Junge Argentinier finden beim Beekefestival in Jeersdorf ein Zuhause auf Zeit

„Organisierte Leute und lustige Dächer“

Kaffeetrinken mit den „Söhnen auf Zeit“ Ramiro Risso Perrón (r.) und Gaston Alejandro Matach: Fred und Silvia Hastedt mit Tochter Sabrina. - Foto: Heyne

Jeersdorf - Wenn Ramiro Risso Perrón und Gaston Alejandro Matach dieser Tage nach Hause kommen und sich mit ihren Eltern an den Esstisch setzen, dann sind die beiden Argentinier in Wirklichkeit mehr als 12 000 Kilometer von ihrer eigentlichen Heimat entfernt. Und Fred und Silvia Hastedt sind nicht ihre echten Eltern, sondern Gastgeber beim Internationalen Beekefestival, das alle zwei Jahre Tänzer und Musiker aus rund acht Nationen auf der Bühne am Heimathausgelände vereint.

Auch wenn die Eltern selbst nicht tanzen, sondern nur Tochter Sabrina, sind die Hastedts unter den Gastgebern „alte Hasen“. Seit 2011 beherbergten sie Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern, Portugal und Mallorca – allein aus „Spaß an der Freude“, wie die Inhaber eines lokalen Handwerksbetriebs sagen. Besonders gern gesehen sind Gäste, mit denen man Spanisch sprechen könne, „das ist dann wie Urlaub“, meint Silvia Hastedt. Ihre Sprachkenntnisse durch 20 Jahre Sommerurlaub in einem kleinen Dorf in La Gomera und Kurse zahlen sich aus: Verständigungsprobleme gibt es nicht.

Trotz aller Erfahrung: Die ersten Momente, als sich am Mittwoch Gastgeber und Gäste zum ersten Mal beschnupperten, waren für beide Seiten aufregend: „Ein bisschen nervös ist man immer“, gibt Tochter Sabrina zu, die selbst schon als Tänzerin in italienischen, holländischen, portugiesischen und amerikanischen Familien übernachtet und fast nur gute Erinnerungen hat. Und auch die beiden jungen Argentinier schätzen die Unterbringung in Familien: „Das ist noch einmal eine ganz andere Nummer als im Hotel“, meint der 20-jährige Ramiro, der in seinen 13 Jahren als Tänzer bei der Formation „Balfolse“ bereits Peru, Kolumbien, die Türkei, Ungarn und viele osteuropäische Länder bereist hat. Sein Eindruck von Deutschland bis jetzt, nach Auftritten auf der Gartenausstellung in Berlin und in Schlitz, der Schwesterveranstaltung des Beekefestivals? „Hier ist alles sehr strukturiert, und die Leute sind sehr organisiert!“ Gaston, sein ein Jahr jüngerer „Bruder auf Zeit“, staunt vor allem, wie grün es hier ist, „und die Häuser haben alle so lustige spitze Dächer“.

Am ersten Abend haben die Hastedts mit den Gästen das getan, was Jugendliche so machen: Bier getrunken und Youtube-Videos geguckt, vom Hurricane-Festival. Das Frühstück am nächsten Morgen mit Käse, Eiern und Marmeladenbrot sei ganz ähnlich wie zuhause, „nur tun wir da nicht alles auf den Tisch, sondern jeder macht sich einen Teller fertig“, meint Ramiro.

Er freut sich am meisten darauf, in den nächsten Tagen viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen kennenzulernen: „Ich muss unbedingt mit denen reden und will wissen: Wie leben die?“ Er wird auf Gäste aus Indien treffen, die eigens aus Dehli gekommen sind, nur um in Scheeßel zu tanzen, wird mit Ungarn, Polen und Franzosen ins Gespräch kommen und beim „Gastgeberabend“ in Zivil zu feurigen ungarischen Weisen tanzen. Der gehört neben dem lateinamerikanischen Abend auch für Hastedts zu den heimlichen Höhepunkten, und die Momente nach den Bühnenshows, wenn die Musiker ihre Instrumente auspacken und in der Musik eine gemeinsame Sprache finden. Ähnliches gilt auch für das Tanzen, findet Sabrina, die als Gruppenleiterin unter Strom steht: „Es gib kleine Unterschiede, aber Tanzen ist universell, das versteht jeder!“ Schon jetzt wissen Hastedts, dass die fünf Tage viel zu schnell vergehen und die beiden „Adoptivsöhne auf Zeit“ am Montag fehlen werden. - hey

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Innensenator: Attentäter war Sicherheitsbehörden bekannt

Innensenator: Attentäter war Sicherheitsbehörden bekannt

Londoner Demonstration gegen Polizeigewalt eskaliert

Londoner Demonstration gegen Polizeigewalt eskaliert

Ein Toter und sechs Verletzte nach Messerattacke in Hamburg

Ein Toter und sechs Verletzte nach Messerattacke in Hamburg

1:0-Erfolg gegen West Ham

1:0-Erfolg gegen West Ham

Meistgelesene Artikel

Auto prallt frontal gegen Baum - Fahrerin schwer verletzt

Auto prallt frontal gegen Baum - Fahrerin schwer verletzt

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

MLK: Schließung ab Montag aufgehoben

MLK: Schließung ab Montag aufgehoben

Schneller, höher, weiter zum Sportabzeichen

Schneller, höher, weiter zum Sportabzeichen

Kommentare