Zwei Westerveseder eröffnen Popup-Store für Kunsthandwerk

Per Joystick zur Weihnachtswelt

Der weihnachtliche Popup-Store von Uwe Hartmann (l.) und Mario Behrens
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Der weihnachtliche Popup-Store von Uwe Hartmann (l.) und Mario Behrens ist ein echter Blickfang.

Westervesede – Wer in Westervesede unterwegs ist, wird es längst bemerkt haben: In der lang gezogenen Kurve an der Scheeßeler Straße, wo vor einigen Jahren noch die heißen Hobel von „Chopper to Go“ standen, hat sich das Schaufenster in eine Weihnachtswelt verwandelt: hölzerne Bögen mit Tannenbäumen, Sperrholzträume mit Winterlandschaften und Engeln, im Laden selbst lassen sich Tische mit Adventspyramiden, Nussknackern und Räuchermännchen erahnen.

Zu verdanken ist die Kunsthandwerkausstellung, die so manchen Autofahrer bremsen lässt, Uwe Hartmann und Mario Behrens. Ersterer ist der Erschaffer der hölzernen Weihnachtsfreuden, letzterer der Geschäftsführer von „Harthie“. Das ist nicht nur der Name, der über der Tür des Popup-Stores prangt, sondern auch der patentierten Dekupiersäge, auf der die handgefertigten Kunstwerke entstanden sind. 2018, die Vermietung von Harleys hatte sich als Geschäftsidee nicht durchgesetzt, stieg Behrens in dem Unternehmen für das Nischenprodukt ein: „Einfach faszinierend, was man damit alles machen kann mit dieser Technik – die hat sonst keiner.“ Die bis dahin über mehrere Standorte verteilten Stationen vom Lager in Rotenburg bis zur Fertigung in Vissel nach Westervesede, dem Wohnort der beiden, zu vereinen, sei ein logischer Schritt gewesen. Genau wie Ausstellung der Produkte, die am heutigen Montag eröffnet und bis Weihnachten wochentags von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr geöffnet ist.

Kurven lassen sich mühelos ausschneiden.

Ein Popup-Store, mitten auf dem Land und das ausgerechnet in Zeiten, wo Geschäfte eher zu- als aufmachen – ein Wagnis? „Eigentlich eher eine Idee, die aus der Not heraus geboren wurde“, erzählt Hartmann. Viele Jahre bot der 61-Jährige, der seit seiner Kindheit im Erzgebirge von dem dort typischen Christschmuck fasziniert ist und ihn als Hobby herstellt, seine Erzeugnisse auf dem Kunsthandwerkermarkt vor Dodenhof an. „Das hatte sich mit Corona dann erledigt, genau wie alle anderen Adventsausstellungen“, so der Frührentner. Doch nicht nur das: Auch sämtliche Messen, bei denen der Erfinder der „Harthie“ seine weltweit wohl einmalige Dekupiersäge mit Joystick zum Drehen des automatischen Laubsägeblattes früher vorführte, sind seit der Pandemie Geschichte.

Hinter dem Westerveseder Schaufenster verbindet sich beides: Kunsthandwerkermarkt und Vorführung des Gerätes. Auf dem kleinen fahrbaren Tisch steht die elektrisch betriebene Säge, die durch Holz, Kunststoff und sogar Metall wie beim Aussägen von Münzen geht. Dabei schnurrt sie wie eine Nähmaschine; wenn man den an Schlauch zum Wegpusten der Späne anschmeißt, wird es etwas lauter. Dank der ausgefeilten Technik kurven auch Neulinge nach einigen Minuten Eingewöhnung zur Koordination der Handbewegungen mühelos durchs Holz – Hartmann ist nach jahrzehntelanger Arbeit an der „Harthie“ so schnell, dass er seine Schwibbbögen und bis zu vierstöckigen Pyramiden günstiger anbieten kann als andere Mitstreiter.

Dank Konstruktion einer Absaugvorrichtung vermeidet Hartmann jegliche Krümel in der „guten Stube“.

Bei der Präsentation geht es dem Wahl-Westerveseder nicht nur um den Verkauf des knapp vierstelligen Gerätes für den Heimgebrauch oder dem „großen Bruder“, der in der Szene bei Profis Standard ist. Sondern auch darum, die Menschen zu inspirieren und wieder Lust aufs Handwerk zu machen, selbst schöpferisch aktiv zu werden. „Viele staunen, dass die Sachen nicht aus China kommen oder vom Mond, sondern tatsächlich hier von Hand entstehen“, so Hartmann. Abgesehen davon, dass fast jedes Stück ein Unikat ist, lässt sich der Unterschied zu gelaserter Massenware aus Fernost leicht erkennen, wie Behrens erklärt: „Bei gelasertem Holz sind die Schnittkanten dunkel – bei von Hand gesägten bleiben sie schön hell.“

Nach Weihnachten werden sich die Räumlichkeiten wieder in die Produktionsstätte verwandeln, wo die bis auf den Motor samt und sonders in der Nähe von Lüneburg gefertigten Einzelteile zusammengebaut und versandfertig gemacht werden. Nur die Holz-Harleyschnitte im Fenster sind zeitlos. Sie könnten den Weg weisen für ein mögliches Ganzjahresgeschäft. Personalisierte Holz-Scherenschnitte für Brautpärchen, ein ausgefallenes Geschenk für runde Geburtstage oder Firmenjubiläen: „Machbar ist grundsätzlich so gut wie alles“, so Behrens, „das ist fast wie Malen“. Ideen haben Hartmann und Behrens genug, woran es fehlt, ist die Zeit.

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