Fintauschule Lauenbrück kehrt nach und nach zum Normalbetrieb zurück

Pauken unter Auflagen

Unterricht im Mai 2020: Aktuell bereiten sich die Fintauschüler auf ihre Abschlussprüfung vor. Das geht natürlich nur mit auseinandergezogenen Tischen. Der Vorteil: Keiner kann beim anderen abgucken. Fotos: Warnecke

Lauenbrück - Von Lars Warnecke. Es ist totenstill auf den Fluren der Fintauschule. Und so soll es ja auch sein. Die älteren Oberschüler bereiten sich auf ihre Abschlussprüfungen vor – nur eben unter Umständen, die bis vor zwei Monaten sich noch niemand so richtig hätte ausmalen können. Seit gut zwei Wochen sind die Real- und die Hauptschüler, die im Sommer abgehen werden, also wieder zurück im Klassenzimmer – und ja, natürlich sind auch hier Abstände und Hygieneregeln das Gebot der Stunde.

In den Pausen geht jede der drei Klassen so beispielsweise in einen eigenen für sie zugewiesenen Bereich auf dem Schulgelände. Das, sagt Rektor Frank Lehmann, sei später, wenn die anderen Schüler im Schichtsystem, sprich in geteilten Klassen wechseltägig dazukommen, auch für sie so vorgesehen – dann aber nicht nach Klassen, sondern nach Jahrgängen sortiert. „Zum Glück haben wir hier genug Platz.“ Die Picknickbänke im Innenhof seien jedenfalls tabu, könne man sich auf ihnen doch zu dicht auf die Pelle rücken. Jeder müsse seinen Stuhl vom Klassenraum also mit nach draußen nehmen und wieder hineintragen, erläutert Lehmann das Prozedere. „Wir haben da einfach das Einkaufswagen-Modell von Edeka übernommen.“ In einem sei man sich schließlich einig: „Wir wollen keine zweite Welle produzieren, die uns wieder in einen Lockdown bringt – das wäre die absolute Katastrophe.“

„Zum Glück“ ist ein Begriff, den er und Sascha Murso, sein Konrektor, im Pressegespräch häufiger bemühen. Denn dass die Fintauschule schon lange vor der Krise in technischer Hinsicht digital auf grundsoliden Füßen gestanden habe – der Samtgemeinde Fintel als verantwortlichen Schulträger sei dank –, sei während den Wochen, in denen das Haus an der Habichtallee dicht war, dann doch ein Segen gewesen. Für den Unterricht aus der Ferne allemal. „Die 1:1-Beschulung hat mithilfe der ,iPads‘, die jedem unserer Schüler ab Klasse acht zur Verfügung stehen, und ,iServ‘, unserer digitalen Plattform, jedenfalls erstaunlich gut geklappt“, freut sich der Leiter, „selbst bei den Fünft- bis Siebtklässlern hat sich das weitestgehend unproblematisch gestaltet.“ Seine Schule sei dabei einige der wenigen gewesen, in der der Unterricht auch nahtlos und im vollen Umfang im Home- schooling habe fortgesetzt werden können. „Und das haben wir auf freiwilliger Basis getan, verordnet war ja eigentlich, den Unterricht anfangs komplett auszusetzen.“

Und er kommt auf einen weiteren positiven Effekt zu sprechen. Demnach hätten sich nun auch jene Lehrkräfte älteren Semesters, für die die Anwendung digitaler Möglichkeiten im Unterricht bisher immer eher ein Buch mit sieben Siegeln gewesen sei, mit der Materie vertraut gemacht. „Die haben erkannt, wie wichtig so etwas ist, haben sich in das Ganze hineingekniet und arbeiten mittlerweile ganz vorbildlich damit.“

Andererseits sei Homeschooling für das Kollegium aber auch nicht nur Zuckerschlecken. Immerhin müssten die Pädagogen bei Klassen mit 25 Schülern gegenwärtig auch 25 Individualrückmeldungen geben. „Das ist schon fast mehr Arbeit, als im regulären Betrieb“, weiß der Rektor. „Daher sind einige Kollegen auch froh, wenn sich das wieder dreht.“ Dennoch, lobt er, würden alle seine Lehrer Vollgas geben. Krankmeldungen gäbe es kaum. „Dieser Schulzusammenhalt, den wir ohnehin hier haben, hat sich in der Krise jetzt noch einmal ein ganzes Stück weiter gezeigt.“

Einer, der sich gerade auf seine Abschlussprüfung vorbereitet, ist Dominik Rohmann. Der 17-jährige Realschüler ist froh, auf den letzten Metern doch noch wieder die Schulbank drücken zu können. „Am Anfang hat man sich natürlich gefreut, nicht mehr hinzumüssen“, räumt der junge Mann aus Lauenbrück ein. Dann sei ihm aber doch schnell klar geworden, dass es eine andere Situation sei, als einfach nur Ferien zu haben. „Wir haben dann für zu Hause Aufgaben bekommen.“ Besonders schlimm sei es für ihn gewesen, sich nicht mehr persönlich mit Freunden treffen zu können. Nun wolle er zum neuen Schuljahr an die BBS in Rotenburg wechseln und dort sein Wirtschaftsabitur machen. Anwalt, das könne er sich später als Beruf gut vorstellen.

Wie seine Mitschüler, die jetzt wieder geschlossen vor Ort sind, wird auch Rohmann in den Nebenfächern einfach weiterunterrichtet. „Das haben wir durchgehalten, um ihnen nochmal einen Schub in Richtung Abschlussprüfung zu geben“, erklärt Sascha Murso. So würde man den regulären Stundenplan aufrechterhalten. „Das macht sonst keine andere Schule, die anderen haben sich bei den Prüfungen auf die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathe eingeschränkt.“

Wahlpflichtkurse und AGs hätten derweil natürlich nicht stattfinden können. Und auch an sonstige schulische Aktivitäten wie Sportfeste und Klassenfahrten sei momentan noch nicht wieder zu denken. „Wir wissen bis jetzt nicht einmal, wie unsere Abschlussfeierlichkeiten aussehen werden“, bedauert Frank Lehmann. Ihm zufolge sei es zum Beispiel durchaus denkbar, die Zeugnisübergaben via Live-Stream zu übertragen, damit wenigstens die Verwandten von zu Hause aus zuschauen können. „Wir arbeiten da noch ein bisschen ins Leere.“

Dabei sei man wenigstens gut gewappnet, wenn die Oberschule wieder in den Normalbetrieb gehen würde. „In der Zeit, wo hier abgeschlossen war, hat unsere Lehrerschaft derart viel Schulentwicklungsarbeit geleistet, wie in den fünf Jahren zuvor nicht“, macht Lehmann deutlich. So würden inzwischen verschiedene Konzepte vorliegen, die man je nach Bedarf aus der Schublade holen könne, ohne später ins große Rotieren zu geraten. „Da haben wir im Sinne unserer Schüler wirklich viel Zeit und Energie reingesteckt.“

Ebenso glücklich schätzen könne man sich mit Blick auf die Schülerbeförderung per Bus. So bräuchte sich niemand nach Unterrichtsende unnötig lange auf dem Gelände aufhalten, sondern könne sofort einsteigen. „Wir sind da eine Schule, die vom neuen Schulbusplan des Landkreises profitiert“, freut sich Murso.

Nur: Je mehr Schüler demnächst wieder kommen würden, desto weniger sei zwangsläufig auch die Abstandsregel in den Fahrzeugen einzuhalten, vor allem in den kleineren. Lehmann: „Deshalb werde ich in einem Elternbrief auch noch darum bitten, dass die Kinder möglichst mit dem Fahrrad zur Schule kommen sollen.“ Sicher, betont er, sei halt sicher.

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