlosenheim

Bei einem Feuer in einer Obdachlosenunterkunft in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) ist ein 59-jähriger Mann ums Leben gekommen. © Mediengruppe Kreiszeitung / Guido Menker
Bei einem Feuer in einer Obdachlosenunterkunft in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) ist ein 59-jähriger Mann ums Leben gekommen. © Mediengruppe Kreiszeitung / Guido Menker
Bei einem Feuer in einer Obdachlosenunterkunft in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) ist ein 59-jähriger Mann ums Leben gekommen. © Mediengruppe Kreiszeitung / Guido Menker
Bei einem Feuer in einer Obdachlosenunterkunft in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) ist ein 59-jähriger Mann ums Leben gekommen. © Mediengruppe Kreiszeitung / Guido Menker
Bei einem Feuer in einer Obdachlosenunterkunft in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) ist ein 59-jähriger Mann ums Leben gekommen. © Mediengruppe Kreiszeitung / Guido Menker
Bei einem Feuer in einer Obdachlosenunterkunft in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) ist ein 59-jähriger Mann ums Leben gekommen. © Mediengruppe Kreiszeitung / Guido Menker
Bei einem Feuer in einer Obdachlosenunterkunft in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) ist ein 59-jähriger Mann ums Leben gekommen. © Mediengruppe Kreiszeitung / Guido Menker
Bei einem Feuer in einer Obdachlosenunterkunft in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) ist ein 59-jähriger Mann ums Leben gekommen. © Mediengruppe Kreiszeitung / Guido Menker
Bei einem Feuer in einer Obdachlosenunterkunft in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) ist ein 59-jähriger Mann ums Leben gekommen. © Mediengruppe Kreiszeitung / Guido Menker
Bei einem Feuer in einer Obdachlosenunterkunft in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) ist ein 59-jähriger Mann ums Leben gekommen. © Mediengruppe Kreiszeitung / Guido Menker
Bei einem Feuer in einer Obdachlosenunterkunft in Scheeßel (Landkreis Rotenburg) ist ein 59-jähriger Mann ums Leben gekommen. © Mediengruppe Kreiszeitung / Guido Menker

Einer der Bewohner des Hauses, der bei dem Feuer schwer verletzt wurde, liegt immer noch im Krankenhaus. Die vier verbliebenen Männer haben eine neue Bleibe bezogen. Bürgermeisterin Dittmer-Scheele: „Wir sind verpflichtet, Menschen, die aus verschiedensten Gründen keine Wohnung haben, eine Unterkunft zu geben – und das machen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten.“ Laut Sozialamtsleiter Frank Thies laufen bereits Verhandlungen mit verschiedenen Eigentümern über eine neue, langfristige Lösung. Was mit dem beim Brand beschädigten Haus passiert, müssten Gutachter feststellen. Ein Abriss scheint wahrscheinlich.

An einer Debatte um mögliche Motive des Täters wollte sich die Staatsanwaltschaft gestern nicht beteiligen. Gaebel: „Wir haben überhaupt keine Hinweise auf Täter.“ Jegliche Überlegungen in bestimmte Richtungen seien Spekulationen. Und dennoch: Explizit betont die Staatsanwaltschaft, dass es keine Hinweise auf einen politisch motivierten Brandanschlag auf das auch von Ausländern bewohnte Haus gibt. Nach Informationen der Kreiszeitung soll es vielmehr schon in der Vergangenheit innerhalb der Einrichtung zu Streitigkeiten gekommen sein. Bestimmte Bewohner seien diesbezüglich sehr auffällig gewesen. Auch dass gestern, am Tag nach dem Unglück, keine Ermittler mehr vor Ort waren, spricht wohl gegen die Vermutung, dass das Feuer durch eine gezielte Aktion von außen gelegt wurde.

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