Kommunale Orientierungshilfe

Baumpflege: Gemeinde Scheeßel handelt neuerdings nach Leitfaden der Naturschutzbehörde

Kranke Bäume stehen lassen oder doch lieber fällen? Um das besser entscheiden zu können, hat die Gemeinde jetzt einen offiziellen Leitfaden zur Hand.
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Kranke Bäume stehen lassen oder doch lieber fällen? Um das besser entscheiden zu können, hat die Gemeinde jetzt einen offiziellen Leitfaden zur Hand.

Scheeßel – Wie umgehen mit Straßenbäumen auf öffentlichem Grund? Erst recht mit solchen, die drohen abzusterben? Sollten die etwa sofort gefällt werden? Oder besteht die Möglichkeit, sie doch noch stehen zu lassen? Fragen über Fragen, die sich auch die Gemeinde Scheeßel im Zuge ihrer Verkehrssichrungspflicht stellen muss. Immer wieder aufs Neue. Bäume, sagt Pedro Müller, seien cool, könnten aber auch viel Zeit kosten und Probleme schaffen. Müller ist Fachdienstleiter Straßen und Grün im Scheeßeler Rathaus. Seine Mannschaft, fast alle Mitarbeiter sind inzwischen zu Landschaftsgärtnern ausgebildet, kümmert sich unter anderem auch um die Baum- und Buschpflege an Gemeindestraßen und Wirtschaftswegen.

„Wir haben von uns aus gesagt, wir machen mal einen Schnitt, wo wir stehen und wie der Bestand ist“, berichtet der 44-Jährige. Für eine solche Begutachtung sei man im Spätsommer letzten Jahres gemeindeweit einmal alle Wege abgefahren – mit einem Resultat, das er so nicht erwartet hätte. „Damals sah es nämlich noch so aus, dass eine beträchtliche Anzahl an Totgehölzen, vom Austrieb bis zu Bestandsbäumen, tatsächlich aus dem Ortsbild entfernt werden müsste – das hat uns schon ein bisschen geschockt.“ Die letzten drei Jahre, so Müller, seien ja auch wirklich hart gewesen – „wir hatten eine hohe Hitzeentwicklung.“ Demnach hätten einige Bäume gar keine Möglichkeit gehabt, über Wochen und Monate Wasser zu ziehen. „Bei manchen hat man noch gedacht, die könnten im nächsten Jahr wieder austreiben.“

Wie auch immer: Um auf Nummer sicher zu gehen, also eben nicht voreilig die Säge zu zücken, habe man sich verwaltungsseitig an die Untere Naturschützbehörde gewandt – mit der Bitte, die möge zum Ganzen einmal eine fachliche Einschätzung geben. „Wir wollten eine Lösung haben, wie wir generell vorgehen sollen und können“, sagt der Verwaltungsmitarbeiter. „Also haben wir im Oktober den Kontakt zum Amt hergestellt, einen Monat später kam dann mit einem Vertreter auch schon ein Ortstermin zustande, bei dem wir einige Wege durchgegangen sind.“ Und siehe da; „Es ist alles halb so wild wie gedacht“, relativiert Müller die anfänglichen Befürchtungen. Demnach sei der Gemeinde inzwischen eine von der Behörde erarbeitete Richtlinie an die Hand gegeben worden – ein Leitfaden, welcher ursprünglich für die Kreismeistereien entwickelt worden war, in dem praxisnahe ganz genau beschrieben wird, unter welchen Kriterien hoffnungslos kranke oder schon tote Bäume gefällt werden dürfen und welche Kompensationsmaßnahmen an welcher Stelle zu treffen sind. „Ein solches Regelwerk dient uns auch als Gemeinde nun zur besseren Orientierung – so wissen wir, inwieweit wir eingreifen dürfen und was naturschutzfachrechtlich überhaupt möglich ist“, freut sich Müller, der die Kooperation „seiner“ Verwaltung mit dem Naturschutzamt in höchsten Tönen lobt: „Mit denen arbeiten wir echt gerne und viel zusammen.“

Viele Kriterien und Eckpunkte

Was der Leitfaden ebenfalls beinhalte: „Wie können pflegerische Maßnahmen durchführen, um den Erhalt der Bäume zu stärken, wir können Habitatbäume bilden, also solche, wo Brut- und Nistplätze vorgefunden werden, aber wir müssen natürlich auch entsprechendes Totholz entfernen und dann eine Kompensationsmaßnahme durchführen“, zählt der Fachdienstleiter auf.

Eine Fragestellung, die es ebenso zu berücksichtigen gelte, bevor man die Säge ansetzen würde: Was möchte man mit einem Weg überhaupt schaffen? „Will ich einen Alleecharakter kreieren oder nur Gehölze als Windschutz für gewisse Flächen? Ebenso müsse man sich Gedanken darüber machen, in welcher Art und Weise man den Weg vielleicht einfach auch nur der Natur überlassen möchte. „Da spielen mehrere Faktoren mit rein – und die müssen vorher gut durchdachtsein.“

Er weiß: Allen recht machen könne man es im Umgang mit öffentlichem Grün ohnehin nicht. „Der Spaziergänger wünscht sich davon viel, der Autofahrer sagt wiederum, es müsse alles weg, würde es im Begegnungsverkehr beim Ausweichen doch sein Fahrzeug zerkratzen – das ist immer so eine Sache des Betrachters.“ Klar, jeder Eingriff sei anfangs eine große Katastrophe, „aber das Ganze relativiert sich zum Sommer hin meistens wieder“.

Von Lars Warnecke

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