Platt erobert weitere Ortsschilder

Nach Ostervesede grüßt nun auch Westervesede ganz offiziell zweisprachig

Sieben Mal „Westervees“ an den Ortseingängen: Rathaus-Mitarbeiter Stefan Behrens (l.) und Westervesedes Ortsbürgermeister Ralf Jürges.
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Sieben Mal „Westervees“ an den Ortseingängen: Rathaus-Mitarbeiter Stefan Behrens (l.) und Westervesedes Ortsbürgermeister Ralf Jürges.

Westervesede – Dat löppt: In „Ostervees“ gab es gemeindeweit die Ersten. Jetzt sind neuerdings auch die Ortsschilder im Nachbardorf Westervesede mit den plattdeutschen Bezeichnungen versehen worden. Neben dem gebräuchlichen Ortsnamen grüßt von den gelben Tafeln – sieben an der Zahl – somit die niederdeutsche Schreibweise „Westervees“. Die, meint Stefan Behrens, sei vergleichsweise sogar noch nachvollziehbar.

Andernorts, in Gyhum beispielsweise, stoße man da schon auf sehr viel exotischere Wortkreationen. „Dort lautet die Bezeichnung nämlich ,Jeem‘, wo man sicher nicht auf Anhieb drauf gekommen wäre, dass das so ausgesprochen wird“, befindet der Mann von der Gemeinde Scheeßel beim Schnack am Ortseingang, zu dem sich auch Westervesedes Ortsbürgermeister Ralf Jürges eingefunden hat.

Letzterer ist ganz glückselig, dass es mit der Anschaffung der Schilder geklappt hat, nachdem „sein“ Ortsrat einen Zuschussantrag zur anteiligen Finanzierung an die Gemeinde gestellt hatte. „Uns, als plattdeutsch geprägtes Dorf, ist es ein Anliegen, einen aktiven Beitrag zur Pflege und Förderung der plattdeutschen Sprache und auch zur Heimatpflege zu leisten“, sagt Jürges, der eigenen Angaben nach zwar mit Hochdeutsch aufgewachsen sei, durch die Gastwirtschaft, die seine Eltern betrieben hätten, aber ganz automatisch in den Genuss von Nachhilfeunterricht gekommen sei. „Da wurde natürlich viel Platt gesprochen, da hat man schon einiges aufschnappen können.“ Womöglich spreche er noch heute das ein oder andere Wort nicht ganz korrekt aus. „Aber man lernt immer wieder dazu.“

Auffällig sei laut Behrens, dass die Sprechweise von Dorf zu Dorf mintunter doch stark variiere, man daher beim Plattdeutschen quasi auch nichts falsch machen könne, „Die einen sagen meinetwegen ,Melk‘ zu Milch – ein paar Kilometer weiter heißt es ,Merk‘.“ Ein weiteres Beispiel nennt Ralf Jürges: „In Fintel geht man zum Gottesdienst in die ,Kerk‘, hier geht man zur ,Kark‘.“

Kostenteilung von Ortsrat und Gemeinde

Beim Ortsnamen „Westervees“ habe jedenfalls kein Zweifel über die richtige Aussprache beziehungsweise Schreibweise bestanden. Dennoch: Bevor der plattdeutsche Name die reflektierenden Ortseingangstafeln zieren konnte, war es zunächst notwendig, eine Klärung mit dem Institut für niederdeutsche Sprache (INS) mit Sitz in Bremen herbeizuführen. Dabei, berichtet der Ortsbürgermeister, habe er sich über das erste Antwortschreiben doch sehr wundern müssen: „Darin war dann nämlich auf einmal wieder von ,Ostervees‘ die Rede.“ Ein Versehen vom Gutachter, welches jedoch schnell habe wieder aus der Welt geräumt werden können.

Für das identitätsstiftende Projekt, das sicher noch weitere Nachahmer in der Gemeinde finden wird (Boschel, Abbendörp, Westerholt – die Liste potenzieller Kandidaten ließe sich noch fortsetzen), haben Ortsrat und Gemeinde gemeinsame Sache gemacht. Sprich: Die Kosten wurden von beiden Seiten jeweils zur Hälfte getragen. „Bedingung ist es aber, dass der Zuschuss, den die Gemeinde leistet, unter 1 000 Euro bleibt“, erläutert Behrens das Prozedere, welches in dieser Form auch schon für Ostervesede gegriffen habe. Bei 145 Euro, die für eine Tafel hätten berappt werden müssen, sei man aber noch weit unter dieser Grenze gelandet – die Kosten für drei Rahmen, die zum Austausch zusätzlich hätten angeschafft werden müssen, da die Schilder in die alten schlichtweg nicht hineingepasst hätten, mit eingerechnet.

Nachdem auch die Untere Verkehrsbehörde dem Vorhaben grünes Licht gegeben hatte, hätten die Schilder bei einer Fachfirma „in Druck gehen“ können, so Behrens – und zwar auch jene für Ostervesede, hätte auf den bereits im vergangenen Sommer montierten Tafeln doch der Zusatz „Gemeinde Scheeßel“ gefehlt. „Das ist mir tatsächlich erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgefallen, dass es an dieser Bezeichnung in einer Einheitsgemeinde im Gegensatz zu einer Samtgemeinde, in der die Ortschaften ja eigene Gebietskörperschaften darstellen, nicht mangeln sollte.“

Nun aber hat alles seine Richtigkeit. An den vier Hauptzufahrtsstrecken, also von Ostervesede, Deepen, Bartelsdorf und Scheeßel kommend, grüßt die 750-Seelen-Ortschaft seit einigen Tagen zweisprachig, ebenso im Außenbereich an den Straßen „Vor den Bruchhöfen, „Scheepers“ und an der Brückenstraße. Und wen nominiert der Westerveseder Ortsbürgermeister im Rahmen der seinerzeit vom Osterveseder Ortsbürgermeister ausgerufenen Challenge als nächstes Dorf, sich für eine plattdeutsche Beschilderung einzusetzen? „Bartelsdorf“, muss Jürges gar nicht lange überlegen.

Von Lars Warnecke

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