„Spielraum für eigene Schwerpunkte“

Pastorin Johanna Schröder hält am Sonntag ihren Aufstellungsgottesdienst

Johanna Schröder hält schon am Sonntag ihren Aufstellungsgottesdienst. Bis sie die Stelle antritt, dauert es dann aber bis September.
+
Johanna Schröder hält schon am Sonntag ihren Aufstellungsgottesdienst. Bis sie die Stelle antritt, dauert es dann aber bis September.

Scheeßel – „Ich bin die Neue“ – ob sich Johanna Schröder am Sonntag in der St.-Lucas-Kirche auch dieser Worte bedient, wie dieser Tage in so mancher E-Mail? Denn dann stellt sich die neue Pastorin, die im September mit einer halben Stelle in die Fußstapfen des in Rente gegangenen Günter Brunkhorst tritt, im Rahmen des aktuellen Gottesdienst-Formats „Kurz & gut“ der Scheeßeler Gemeinde vor.

„Aufstellungsgottesdienst“ heißt das in Fachkreisen. Rein theoretisch hätte die Kirchengemeinde ein Vetorecht bei der Anstellung der 54-Jährigen. Auch wenn dies in der Praxis so gut wie nie vorkomme, sei sie schon ein wenig nervös, gibt sie unumwunden zu: „Das ist auch gut so, das schärft die Konzentration.“ Für die Wahl-Sykerin, die derzeit als Schulpastorin an einer Berufsbildenden Schule arbeitet, markiert der Amtsantritt nach Schuljahresende im Spätsommer einen Neuanfang.

Auch die jüngste Tochter ist dann nach dem Abitur aus dem Haus, die Hobby-Musikerin zieht in den Beekeort um. Den kennt sie nicht nur vom Hörensagen und den Gesprächen ihrer Schüler, die es jedes Jahr zum „Hurricane“-Festival zieht, worauf sich auch die eigenen Töchter und sie selbst freuen. Sondern auch vom Paddeln auf der Wümme in der Jugend: „Da kommt man durch Scheeßel ja mittendurch“, so die Norddeutsche, die im Bremer Umland aufwuchs.

Aber auch inhaltlich wird sich Schröder neu orientieren: Statt mit Schülern wird sie es mit der gesamten Bandbreite der Einwohner zu tun haben, statt als „Einzelkämpferin“ arbeitet sie erstmals in einem Dreier-Team – eine Konstellation, auf deren Vielfalt sie sich freut: „Dadurch, dass wir in anderen biografischen Situationen leben, können wir unterschiedliche Impulse geben und haben Spielraum für individuelle Schwerpunkte.“ Die Arbeit mit Kindern, damals als junge Mutter in ihrer Zeit als Dorfpastorin in der Nähe von Osnabrück einer ihrer Schwerpunkte, wird sie wohl größtenteils ihren beiden Kollegen, beides junge Väter, überlassen.

Wenig überraschend wurde sie beim Kennenlerntreffen vom Vorstand gefragt, ob sie sich als einzige Frau im Trio Frauenarbeit vorstellen könne. Aber auch andere Schwerpunkte sind für die zweifache Mutter gut vorstellbar, beispielsweise die Zusammenarbeit mit Schulen oder Bildungsarbeit im weiteren Sinne, mit Künstlern, Vortragsreihen zu aktuellen Themen. Angesichts des Umbruchs in der Kirche, der sich finanziell wie auch in der Entwicklung der Mitgliederzahlen widerspiegele, „muss Kirche auch dahin kommen, wo die Menschen sind.“

Schröder, die sich als gute Zuhörerin beschreibt und jemand, der gern etwas mit anderen Menschen macht, ist „keine, die kommt und sagt: ‚Ich weiß, wie es geht!‘“ Vielmehr gelte es zu gucken: „Was gibt es hier schon, was brauchen die Menschen, was passt hierher?“ Gut kann sie sich beispielsweise auch gemeinsame Aktionen mit Vereinen oder anderen Institutionen vorstellen: „Ich bin gespannt, was es schon an Kooperationen gibt, auf denen man aufbauen kann.“

Aber auch aus einem anderen Grund ist die Arbeit im Team für Schröder perfekt, macht ihre Arbeit in der St.-Lucas-Gemeinde doch nur die Hälfte ihrer Pastorentätigkeit aus. Im Rahmen ihrer zweiten halben Stelle bildet sie Lektoren und Prädikanten im gesamten Sprengel Stade aus und fort, eine Tätigkeit, die mit viel Fahrerei verbunden ist. Dann noch allein jeden Sonntag den Gottesdienst abzuhalten, sei kaum möglich. Den Spagat zwischen zwei ganz unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern sieht Schröder als Bereicherung: „Ich finde es reizvoll, unterwegs zu sein und auch einmal über den Tellerrand zu blicken.“

Unterwegs ist sie auch gern privat auf Schusters Rappen – „meine Hobbys sind voll normal: musizieren, Spazieren gehen, Freunde treffen und schwedische Krimis.“ Auf die Frage, wie sie sich in drei Wörtern beschreiben würde, kommt spontan: „Freundlich“, dann nach einer vergeblichen Suche nach einem griffigen Attribut: „Ich kann gut zuhören und es macht mir Spaß, etwas mit Menschen zu machen.“

Der Aspekt der Zwischenmenschlichkeit ist ihr wichtig. In Zeiten der durch Corona aufs Digitale reduzierten Kommunikation kommt ihr das zu kurz. Trotzdem seien Videokonferenzen beim Homeschooling oder digitale Gottesdienstformate oder Gremienarbeit „besser als nichts“. Am Sonntag verbindet sich das Beste aus beiden Welten: der Präsenzgottesdienst unter Corona-Auflagen wird gefilmt und zeitversetzt im Netz gezeigt.  

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Kleines Format der „Summer Sensation“: Eskalation mit Vernunft

Kleines Format der „Summer Sensation“: Eskalation mit Vernunft

Kleines Format der „Summer Sensation“: Eskalation mit Vernunft
Neuer Immobilieneigentümer kündigt der Awo Scheeßel das Mietverhältnis

Neuer Immobilieneigentümer kündigt der Awo Scheeßel das Mietverhältnis

Neuer Immobilieneigentümer kündigt der Awo Scheeßel das Mietverhältnis
Über den Umgang mit Zeugnissen im Laufe der Zeit

Über den Umgang mit Zeugnissen im Laufe der Zeit

Über den Umgang mit Zeugnissen im Laufe der Zeit
Rotenburger Jung-Pianistin zwischen Deutsch-Rap und Beethoven

Rotenburger Jung-Pianistin zwischen Deutsch-Rap und Beethoven

Rotenburger Jung-Pianistin zwischen Deutsch-Rap und Beethoven

Kommentare