Politische Gremien sprechen sich gegen Messungen zu Erdölbohrungen aus

Nein zum schwarzen Gold

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Mit diesen Vibrations-Fahrzeugen will das Unternehmen nach Öl suchen.

Sothel - Von Lars Warnecke. Die Skepsis ist groß in der Bevölkerung – die Politik eingeschlossen. Das zeigte am Mittwoch ein Informationsabend der deutschen Tochter-Gesellschaft der kanadischen Öl- und Gasförderfirma PRD Energy zum Thema Erdölsuche und den damit verbundenen seismischen Messungen. Trotz aller Brisanz lief die Diskussion unter den gut 100 Zuhörern in der Gaststätte „Zur grünen Eiche“in Sothel weitgehend emotionsfrei ab.

Sprudelnde Ölquellen verspricht sich PRD mit Hauptsitz im kanadischen Calgary „Erlaubnisfeld Sittensen“. Im Umfeld des dortigen Salzstocks Volkensen vermutet das Unternehmen zur Gewinnung und Förderung von Kohlenwasserstoffen (Erdöl und Erdgas) wirtschaftlich lukrative Erdölvorkommen. Bereits zwischen 1960 und 1993 fanden dort fünf Bohrungen statt. Daher will man das Feld und seine Umgebung jetzt genauer untersuchen und plant, auf einer Fläche von rund 90 Quadratkilometern seismische Messungen durchzuführen. Entsprechende Aufsuchungsrechte für das Gebiet, das Teile der Samtgemeinden Sittensen, Zeven, und Fintel sowie der Einheitsgemeinde Scheeßel umfasst, waren von dem Unternehmen bereits 2012 erworben worden, ein von PRD erstellter Sonderbetriebsplan liegt dem Landesbergamt als Entscheidungsträger inzwischen vor.

„Das Amt hat uns nun um eine Stellungnahme gebeten, wie wir als Gemeinde zu den Messungen stehen“, erklärte Joachim Köhnken, Bauamtsleiter im Scheeßeler Rathaus, eingangs des Infoabends. Darum waren neben dem Bauausschuss der Gemeinde auch die Ortsräte der auf Scheeßeler Seite von den Messungen betroffenen Gemarkungen – Abbendorf, Hetzwege, Sothel und Wittkopsbostel – als mitsprechende Gremien an den Tischen vertreten.

Erläuterungen zu den Plänen gab PRD-Projektleiter Wigbert Freund. Seinen Worten nach würden für die Messungen von 22 Tonnen schweren Spezial-Fahrzeugen über Metallstempel Schallwellen in den Boden geleitet. Ähnlich wie bei einem Ultraschall oder einem Echolot würden diese von unterschiedlichen Bodenschichten reflektiert und Signalempfänger, sogenannte Geophone, im Boden nehmen je nach Gesteinsart unterschiedliche Reflexionen auf. Dort, wo die Fahrzeuge nicht hingelangen können, sollen kleinere Sprengungen vorgenommen werden. Plante das Unternehmen anfangs noch mit 1000 Sprengpunkten, ist die Anzahl mittlerweile auf 44 reduziert worden.

Selbstverständlich, so Freund, würden die Mitarbeiter keine Privatgelände ohne Erlaubnis betreten. Sobald alle erforderlichen Genehmigungen vorlägen, würde das Unternehmen Kontakt mit den Grundstückseigentümern aufnehmen. Geplant ist, mit den Messungen im Januar zu beginnen, die Arbeiten sollen etwa sieben Wochen dauern. Umwelt- oder Gebäudeschäden, so die Informationen des Unternehmens, würden durch den Zeitpunkt der Messungen im Winter und durch die Arbeitsmethoden nahezu ausgeschlossen.

Damit wollten sich die Gäste der Infoveranstaltung jedoch nicht zufrieden geben. Wer haftet im Fall von Gebäudeschäden? Wie läuft die Beweissicherung ab? Um diese Fragen drehte sich unter anderem die anschließende Diskussion. „Sie werden von mir keine Genehmigung erhalten für Ihre Messungen“, war aus Zuhörerkreisen vielfach zu vernehmen. Auch herrschte beim Thema Wasserschutzgebiet reichlich Gesprächsbedarf. „Sie sollten das im Einzugsgebiet unterlassen, immerhin ist das unser Wasser!“, forderte Sothels ehemaliger Ortsvorsteher Wilhelm Riepshoff.

Auf die Frage einer jungen Frau, welchen Gewinn die Bürger denn hätten für den Fall, sie würden mit dem Unternehmen zusammenarbeiten, hieß es von PRD-Seite, das Land erhalte ja eine Förderabgabe. Dem widersprach die stellvertretende Landrätin Elke Twesten (Bündnis 90/Die Grüne) jedoch vehement. „Der Förderzins ist kein Betrag, der das Land reicher macht – das ist ein Ammenmärchen.“ Unbeantwortet blieb ihre Frage, wie viel die Erkundungsmaßnahmen denn konkret an Kosten verschlingen würden.

Als „unanständig“ bezeichnete Nabu-Vorsitzender Roland Meyer das Vorhaben. Er bat darum, mit den Messungen wenigstens so lange abzuwarten, bis die Ursache für die mit Fracking in Verdacht stehende Häufung an Krebsfällen in der Samtgemeinde Bothel gefunden worden sei. Überhaupt gehe es seinen Worten nach bei der Maßnahme „nur ums Geld, wir haben keinen Nutzen davon“.

Auch die Antwort von PRD auf die von einer Elsdorferin gestellte Frage, wie man denn bei den Ölbohrungen mit dem anfallenden toxischen Lagerstättenwasser gedenkt umzugehen, stellte die meisten nur bedingt zufrieden. „Das würde in eine Wasseraufbereitungsanlage gelangen, damit es anschließend wieder verträglich ist“, hieß es.

Trotz der Bemühungen des Unternehmens, die Informationspolitik möglichst transparent zu halten, gelang es nicht, die Bedenken der Anwesenden vollends auszuräumen. „Einige Fragen konnte die Firma heute nicht beantworten“, brachte es Sothels Ortsvorsteher Günter Bassen auf den Punkt.

Jeweils einstimmig verabschiedeten sämtliche Gremien an diesem Abend eine Stellungnahme, wonach die Messungen gemäß der während der Versammlung vorgetragenen Argumente gegen öffentliches Interesse verstoßen würden. Die Vertreter der Öl- und Gasförderfirma waren während dieses Abstimmungsprozesses allerdings schon nicht mehr im Saal.

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