NLWKN lässt in der Gemeinde Überschwemmungsgebiete vorläufig sichern

Mehr Platz für die Veerse und den Lünzener Bruchbach

+
Sie sollen in Zukunft Schlimmeres verhindern: Überschwemmungsgebiete in Landkreis Rotenburg. Hier eine Aufnahme aus Veersebrück.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Ein erster Schritt zur Ausweisung von Überschwemmungsgebieten in der Gemeinde Scheeßel ist getan: Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat jetzt entlang der Veerse und des Lünzener Bruchbaches Gebiete identifiziert, die bei künftigen Hochwassern überschwemmt werden können. Die detaillierte Festsetzung ist jetzt Sache von Landkreis und der Kommune.

„Wir gehen vom Groben ins Feine“, sagt Stephan-Robert Heinrich. Was der Geschäftsbereichsleiter des NLWKN in Verden meint: Seine Behörde hat Korridore identifiziert, die bei extremem Hochwasser, wie es statistisch gesehen nur alle 100 Jahre auftritt, überflutet werden können. Die Sicherung dieser Gebiete sei dabei aber keine endgültige Festsetzung, wie Heinrich betont. „Im zweiten Schritt ist jetzt die Kommune am Ball, wir haben nur die Grundlage für ein weiteres Verfahren geleistet.“

Betroffen, das sind in diesem Fall nicht nur die Gemeinde Scheeßel und der Landkreis, sondern auch die Samtgemeinde Fintel sowie die Städte Schneverdingen (Heidekreis) und Rotenburg, auf deren Territorien ebenfalls Überschwemmungsgebiete durch den NLWKN vorläufig gesichert wurden. Bis feststeht, wo dort jeweils genau eine Ausweisung erfolgt, dürfte jedoch noch einige Zeit vergehen. Denn die von Heinrich angesprochene zweite Stufe des Verfahrens spielt sich in den jeweils zuständigen Instanzen von Kommunen und Landkreis ab. Wie bei Planungs- und Baurechtsverfahren üblich, ist hier eine Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen. „Die von uns gesicherten Gebiete können im Zuge der weiteren Verfahren natürlich noch variieren“, gibt der Geschäftsbereichsleiter zu bedenken.

Wichtig ist Stephan-Robert Heinrich der Unterschied zu Rückhaltebecken: „Bei Überschwemmungsgebieten handelt es sich um Flächen, die auf natürlichem Wege überflutet werden.“

Im Auftrag der Landesbehörde habe ein Ingenieurbüro in den vergangenen Wochen und Monaten Messungen und Bewertungen vor Ort vorgenommen. Aus diesen Ergebnissen habe der NLWKN dann die nun vorgestellten Überschwemmungsgebiete extrahiert, so Heinrich.

An der Veerse beginnt es an der B75 in Veersebrück und erstreckt sich über eine Länge von rund 13,4 Kilometern stromaufwärts bis etwa 500 Meter östlich der Landstraße 131. Die Fläche beläuft sich auf rund 173 Hektar. Das 42 Hekar große Gebiet des Lünzener Bruchbaches beginnt indes an der Einmündung in die Veerse bei Westervesede und erstreckt sich über eine Länge von 4,5 Kilometer stromaufwärts bis zur Einmündung des Deepener Grenzgrabens in den Lünzener Bruchbach.

Die Festsetzung eines Überschwemmungsgebietes habe Heinrichs Worten nach einen entscheidenden Vorteil: „Wer das im Hochwasserfall überschwemmte Gebiet kennt, kann schon im Vorfeld die Schäden minimieren – sei es durch eine Einschränkung der Baumaßnahmen oder eine Änderung der Nutzung.“

Vor allem auf baurechtliche Sachverhalte habe das Verfahren Auswirkungen. „Tritt eine entsprechende Verordnung in Kraft, wird die Errichtung oder Erweiterung von Bauten meist nur dann zugelassen, wenn sie den Wasserstand und den Abfluss bei Hochwasser nicht nachteilig verändern“, erläutert der Gewässer-Fachmann. In Bundesgesetzen sei zudem den zuständigen Kommunen untersagt, dort neue Baugebiete auszuweisen – „wenngleich es Ausnahmeregelungen gibt“.

In Niedersachsen müssen Überschwemmungsgebiete an Flüssen nach Angaben der NLWKN auf einer Länge von mehr als 7000 Kilometern überprüft und berechnet werden. Seit 2007 hat die Behörde fast 5000 Kilometer abgearbeitet – das heißt, sie sind vorläufig gesichert oder schon festgesetzt. Davon ist knapp die Hälfte durch die Unteren Wasserbehörden festgesetzt worden.

Die Unterlagen und Übersichtskarten können bei den jeweiligen Kommunen eingesehen werden.

Das sind die weiteren Überschwemmungsgebiete

Die Fintau: Das Überschwemmungsgebiet liegt im Bereich der Samtgemeinde Fintel. Es beginnt an der Straße Schmiedeberg in Lauenbrück und erstreckt sich über eine Länge von rund 13,6 Kilometern stromaufwärts bis zur Grenze zum Heidekreis. Das Areal überdeckt eine Fläche von rund 156 Hektar.

Die Ruschwede: Dieses Gebiet erstreckt sich im Bereich der Landkreise Rotenburg und Heidekreis. Es beginnt an der Einmündung in die Fintau unweit der Ortschaft Vahlde und erstreckt sich über eine Länge von rund 8,6 Kilometern stromaufwärts bis nord-westlich der Ortschaft Haswede. Etwa 15 Hektar ist das Gebiet groß.

Der Westerholzer Kanal: Betroffen ist die Stadt Rotenburg. Es beginnt an der B71/B75 zirka 200 Meter oberhalb der Einmündung in die Wümme und erstreckt sich über eine Länge von rund 1,2 Kilometern stromaufwärts bis etwa 40 Meter unterhalb der Einmündung des Everinghausen-Scheeßeler Kanals. Das Areal des Westerholzer Kanals überdeckt eine Fläche von rund acht Hektar.

Mehr zum Thema:

Christine Kaufmann (†): Bilder aus ihrem Leben

Christine Kaufmann (†): Bilder aus ihrem Leben

Küken liefern „PiepSchau“ in der Grundschule Asendorf

Küken liefern „PiepSchau“ in der Grundschule Asendorf

Ostermarkt in Brunsbrock

Ostermarkt in Brunsbrock

Was jetzt teuer ist - und wo Sie sparen können

Was jetzt teuer ist - und wo Sie sparen können

Meistgelesene Artikel

Familie aus dem Kosovo wird in Heimatland zurückgeschickt

Familie aus dem Kosovo wird in Heimatland zurückgeschickt

Chef vom „Lucky Dog Hostel“ ist baff

Chef vom „Lucky Dog Hostel“ ist baff

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Kommentare