Interview mit Mounted-Games-Sportlerin 

Henrike Franke: „Perfektes Team braucht Vertrauen“

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Henrike Franke auf ihrem Pony Peter Pan bei einer der spektakulären Übungen während eines Mounted-Games-Wettbewerbs.

Westerholz - Von Jens Wieters. Auf den Rücken der Pferde liegt das Glück dieser Erde – und manchmal auch eine gehörige Portion Mut. Nämlich dann, wenn junge Leute auf ihren galoppierenden Ponys waghalsige Kunststücke vollbringen. Die Rede ist vom Trendsport Mounted Games. Immer mehr Pferdefreunde haben Spaß an diesen Reiterspielen, und mittlerweile zählt der Altkreis Rotenburg zu den Hochburgen dieser Sportart. Wir sprachen mit Henrike Franke aus Westerholz, die für die „Kibros“ an den Start geht.

Was ist das Faszinierende an Mounted Games?

Henrike Franke: Mounted Games ist eine der wenigen Reitsportarten, die im Team geritten wird. Sport im Team macht mir mehr Spaß als der Einzelwettkampf. Wenn etwas nicht klappt, heitern wir uns gegenseitig auf, wir feuern uns während der Spiele an und freuen uns gemeinsam, wenn etwas gut klappt. Außerdem mag ich an Mounted Games die sportliche Herausforderung. Reiter und Pferde müssen topfit sein und einander voll vertrauen.

Mittlerweile ist es eine Art Trendsport. Wann begann der Siegeszug, und wo nahmen diese Reiterspiele ihren Anfang?

Franke: Mounted Games stammen aus Indien und dienten dazu, Reitersoldaten und ihre Ponys in Friedenszeiten fit zu halten. Die Kolonialherren Englands importierten diese Idee und entwickelten daraus einen Sport mit Spielgeräten und Regeln, nach denen heute weltweit Turniere ausgerichtet werden.

Ist dieser Sport nicht auch ein Stück weit gefährlich?

Franke: Die Gefahr, dass dem Reiter oder dem Pferd etwas passiert, ist natürlich da. Jedoch finde ich, dass Mounted Games grundsätzlich nicht gefährlicher sind als andere Pferdesportarten. Jeder Einzelne stellt sich auf die Bedingungen wie Wetter, Bodenverhältnisse und persönliche Fitness ein, und so können Unfälle größtenteils verhindert werden. Wenn doch etwas passiert, sind vor Ort immer Sanitäter, die sich kümmern, und auch Krankenwagen sowie Tierärzte sind in Bereitschaft.

Welche Ausrüstung brauchen die Reiter abgesehen vom Pferd?

Franke: Sattel sowie auch Trense mit Gebiss und Zügel sind bei diesem Pferdesport vorgeschrieben. Jedes Pferd hat seine eigene Ausrüstung, und je nach Bedarf können zum Beispiel Gamaschen zur Schonung der Gelenke verwendet werden. Einen Helm, wie auch eine Reithose und Reitstiefeletten gehören zur Ausrüstung des Reiters und sind ebenfalls Pflicht. Jedes Team hat ein abgestimmtes Outfit, sodass jeder Einzelne leicht zuzuordnen ist.

Wie oft wird in der Woche trainiert?

Franke: Pferd und Reiter müssen, wie in anderen Sportarten auch, mindestens vier Mal in der Woche arbeiten. Um ein perfektes Team zu werden, ist es wichtig, dass sich Reiter und Pony voll aufeinander verlassen können und sich vertrauen. Dies wird durch guten Reitunterricht und viel Dressurarbeit erreicht. Mit der Mannschaft wird meist einmal pro Woche trainiert. Dabei werden die Spiele geübt, verschiedene Techniken ausprobiert und überlegt, in welcher Reihenfolge die Teammitglieder an den Start gehen.

Sind eher großgewachsene oder kleinere Reiter im Vorteil?

Franke: Bei den meisten Spielen geht es um Geschicklichkeit und die hängt nicht von der Größe ab. Kleinere Menschen haben kleinere Ponys, die vielleicht etwas wendiger sind, und größere Reiter haben größere Ponys, die dann in den Strecken wieder aufholen, sodass es immer darum geht, wer die bessere Technik am Spielgerät aufzeigt und dort den Vorsprung ausbaut.

Warum üben diesen Sport wesentlich mehr Mädchen als Jungs aus?

Franke: Der Reitsport wird nun mal mehr von Frauen, als von Männern ausgeübt und somit gibt es auch bei den Mounted Games wesentlich mehr weibliche Reiter. Aber auch Jungs macht der rasante Sport viel Spaß, viele Teams haben mindestens ein männliches Mitglied.

Warum sind bei den internationalen Turnieren wiederum die Männer im Vorteil?

Franke: Bei den internationalen Turnieren geht es nicht nur um den Spaß am Sport, sondern insbesondere auch um den Erfolg. Mounted Games ist auch eine Art Kraftsport und da sind Männer ein wenig im Vorteil. Sie sind bei vielen Spielen durch ihre Kraft in Armen und Beinen beim Aufspringen und auch beim Nebenher-Sprinten im vollen Galopp schneller als Frauen. Teilweise habe ich auch das Gefühl, dass die Männer in manchen Situationen einfach waghalsiger handeln als eine Frau und daher mit mehr Risiko spielen, was sie weiter nach vorne bringt.

Wie halten sich die Reiter in den Wintermonaten fit?

Franke: Im Winter wird gejoggt und wenn es ganz kalt ist, auch einfach mal entspannt. Die normale Arbeit mit dem Pferd, also Reitunterricht, kleinere Ausritte, auch mal Horsemanship, wird auch im Winter fortgeführt und ab und zu in größeren Hallen auch Mounted Games trainiert.

Eignet sich jedes Pferd oder Pony für Mounted Games?

Franke: Grundsätzlich kann man mit jedem Pony Mounted Games reiten. Mit der richtigen Technik kann man mit kleineren wie auch größeren Ponys vorne mit reiten. Es ist jedoch von Vorteil, wenn die Pferde nicht größer als 1,49 Meter sind, da größere Tiere international nicht zugelassen sind. Und es ist natürlich leichter, im vollen Galopp auf ein kleineres Pony aufzuspringen, als auf ein großes Pferd.

Welche Eigenschaften müssen die Tiere mitbringen?

Franke: Die Ponys sollten nicht schreckhaft sein und Pferd und Reiter müssen einander voll vertrauen. Man sollte dem Pony zu Beginn auf jeden Fall viel Zeit geben und es langsam an Mounted Games heranführen.

Nach wie vielen Monaten ist ein Pony reif für ein Turnier?

Franke: Dies ist bei Pferden wie auch bei Menschen sehr unterschiedlich. Manche Ponys kommen sehr gut mit neuen Situationen klar, andere wiederum müssen sich erst einmal alles genau anschauen. Die Ponys müssen mindestens vier Jahre alt sein, um auf einem Turnier starten zu dürfen. Viele Reiter bringen ihre jungen Ponys zu Turnieren mit, ohne zu starten, damit sich die Tiere alles in Ruhe ansehen können. Aber auch ältere Ponys, die neu im Sport sind, brauchen manchmal etwas mehr Zeit, um sich an die Turnieratmosphäre, die vielen anderen Pferde und nicht zuletzt die vielen Zuschauer zu gewöhnen.

Wer denkt sich die verschiedenen Spiele aus?

Franke: Die meisten Spiele wurden von den englischen Kolonialherren erfunden. Neue Spiele stellt die IMGA (International Mounted Games Association) vor. Das ist die Dachorganisation der Mounted Games, der momentan 22 Länder angehören. Es gibt einige Spiele, die nicht in jedem Land gespielt werden, aber dies ändert sich immer mehr. Neue Spiele aus anderen Ländern werden national ausprobiert, damit die Reiter international wettkampffähig bleiben.

Warum zählt unsere Region zu den Hochburgen des Sports?

Franke: In Niedersachsen gibt es sehr viele Reiter. Vor etwa zehn, zwölf Jahren, haben einige Reitvereine und Reiterhöfe in unserer Region mit den Mounted Games begonnen. 2008 fand in Verden die Mounted-Games-Europa-meisterschaft statt und dieses Ereignis machte den Sport hier in der Region noch bekannter und beliebter. Inzwischen gibt es hier viele Reitvereine mit Mounted-Games-Abteilungen. Der Reitverein Kirchwalsede gehört zu den besonders aktiven Vereinen in der Mounted-Games-Szene: In dieser Saison gibt es zwei Kibro-Mannschaften in der offenen Klasse, drei Mannschaften in der Jugendklasse U18 und eine Mannschaft in der Jugendklasse U14.

Ihre persönlichen Ziele und Erfolge?

Franke: 2012 gehörte ich mit meinem Pony Calypso zum Deutschlandkader und habe bei der Einzelmeisterschaft in Achim sogar den vierten Platz erreicht. Das hat mich natürlich sehr gefreut und motiviert. 2013 habe ich ein zweites Pony bekommen und lange mit ihm arbeiten müssen, bis wir ein gutes Team wurden. Ich bin immer noch ehrgeizig und möchte immer im guten Mittelfeld reiten, aber der Spaß am Sport ist mir am Ende wichtiger als die ganz großen Erfolge. Und das Wichtigste überhaupt ist es, nach jedem Training oder Turnier gesund und munter gemeinsam mit meinem Partner, dem Pony, wieder nach Hause fahren zu können.

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