Winterhalter und Paley im Harmshaus

Perlig, prall, facettenreich

Ein starkes Duo am Klavier: Irina Paleny und Kirchenmusiker Andreas Winterhalter. - Foto: Heyne

Scheeßel - Just zu dem Zeitpunkt, als in der Bremer Glocke das ehemalige Wunderkind Lang-Lang in die Tasten griff, durften rund 40 Besucher des nahezu ausverkauften fünften Saalkonzerts in wesentlich bescheidenerem Rahmen und familiären Ambiente des Scheeßeler Harmshauses ein Kleinod der Klassik erleben.

Es müssen nicht immer die großen Namen sein, die große Momente bescheren, wie sich zeigen sollte. Von denen standen mit Schubert, Schumann und Brahms allerdings auch einige auf dem Programm. Vierhändig nahmen Irina Paleny und Andreas Winterhalter die Zuhörer mit in die Welt der Klassik. Die Reise beginnt getragen, nämlich mit dem Allegro der Fantasie in F-Moll von Franz Schubert, das am Ende wieder aufgenommen wird und dem charakterlich vielgestaltigen Werk so einen Rahmen gibt. Flotte Passagen jugendlichen Übermuts alternieren mit purer Dramatik und einem Schuss Melancholie im Alter – so prall wie die Höhen und Tiefen des Lebens, von Winterhalter und Paleny mit gehörigem Pathos und energischem Anschlag vorgetragen. Die beiden scheuen sich nicht, den dynamischen Spielraum nach oben auszuloten und arbeiten die ganz unterschiedlichen Stimmungen gut heraus.

Selbiges gelingt ihnen auch beim anschließenden Werk „Bilder aus Osten“ von Robert Schumann. Die sechs Stimmungsbilder des inzwischen homogen agierenden Duos gelingen vortrefflich; hier dürfen die Pianisten auch ihre weiche Seite ausleben und sich in ein zunehmend nuancierteres, subtileres Spiel steigern.

Das Paradestück des Abends erwartet die Zuschauer nach der Pause: Mit den zehn ungarischen Tänzen von Johannes Brahms, einem der bekanntesten Klavierzyklen des Komponisten, evozieren Winterhalter mit viel Schwung, perligen Läufen und atemberaubender Fingerfertigkeit dessen, was zu Brahms‘ Zeiten als „ungarische Seele“ betrachtet wurde. Das darf gern einmal volkstümeln. Der bekannteste der Tänze, das Allegro Nr. 5, wird so schwungvoll interpretiert, dass so mancher zumindest gedanklich mitwippt. Aber auch das folgende Vivace und Allegretto entwickeln eine Strahlkraft, die Spaß macht. Der lang anhaltende Applaus zeigt: Es muss nicht unbedingt Lang-Lang sein. 

hey

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