Fortsetzung des Mordprozesses von Scheeßel

Täter handelte möglicherweise im Wahn

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Der Tatort im März.

Verden/Scheeßel - Von Wiebke Bruns. Keine Überlebenschance hatte die am 2. März 2017 in Scheeßel mit diversen Messerstichen getötete 52 Jahre alte Frau. Das bestätigte am Freitag eine Rechtsmedizinerin im Mordprozess am Landgericht Verden gegen den 42 Jahre alten Witwer.

Beim Prozessauftakt am Donnerstag hat der gebürtige Iraker die Tat gestanden. Strittig ist, ob es eine Tat im Affekt oder Mord aus niedrigen Beweggründen war. Es gibt außerdem Hinweise, dass der Mann im Wahn gehandelt haben könnte.

„Todesursächlich war ein Verbluten aus multiplen Stichverletzungen und eine Luftembolie“, sagte die Rechtsmedizinerin. 17 Stichverletzungen gibt es laut Anklageschrift. Diese wurden von der Fachärztin detailliert beschrieben. Mehrfach sei mit den Stichen die linke und die rechte Brusthöhle geöffnet worden. Ein Pneumotorax war die Folge. Doch es wurde mit den Stichen nicht nur Zwerchfell und Leber getroffen, sondern auch das Herz und die Hauptschlagader. Luft gelangte durch das Pumpen des Herzens in die Blutbahn und ins Gehirn.

Bei der Größe des Messers – alleine die Klinge soll 19 Zentimeter lang und bis zu 3,8 Zentimeter breit sein – sei es nicht ungewöhnlich, dass Knochen durchstochen worden sind. Die Rechtsmedizinerin konnte keine Reihenfolge der Stiche benennen und auch nicht sagen, ob der erste Stich von hinten oder von vorne erfolgt ist.

Am Boden liegend auf Frau weiter eingestochen

Es gibt aber Hinweise, dass noch auf die Frau eingestochen worden ist, als sie bereits am Boden lag. „Wir gehen davon aus, dass sich das Opfer bereits in Rückenlage befand und der Stichverlauf durch den harten Boden aufgehalten wurde.“ Nur geringe Abwehrverletzungen gab es an einer Hand.

Genau erklärte die Mitarbeiterin die Ermittlung des Todeszeitpunktes. Dazu war unter anderem die Temperatur in einem Schrank gemessen worden, weil die Raumtemperatur durch die offene Haustür beeinflusst worden sei. Rund drei Stunden nach der Tat war die Rechtsmedizinerin vor Ort. Bei ihrer Berechnung zur Todeszeit kam sie auf eine Zeitspanne zwischen 10.15 und 12.50 Uhr. Festgestellt worden war der Tod um 12.08 Uhr.

Im Anschluss an die Rechtsmedizinerin wurde die psychiatrische Sachverständige Dr. Nahlah Saimeh gehört. Sie begleitet den Prozess und hatte den Angeklagten erst diese Woche in der Untersuchungshaft exploriert und am Freitag weiter befragt. Es ergaben sich Hinweise auf eine mögliche wahnhafte Störung. Konkrete Aussagen wird sie dazu zum Ende der Beweisaufnahme in einem Gutachten treffen. Neben der Frage der Schuldfähigkeit stellt sich dann auch die Frage, ob die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus erforderlich ist.

Seit dem Tattag befindet sich der Angeklagte in Untersuchungshaft.

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